Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Energiekrise: Bio-Metzgerei Micol schränkt Öffnungszeiten ein

Mark Micol und seine Frau Bibijane arbeiten selbst jeden Tag im Betrieb in Oppau mit.
Mark Micol und seine Frau Bibijane arbeiten selbst jeden Tag im Betrieb in Oppau mit.

Viele Betriebe in der Pfalz kämpfen ums Überleben. Auch die Bio-Metzgerei Micol muss nun Schritte unternehmen, um die Filiale in Bad Dürkheim halten zu können.

Mark Micol ist der nächste Metzger, der Konsequenzen aus den stark angestiegenen Strom- und Gaspreisen ziehen muss. Micol betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Bio-Metzgerei Micol. Neben der größeren Filiale in Ludwigshafen, an die auch die Produktion angeschlossen ist, hat er im November vergangenen Jahres das Geschäft der ehemaligen Metzgerei Ester in der Römerstraße in Bad Dürkheim übernommen. Nach nur einem knappen Jahr muss er für die Filiale im Kurort nun eine Entscheidung als Antwort auf die ständig weiter steigenden Kosten treffen: Ab kommender Woche wird die Metzgerei nur noch von Donnerstag bis Samstag, also künftig an drei statt fünf Tagen in der Woche, geöffnet sein.

„Ohne die Einsparung, die wir dadurch an Strom, Benzin und Personalkosten machen, ist die Filiale leider nicht zu halten“, begründet der Metzger die reduzierten Öffnungszeiten. Obwohl sein Vermieter ihm sehr entgegenkomme, indem er ihm die Hälfte der Pacht erlässt, reiche das eingesparte Geld dennoch nicht aus, um die Kosten zu decken. Das hängt laut Micol an „einigen Faktoren, die gerade zusammen kommen“.

Drastische Umsatzeinbrüche

Neben den Stromkosten von 800 Euro im Monat, brauche er aktuell zum Beispiel alleine 500 Euro für Benzin, um die Filiale in Bad Dürkheim zu beliefern. „Da muss man einige Ringe Fleischwurst verkaufen, bis man das wieder drin hat“, sagt Micol. Zusammen mit den Kosten für Miete, Wasser, Gas und Personal habe er Ausgaben von rund 8000 bis 9000 Euro netto – nur für den Standort in Bad Dürkheim.

„Damit wir das tragen können, brauchen wir mindestens 20.000 Euro Umsatz, und da sind wir halt nur noch knapp dran“, erklärt der 40-Jährige. Er macht deutlich: „Die Zeiten sind schon lange vorbei, in denen Metzger so viel verdient haben, dass ihnen die Kosten egal sind.“ Stattdessen sei der Umsatz vor allem seit Beginn des Krieges in der Ukraine stark zurückgegangen, und das nicht nur in Bad Dürkheim, sondern auch in Oppau und auf den Wochenmärkten. „Man merkt einfach, dass die Leute weniger Geld haben, besonders die Nachfrage nach Bio ist drastisch gesunken“, berichtet der Metzger.

Seit Monaten kein Gewinn

Seit Februar seien die Umsätze teilweise um die Hälfte eingebrochen – und das bei weiter laufenden und steigenden Ausgaben. Die Filiale in Bad Dürkheim hat somit laut Micol schon seit sechs bis sieben Monaten keinen Gewinn mehr für den Betrieb abgeworfen. „Das ist frustrierend, vor allem, wenn du so viel Herzblut reinsteckst“, sagt er. Die gestiegenen Kosten immer weiter auf die Kunden umzulegen, sei allerdings auch keine Lösung. „Ich kann keine 100 Euro für ein Kilo Rinderfilet verlangen, das kauft dir keiner ab, aber eigentlich brauchen wir das Geld, damit es weiterlaufen kann“, stellt er fest.

Um stattdessen nun Kosten einzusparen, nun also die Entscheidung dazu, die Öffnungszeiten entsprechend anzupassen. So fällt schon einmal weniger Geld für Benzin an, weil die Filiale nicht so häufig beliefert werden muss. Und auch die Stromkosten für die Kühlung der Verkaufstheke werden weniger.

