Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ensemble FisFüz in der Georgskirche

 Das Ensemble FisFüz in der Georgskirche mit Murat Coskun, Yaschar Coskun, Malika Coskun, Muhittin Kemal und Annette Maye (von l
Das Ensemble FisFüz in der Georgskirche mit Murat Coskun, Yaschar Coskun, Malika Coskun, Muhittin Kemal und Annette Maye (von links).

Tanzende Tataren und Kosaken besuchten die Zuhörer bei der musikalischen Reise rund ums Schwarze Meer mit dem Ensemble FisFüz in der Georgskirche.

Wasser und Wellen, kreischende Möven, so begann die Reise. Dann ging es weiter, beginnend bei Bulgarien, über Rumänien, die Ukraine und die Krim und weiter über Russland nach Georgien und die türkische Küste entlang. Freilich sind das die heutigen Bezeichnungen der Anliegerstaaten – es sind viel mehr verschiedene Völker und Kulturen, die teils über spätere Grenzen hinweg gelebt haben. Das Rauschen und Plätschern des Wassers ging über in Melodien des Kanun. Muhittin Kemal hatte eigene Stücke mitgebracht. Der leicht schwebende Klang seiner orientalischen Kastenzither kommt von der Mehrchörigkeit. Das bedeutet, dass zwei bis drei Saiten für einen Ton gestimmt sind und gleichzeitig gespielt werden. Angeschlagen oder gezupft wird mit Fingerplektren. Damit ist es auch möglich, einen Tremolo-Anschlag zu spielen und so an Klänge der Bouzouki und ähnlicher Instrumente zu erinnern. Auch gebrochene Akkorde, wie bei einer Harfe, waren zu hören. Die Tonleitern sind etwas anders als das hierzulande übliche Dur und Moll. Das gibt für die hiesigen Zuhörer gleich den Eindruck von Musik, die aus weiter östlichen Regionen kommt.

Murat Coşkun, der zusammen mit Annette Maye das Ensemble gegründet hat, spielte ein großes Solo auf seinem Hauptinstrument, der Rahmentrommel. So einfach das Instrument auf den ersten Blick erscheint, so viele differenzierte Klänge kann ein Könner wie Coşkun ihm entlocken. Dazu kommt die rhythmische Variation, die beeindrucken vorführte. Auch tonale Percussion, wie ein pentatonisch gestimmter Hang kam zum Einsatz. Dieses Instrument erinnert im Klang an eine Steeldrum, wird aber mit Händen gespielt und klingt weichter. Auch Tamburin und andere Instrumente kamen zum Einsatz. Die Rhythmusabteilung wurde verstärkt durch seinen Sohn Yaschar und Tochter Malika. Die Tochter spielte gelegentlich auch Akkordeon, was dem Ganzen noch eine zusätzliche Farbe gab.

Besondere Sounds

Annette Maye spielte nicht nur tonal auf ihrer Bassklarinette, sondern half bei den Klangbildern auch mit besonderen Sounds durch ungewöhnliche Spielweisen mit. Rauschende Töne, oder Überblasen und Multiphonics, also Mehrstimmigkeit mit gleichzeitig gesungenen Tönen waren da zu hören. Aber auch Klezmer-Klänge auf einer üblichen Klarinette klangen virtuos.

Zu den atmosphärischen Klanglandschafte gehörte neben Meer und Küste auch eine Weide, mit den Glöckchen der Tiere und sogar eine gelegentliches „Määääh“ ließ die Zuhörer schmunzeln.

Dramaturgisch war das Programm gut aufgebaut. Es gab ruhige Stücke, aber auch sehr lebhafte Tanzmusik. Meist war die Musik zu größeren Blöcken zusammenhängend – was auch ein schönes Bild dafür ist, wie nahe sich die Kulturen sind, die auf der musikalischen Reise besucht wurden. „Sie können aufstehen und sich bewegen“, ermunterte Murat Coşkun – aber so weit gingen die Zuhörer dann doch nicht, sondern wackelten im Sitzen ein bisschen mit. Schwierig war für manche auch das Mitklatschen. Die Musiker ermunterten dazu, allerdings erwischte nicht jeder die erhofften leichten Taktzeiten auf die Zwei und Vier eines Vierertaktes. Andere Rhythmen warn noch deutlich anspruchsvoller, denn gerade in Bulgarien und Rumänien sind zusammengesetzte und ungerade Taktzahlen weit verbreitet. In der Musik des Ensembles klangen die auch ganz flüssig, wer aber mal mitzählte, merkte die raffinierte Gestaltung.

Lebhafte Improvisationen

Spaß gemacht haben nicht nur die Rhythmen, sondern auch die lebhaften Improvisationen der Musiker. Die Zuhörer ließen sich mit Begeisterung mitnehmen, am Ende des Programms applaudierten das ganze Publikum stehend und so gab es noch eine Zugabe.

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