Bad Dürkheim
Erste Trauung in der Michaeliskapelle: Mehr als eine schöne Aussicht
Langsam erklimmt die kleine Hochzeitsgesellschaft an diesem Freitag den kleinen Anstieg hinauf zur Michaeliskapelle. „Der Platz hier ist so goldig“, sagt eine Frau und zückt ihr Mobiltelefon. Sie wird mit Elena Zapata Avendaño und Gunter Röhrig Hochzeit feiern, die sich in wenigen Minuten das Jawort geben werden – als erstes Paar überhaupt bei einer standesamtlichen Trauung in der Michaeliskapelle.
Obwohl das kleine Gebäude auf dem Michelsberg so heißt, ist es nicht geweiht. Die Michaeliskapelle ist eng mit der Geschichte des Wurstmarkts verbunden. Ursprünglich wurde sie bereits im zwölften Jahrhundert errichtet, jedoch im Jahr 1601 abgerissen. Erst 1990 erfolgte der Wiederaufbau durch die Interessengemeinschaft St. Michaeliskapelle, die sich seitdem um die Pflege und Erhaltung der Kapelle kümmert. Für die heutigen beiden Trauungen haben die Helfer die Kapelle, die Platz für 20 Personen bietet, feierlich herausgeputzt.
„Ein spiritueller Ort“
Die Überlegung, außer auf der Limburg und im Rathaus standesamtliche Eheschließungen anzubieten, gehe auf Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt (CDU) zurück, sagt der fürs Standesamt zuständige Beigeordnete Gerd Ester (CDU). Man habe verschiedene mögliche Orte durchgespielt, etwa die Hardenburg oder den Gradierbau. Erstere ist nicht im Besitz der Stadt, beim Gradierbau fehle es an Privatheit, findet Bauernschmitt: „Bei der Interessengemeinschaft Michaeliskapelle sind wir dann auf ein offenes Ohr gestoßen.“ Der Erfolg der Wurstmarkttrauungen auf dem Michelsberg im vergangenen Jahr habe sie in ihren Überlegungen zusätzlich bestärkt.
„Wir wollen die Michaeliskapelle auch einem religiösen Zweck zuführen, etwa durch Taufen, Segnungen oder eben Trauungen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Interessengemeinschaft, Steffen Michler. „Der Michelsberg ist ein spiritueller Ort, ein Kraftort. Das ist spürbar, wenn man hier oben steht“, ergänzt Michler.
Die Hochzeitsgesellschaft bewundert derweil eher die fulminante Aussicht auf Gradierbau, Therme und Pfälzerwald. „Es ist einfach ein schöner Blick. Als das Standesamt uns eine Trauung hier oben vorgeschlagen hat, waren wir sofort begeistert“, sagt Gunter Röhrig, während er auf seine Braut wartet. Er lebe seit zwölf Jahren in Bad Dürkheim und sei begeistert von dem Kapellchen als Wahrzeichen der Stadt. Für Standesbeamtin Nadine Kästner ist die Trauung ebenfalls etwas Besonderes: „Schließlich ist sie die erste in der Michaeliskapelle.“
150 Trauungen im Jahr
Etwa 150 Paare geben sich in Bad Dürkheim standesamtlich das Jawort, erklärt Gerd Ester. Etwa in zwei Drittel der Fälle stammen die Paare nicht aus Bad Dürkheim. 60 Trauungen finden auf der Limburg statt. Die Stadt verfügt derzeit über drei Standesbeamte. „Die brauchen wir auch“, betont Ester. Drei Termine mit jeweils zwei Trauungen bietet die Stadt in diesem Jahr in der Michaeliskapelle an, die beiden Termine Anfang August sind bereits ausgebucht. Am 29. August wären noch Termine frei.
Für den Beigeordneten sind die Trauungen auf dem Michelsberg ein Gewinn: „Damit bieten wir Paaren nicht nur einen einzigartigen Ort für ihren besonderen Tag, sondern stärken zugleich das Bewusstsein für unser kulturelles Erbe.“
Christoph Helfer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft, nennt noch einen weiteren Aspekt: Der neue Vorstand sei damals angetreten, um die Kapelle stärker in der Stadt zu platzieren: „Die Trauungen sind eine gute Möglichkeit, die Michaeliskapelle von ihrer schönsten Seite zu präsentieren.“
Noch Fragen?
Die Trauung in der Kapelle ist ab sofort regulär über das Standesamt der Stadt Bad Dürkheim buchbar. Die Gebühr für die Eheschließung beträgt 127 Euro, hinzu kommt eine Nutzungsgebühr von 150 Euro an die Interessengemeinschaft Michaeliskapelle. Weitere Informationen unter www.bad-duerkheim.de
