Blickpunkt
Erdbeben: Wachenheimer und Dürkheimer bangen um Angehörige
Türkische und syrische Mitbürger blicken mit großer Sorge in die Katastrophengebiete. Einige haben Freunde und Familienmitglieder verloren. Andere haben keinen Kontakt zu den Angehörigen und wissen nicht, ob diese noch leben, da es keine Möglichkeit gibt, mit ihnen zu kommunizieren. In den meisten von den Erdbeben betroffenen Regionen ist die Stromversorgung zusammengebrochen und die Handys können nicht mehr aufgeladen werden.
Adem Gül, der in Wachenheim ein Döner und Pizza Haus betreibt, berichtet, dass in der Stadt Adiyaman, in deren Nähe seine Eltern wohnen, immer noch sehr viele Menschen verschüttet sind. Wer überlebt habe, traue sich nicht in die wenigen Häuser, die einigermaßen unversehrt seien. „Meinen Eltern ist glücklicherweise nichts passiert“, berichtet Gül. Er macht sich keine Hoffnung, dass aufgrund der großen Kälte überhaupt noch Menschen lebend gefunden werden können. „Die Leute, die es geschafft haben, brauchen jetzt Lebensmittel, warme Kleidung, Zelte, Generatoren und auch Heizstrahler.“ Er selbst habe schon viele nützliche Dinge gesammelt, die auf Lastwagen in die Türkei unterwegs seien.
Überlebt, aber obdachlos und ohne Hilfe in Sicht
Die Syrerin Rouida Khalaf, die mit ihrem Mann Hussam Hito eine Änderungsschneiderei in Wachenheim betreibt, berichtet, dass ihre Schwester die Katastrophe im Ort Dschabla mit ihrer Familie überlebt hat, aber nicht mehr in das einsturzgefährdete Haus zurück kann. Freunde in der unmittelbaren Nachbarschaft seien alle umgekommen. Hussam Hito wünscht sich, dass mehr Hilfe und Hilfsgüter in Syrien ankommen sollen. Die Menschen dort seien sehr arm und momentan schutzlos im Freien der großen Kälte ausgesetzt.
Ilgün Ucar sitzt voller Verzweiflung in ihrem Dürkheimer Gemüse- und Feinkostgeschäft und denkt an Freunde und Bekannte in Kahramanmaras, Adana und Hatay, die dort ums Leben gekommen sind. Ihrer Familie in Karakocan sei jedoch nichts passiert. Sie berichtet, dass die türkische Regierung nicht in allen Orten ausreichend hilft und sich mit schwerem Gerät an den Bergungsaktionen beteiligt. Stattdessen werde mit den bloßen Händen nach Verschütteten gegraben. „Ich weiß, dass beispielsweise in dem Dorf Adiyaman bislang noch gar keine Hilfe angekommen ist“, sagt Ucar.
„Es ist ganz, ganz schlimm“
Fathma Dogan und Mehmet Sabanci arbeiten in einem Kebab Imbiss in Bad Dürkheim. Beide denken ständig an die Familie, Freunde und Bekannte im Katastrophengebiet und erhalten von dort fast stündlich Bilder und Nachrichten, die sie entsetzen. „Meine Eltern und Geschwister haben es in dem Ort Gaziantep überlebt, können aber nicht in ihr Haus zurück. Die Familie des Cousins meiner Mutter ist leider gestorben“, berichtet Sabanci mit stockender Stimme. Das Erdbeben sei eine Katastrophe mit unvorstellbaren Ausmaßen. „Einige Städte sind komplett zerstört, die gibt es nicht mehr“, berichtet Mehmet Sabanci. Nichts würde mehr funktionieren, alles sei zusammengebrochen und den Menschen würde es an allem fehlen. Seine Landsleute seien sehr froh und dankbar, dass es internationale Hilfe, auch aus Deutschland, gebe. Fathma Dogan vermisst die Hilfe für ihre Heimatstadt Kahramanmaras. Dort leben ihre Eltern, zu denen sie aber noch keinen Kontakt bekommen habe. Ein Baby aus ihrem engsten Familienkreis sei nach der Rettung im Krankenhaus verstorben. „Die Menschen haben kein Wasser, keinen Strom, frieren und haben nichts zu essen. Es ist ganz, ganz schlimm“, erzählt Dogan. Einige würden aus den Bergen Schnee holen, um daraus dann Wasser zu machen.
Cem Mizrak, den viele Dürkheimer als Taxifahrer kennen, hat den Tod von Erol, einem guten Kumpel, der im Erdbebengebiet zu Besuch war, zu beklagen. Seine eigene Familie lebe nicht in dem Katastrophengebiet. Er selbst habe schon einige Kisten mit Hilfsgütern zusammengepackt, die am Samstag zusammen mit anderen Sammelgütern per Lkw in die Türkei geschickt werden. „Die Moschee in Bad Dürkheim hat ein Spendenkonto eingerichtet. Das Geld ist für die Betroffenen im Katastrophengebiet bestimmt“, sagt Mizrak, der versichert, dass das Geld dort „eins zu eins“ ankommt.
Spendenkonto
KT Bank, IBAN: DE95 5023 4500 0141 4300 09 oder PayPal: paypal@ditip.de Stichwort: Türkiye Depremi – Türkei Erdbeben