Ohne Einsparungen keine Chance mehr

Ein weiterer großer Batzen kann durch die geringeren Personalkosten eingespart werden. Das ist aber zugleich der Punkt, den Micol an der Entscheidung am meisten bedauert. „Das tut mir natürlich mega Leid, das ist eigentlich eine Katastrophe, aber ohne dass wir Personal entlassen oder die Stunden von mehreren immens reduzieren, geht es nicht“, erklärt er. Micol weiter: „Das liegt nicht mehr in unserer Macht, das sind einfach Kosten, die sind nicht mehr tragbar.“

Auch hier rechnet er vor: Eine Festangestellte koste ihn im Monat inklusive Nebenkosten ungefähr 3000 Euro. „Dafür brauche ich einen Umsatz von mindestens 6000 Euro, das verdiene ich nicht mit drei Öffnungstagen in Bad Dürkheim“, sagt der Vater einer 4-jährigen Tochter.

Micol hofft nun, dass die Kundschaft von Dienstag und Mittwoch ihren Einkauf künftig auf Donnerstag, Freitag oder Samstag verlegt. „Das würde uns viel helfen“, betont er. Gemeinsam mit den Einsparungen ist er optimistisch, den Standort in Bad Dürkheim halten zu können. „Aber ohne die Halbierung der Pacht und die angepassten Öffnungszeiten hätten wir im Januar spätestens aufgeben müssen, da hätte ich keine Chance mehr gesehen“, sagt Micol.

Fünf Mal so hohe Kosten

Ein ähnlich düsteres Bild für die Zukunft zeichnet er für die Filiale in Oppau, wo der Großteil der 18 Angestellten arbeitet. Dort ist er aktuell noch nicht so sehr von den steigenden Energiepreisen betroffen, weil er noch einen alten Vertrag mit seinem Energiedienstleister hat. Momentan zahlt er noch einen Strompreis von 6,3 Cent pro Kilowattstunde, während er in Bad Dürkheim schon zu teueren Konditionen einkaufen musste und 25 Cent für die gleiche Leistung zahlt.

Solche Preise könnten ihm ab Januar nun auch für Ludwigshafen bevorstehen, da ihm der jetzige Energieversorger zum Ende des Jahres gekündigt hat. „Wenn ich dann die gleichen Preise wie in Bad Dürkheim zahlen muss, kann ich die ganzen Geschäfte eigentlich direkt schließen, das ist nicht mehr zu machen, wenn es so weiter geht“, sagt Micol. In Oppau zahlt er aktuell knapp 1300 Euro für seinen Stromverbrauch. Ab Januar könnte es, je nach Anbieter, zu monatlichen Zahlungen von 4200 Euro kommen. „Und das ist nur der Strom, Gas sind dann noch mal 900 Euro mehr, dann ist man schnell bei einer Summe von 4000 bis 5000 Euro mehr im Monat“, berichtet er.

„Das kann keiner verdienen, nicht mit weniger Geschäft. Wir bekommen weniger und die Ausgaben verfünffachen sich, wie soll das gehen?“ bleibt am Ende seine große Frage. Micols Prognose: „Wenn das nicht aufhört, geht der Mittelstand hundertprozentig kaputt.“ Als eine Möglichkeit, das zu verhindern, sieht er die Gas- und Strompreisbremse: „Ich hoffe sehr, dass die Deckelung kommt, dann hätten wir auch in Bad Dürkheim wieder Spielraum und mehr Luft zum atmen.“

HWK: Vielen Betrieben geht es genauso

Wie Micol geht es vielen weiteren Betrieben in der Region, wie die Handwerkskammer Pfalz (HWK) auf Anfrage mitteilt. Wie aus Beratungsgesprächen hervorgehe, seien vor allem die energieintensiven Gewerke, zu denen die Fleischereien und Bäckereien zählen, betroffen: „Ihnen setzt das seit Monaten währende multiple Krisenszenario besonders zu. Die stark steigenden Energie- und Materialpreise sowie der anhaltende Fachkräfteengpass bedrohen sie zum Teil sogar existenziell“, berichtet Wencke Wenderoth von der HWK-Pressestelle.

Die Möglichkeiten für die Fleischereien, Energie einzusparen, seien meist begrenzt. „Oftmals sind nur kleinere bauliche oder organisatorische Maßnahmen möglich – wie die Verkürzung der Öffnungszeiten.“ Die betroffenen Betriebe setzten ihre Hoffnung daher, wie Micol, auf die Entlastungsinstrumente der Bundesregierung. Die Unternehmen wie auch ihre Beschäftigten seien auf eine schnellstmögliche Umsetzung der Gas- und Strompreisbremse, sowie „direkte Härtefallhilfen noch in diesem Jahr angewiesen“, um ihre Betriebe halten zu können.

Öffungszeiten

Ab sofort wird die Bio-Metzgerei Micol donnerstags und freitags von 8 bis 18 Uhr. Samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet sein.

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