Bad Dürkheim Entspannter, aber noch lange nicht ruhig
Der 2. Juli 2015 war ein denkwürdiger Tag in Torsten Bechtels Lebens. Zum einen, weil er ins Amt des Verbandsbürgermeisters eingeführt wurde. Zum anderen, weil dieser Start holprig verlief. In der Friedelsheimer Schwabenbachhalle gab’s statt der üblichen warmen Worten auch unverhohlene Misstrauensbekundungen von SPD und FWG. Insgesamt hat sich die Lage inzwischen entspannt. Bedenken gibt es aber immer noch. Das hat nicht zuletzt die jüngste Sitzung VG-Rats gezeigt, in der bei der Wahl von Heike Ditrich zur Ersten Beigeordneten Wahlkampfwunden neu aufgebrochen sind. Nach Diskussionen dieser Art sagt Bechtel gern, dass ihn solche Auseinandersetzungen nicht mehr schrecken. Und dass man doch bitte bedenken solle, dass die überwiegende Mehrheit der Entscheidungen einstimmig fielen. Auch die Amtseinführung der etwas anderen Art bewertet er rückblickend ähnlich: „Überrascht“ habe ihn das schon, getroffen allerdings nicht. Und bereut hat er die Entscheidung, nach der zunächst verlorenen Wahl gegen Amtsinhaber Udo Kittelberger nach dessen plötzlichen Tod noch einmal anzutreten, habe er ohnehin nie. Er habe Spaß am Gestalten, an der Vielfalt seines neuen Berufs. Dass er nun Bürgermeister von Stadt und Verbandsgemeinde ist, ist für die politische Opposition auch ein Jahr nach der Wahl noch Thema. Das hat die Debatte um den Beigeordnetenposten überdeutlich gemacht. Bechtel selbst belastet die Personalunion nach eigener Aussagen nicht, im Gegenteil: Es „macht mich ruhiger“, sagt er. Er könne sich nun ganz auf eine Sache konzentrieren, nämlich die Politik. Vorher war da parallel noch der Beruf als Lehrer. Als „Privileg“ empfindet er das gemeinsame Mittagessen mit der Familie, das nun durch die Nähe von Arbeitsplatz und Zuhause möglich ist. „Abends bin ich nicht so planbar“, sagt er. Die Sitzungsdichte hat sich in Bechtels Leben naturgemäß gesteigert. Er versucht an allen Terminen in den Orten teilzunehmen. Die Bedenken gegen ihn könne er im persönlichen Gespräch meist zerstreuen, sagt Bechtel. Sein Friedelsheimer Amtskollege Peter Fleischer (FWG) sagt auf Nachfrage, gut mit ihm auszukommen. Wie schnell die Diskussionen um den Beigeordnetenposten verarbeitet sind, wird sich zeigen. Nahtlos hat wohl der Übergang in der Verwaltung funktioniert. Bechtel, der schon seit 2009 Stadtbürgermeister war, kannte bereits alle. In seinem Vorzimmer sitzt Claudia Heinzmann, die auch schon für Udo Kittelberger das Sekretariat geführt hat. Neu besetzt wird demnächst die lange vakante Stelle des Ordnungsamtsleiters. Ein neues System, das schon in vielen Verwaltungen Einzug gehalten hat, soll nun auch in Wachenheim eingeführt werden. Eine neue Kraft unterstützt auch das Standesamt. Drei Personen können nun Trauungen vornehmen, dazu kommt der frühere Beigeordnete Helmut Rentz, der das ab und zu noch macht. Und in wenigen Wochen Bechtel selbst, der diesbezüglich einen eintägigen Kurs speziell für Bürgermeister absolviert hat. Nachdem bisher zwei Samstage für Trauungen angeboten werden können, sollen sich durch die neue Konstellation möglicherweise mehr Termine ergeben. Neben angenehmen Aufgaben stand im ersten Jahr natürlich die Flüchtlingskrise im Mittelpunkt. Die Verbandsgemeinde war vor einem Jahr bei der Aufnahme von Asylbewerbern im Rückstand, sagt Bechtel. Rund 70 lebten hier, vor allem in Wachenheim und Ellerstadt, jetzt sind es über 180, inzwischen auf alle Orte verteilt. So langsam müsse man auch nicht mehr jede Wohnung nehmen, so Bechtel. Turnhallenbelegung oder Container wird es wohl auch in Zukunft nicht geben. Natürlich sei die Hilfe der Ehrenamtler unverzichtbar, betont er. Aktuell geht es in der Verbandsgemeinde darum, den in die Jahre gekommenen Flächennutzungsplan zu überarbeiten. Bis das nicht erledigt ist, liegen verschiedene Baugebiete auf Eis. Die Überarbeitung laufe nach Zeitplan, sagt der Verwaltungschef Bechtel. Einen Investitionsstau gibt es bei den Abwasserwerken: Eine Untersuchung hat ergeben, dass wohl mehrere Millionen Euro investiert werden müssen. Bei diesen Fragen, so scheint es, herrscht in der VG Einigkeit.