Bad Dürkheim „Es ist ein Ros’ entsprungen“ auf Schwedisch

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Eineinhalb wunderbare Stunden lang konnten die Zuhörer in der voll besetzten Protestantischen Kirche Friedelsheim weihnachtlichen Liedern aus dem Norden Europas in Originalsprache lauschen. Die jungen Sänger der Camerata Carolina und der Cantomanie der Universität Heidelberg brachten sie unter der Leitung ihres Dirigenten Professor Franz Wassermann zu Gehör.

Mit Applaus zwischen den einzelnen Liedvorträgen hielt sich das Publikum zurück. Das war gut so, denn es hätte die Magie der eben verklungenen Weihnachtslieder gebrochen und das wäre schade gewesen. Der herzliche Schlussapplaus dürfte die Sänger entschädigt haben. Solisten des Abends waren Anne Wuhrer (Alt), Monika Gradl (Mezzosopran) und Matthias Radke (Bariton). Die ganze Friedelsheimer Kirche füllte sich gleich zu Beginn mit strahlendem Chorgesang, denn die beiden Chöre hatten bei „The Lord Bless You“, komponiert vom Engländer John Rutter, sowohl im Chorraum als auch auf der Empore Stellung genommen. Von Rutter war auch das „Christmas Lullaby“, das Weihnachts-Wiegenlied, das dann von den gut 40 Sängern im Chorraum der Kirche angestimmt wurde, wie alle anderen folgenden Lieder auch. Dänemark war vertreten mit „Barn Jesus i en Krybbe laa“ (Das Christuskind in der Krippe) von Niels Wilhelm Gade, der zusammen mit Felix Mendelssohn Bartholdy zeitweise die Leipziger Gewandhauskonzerte leitete. Norwegen war unter anderem mit zwei Weihnachtsliedern“ von Edvard Grieg – „Der Weihnachtsbaum“ und „In den Himmel“ – Pianist und Komponist der Romantik, vertreten. Einer der gesanglichen Höhepunkte des Abends waren die Weihnachtslieder aus Schweden, allen voran „Jul, Jul, stralande Jul“, Leuchtendes Weihnachten, komponiert von Gustav Nordquist, das die jungen Sänger später nochmals mit sichtlicher Freude als Zugabe sangen. Wunderschön auch die Interpretation des Chores von „Es ist ein Ros’entsprungen“, gesungen auf Schwedisch und mit bewunderndem Raunen aus dem Publikum bedacht. „Gib mir nicht Glanz noch Pracht“ des finnischen Komponisten Jean Sibelius sei das bekannteste finnische Weihnachtslied, hatte Chorleiter Wassermann diesen Beitrag in seiner Begrüßungsrede vorgestellt, das kurz darauf folgenden „Magnificat“ hatte er mit dem Prädikat „Rarität“ versehen. Sein Komponist, César Cui, war ein russischer Offizier und Musikkritiker mit französischen Vorfahren väterlicherseits. Richtig heimelig klang das Volkslied aus Russland „Bajuschki Baju“. Das mit „Weihnachten in Europas Norden“ betitelte Chorkonzert klang mit Liedern aus dem Baltikum aus: Aus Estland war „Jesus, der du in uns wohnest“ von Urmas Sisaks, aus Lettland „Himmlisches Leuchten“ von Jazeps Vitols und aus Litauen das Volkslied „Vaikstinejo Povele“, „die Pfauenhenne“ mit dem Goldstaub auf dem Kopf. Dieses Volkslied hat mit Weihnachten nicht direkt etwas zu tun, wie der Chorleiter vorweg erzählte, die Litauer hätten sich der Christianisierung in Europa am längsten widersetzt. Publikum und Chor zusammen sangen am Ende der wie im Flug vergangenen eineinhalb Stunden „O du Fröhliche“, an der Orgel begleitet von Professor Wassermann. Nach so vielen Adventskonzerten in der Friedelsheimer Kirche komme man inzwischen zu Freunden, meinte Wassermann in seiner Einführungsrede. Er wünschte dem Publikum so viel Freude beim Zuhören, wie „wir beim Musizieren haben“. Hausherrin, Pfarrerin Andrea Jung, gab den Zuhörern nach dem Konzert ein „Gott segne Sie auf ihrer Reise nach Weihnachten“ mit auf den Nachhauseweg.

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