Meinung
Expresszug verzweifelt vermisst: Ein Plädoyer für eine schnelle Rhein-Haardtbahn
Wer in diesen Tagen an die Tankstelle fährt, merkt schnell: Autofahren ist wieder ein Abenteuer. Kein schönes. Eher eines, bei dem man vor der Zapfsäule kurz innehält und sich fragt, ob man wirklich volltanken muss oder ob ein halber Tank auch irgendwie bis Freitag reicht.
Die Nachrichten liefern die Erklärung frei Haus: Krisen, Unsicherheiten, Kriege rund um die Straße von Hormus. Klingt weit weg. Fühlt sich an der Zapfsäule aber ziemlich nah an.
Und plötzlich bekommt eine alte Bekannte wieder Aufmerksamkeit: die Bahn. Genauer gesagt: die gute alte Rhein-Haardtbahn. Die, die sich durch die Vorderpfalz schlängelt, vorbei an Feldern, kleinen Orten und irgendwann hinein ins städtische Gewusel. Die, die man kennt – und manchmal ein bisschen unterschätzt. Vor allem dann, wenn man sich erinnert, wie es mal war.
Als Bahnfahren noch ein bisschen schneller war
Es gab eine Zeit, da hatte diese Strecke so etwas wie einen kleinen Luxus: den Express. Ein Zug, der nicht überall hielt. Der einfach mal durchzog. Der Pendlern das Gefühl gab, ein paar Minuten Vorsprung gegenüber dem Rest der Welt zu haben.
Heute ist das anders. Mehr Stopps, mehr Rücksicht auf alle, weniger Tempo. Demokratischer, könnte man sagen. Oder langsamer. Und doch: Wer sich morgens in die Bahn setzt, merkt schnell, warum sie trotz allem eine echte Alternative ist. Kein Stau, kein Stop-and-go, kein nervöser Blick auf die Uhr, während sich die Autos Stoßstange an Stoßstange schieben.
Stattdessen: ein Sitzplatz, vielleicht ein Fensterplatz. Ein Buch. Kopfhörer. Ein kurzer Blick nach draußen, wenn die Sonne über den Weinbergen aufgeht und die Landschaft langsam wach wird. Das hat was.
Mehr als nur eine Komfortfrage
Dass die Expresszüge auf der Überlandstrecke verschwunden sind, mag aus planerischer Sicht logisch erscheinen: mehr Halte, mehr Gleichbehandlung, ein einfacheres Angebot. Doch genau darin liegt das Problem. Denn Mobilität ist längst keine Komfortfrage mehr – sondern für viele eine finanzielle.
Steigende Spritpreise, höhere Parkgebühren in den Städten, dazu der tägliche Zeitdruck: Für viele Pendler aus der Vorderpfalz wird der Weg zur Arbeit zunehmend zur Belastung. Gerade sie waren es, die vom Express profitiert haben. Jede gesparte Minute zählt im Alltag – und jeder vermiedene Euro an der Tankstelle ebenso.
Wenn der öffentliche Nahverkehr eine echte Alternative sein soll, muss er nicht nur flächendeckend, sondern auch attraktiv sein. Ein Zug, der überall hält, erfüllt das eine. Ein Zug, der auch schnell ist, das andere.
Der Express als verpasste Chance
Genau hier stellt sich die Frage, ob Verkehrspolitik und Planung derzeit am Bedarf vorbeigehen. Während bundesweit über Verkehrswende und Klimaziele diskutiert wird, fehlt es vor Ort oft an den entscheidenden Anreizen. Die Rhein-Haardtbahn hätte das Potenzial, deutlich mehr Menschen vom Auto in die Bahn zu holen.
Ein konsequent eingesetzter Express könnte genau das leisten: Pendler schneller in die Städte bringen, Straßen entlasten und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Aber nicht nur das. Er könnte auch Familien und Ausflügler deutlich attraktiver in die Region bringen, etwa an die Weinstraße, zu Festen, in die Natur oder in die Innenstädte von Ludwigshafen und Mannheim.
Gerade an Wochenenden und in den wärmeren Monaten zeigt sich, wie groß dieser Bedarf ist. Wer spontan unterwegs sein will, entscheidet oft auch nach Zeit und Komfort. Eine schnelle, direkte Verbindung kann hier den Unterschied machen – zwischen Auto und Bahn.