Bad Dürkheim Europa in Eintracht
Europa klingt in aller Pracht und Eintracht bei den Internationalen Orgeltagen in der Schlosskirche. Die Gastorganisten aus verschiedenen Ländern machen mit Werken aus ihrer Heimat bekannt und das ist gut so. Erlesene Raritäten kann der Zuhörer dabei erleben – so auch beim Konzert des spanischen Organisten Francisco Amaya, der am Dienstag spielte.
Amaya ist Organist an einer Kirche in Valencia, arbeitet auch als Chorleiter, konzertierte bei namhaften Orgelfestivals in Europa und beschäftigt sich mit der Musik der spanischen Renaissance und des Barock ebenso gerne wie mit zeitgenössischer Musik. Stücke aus all diesen Epochen gab es am Dienstag auch zu hören. Ins späte Mittelalter Spaniens ging es mit einem Werk von Antonio de Cabezon: den ruhigen „Diferencias“ (Variationen). Ferne und doch vertraute Welten wurden dabei eröffnet. Ein Werk des Frühbarock folgte mit dem „Segundo tiento“ von Francisco Correa de Arauxo. Sehr viel Farbe brachte der Organist in die wechselnden Charaktere dieser Variationen: von ruhiger Gesanglichkeit zu tänzerischem Schwung und Heiterkeit, schließlich klangprächtig intensiviert. Der spanische Gast nutzte die reichen Klangmöglichkeiten der Ott-Orgel. So bekamen die Zuhörer eine Ahnung von der Klangpracht der alten spanischen Instrumente. Juan Bautista Cabanilles wird gerne als „spanischer Bach“ bezeichnet. Schöne Dialoge entwickelte der Organist bei seinem „Corrente Italiana“ zwischen den beiden Manualen, zwischen warmen Flöten- und kernigen Zungenregistern. Gesanglichkeit und Ornamentik in sanftem tänzerischem Elan durchzog die Wiedergabe. Ein Werk von Bach durfte auch hier nicht fehlen: die Fantasia G-dur, die ganz in der französischen Tradition steht. Die spanische Klassik war vertreten mit Vicente Martin y Soler. Seine Sonata d-moll ist eigentlich die Ouvertüre zu seiner Oper „Una cosa rara“. Quirligen, spielfreudigen Rokoko-Charme ließ der Organist anklingen, stimmte schwungvoll auf eine musikalische Komödie ein. Jubelnde Klangpracht entwickelte der Organist aus der „Fanfarria del Emperador“ und nicht minder erhebend war die Toccata und Fuge über den Hymnus „Aver maris Stella“ des Romantikers Hilarion Eslava. Großer harmonischer Reichtum wurde dabei aus der Choralmelodie entwickelt. Ein lieblich melodiöses Wiegenlied folgte mit der „Berceuse“ von Eduardo Torres und in unsere Zeit ging es schließlich mit „Superflumina I“ von Adolfo Gutierrez Viejo (Jahrgang 1935). Von der französischen Orgelmusik, Messiaen und Alain ist dieses Werk beeinflusst, das zeigte sich in den virtuos gleißenden Akkorden, den faszinierenden Harmonien und Farben ebenso wie den mystischen, geheimnisvollen Abschnitten. Das „Offertorio“ von Jesus Guridi spielte er als Zugabe und als Dank für den reichen Beifall. Lyrisch und tief empfundene Melodik, zu hymnischer Pracht gesteigert.