Über den Kirchturm hinaus RHEINPFALZ Plus Artikel Endlich wieder Sommer: Klimawandel bremsen

Natur: ein kleines Stück Paradies.
Natur: ein kleines Stück Paradies.

Vor Kurzem hatte ich einen Ohrwurm. Der ging mir tagelang nicht aus dem Kopf. „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer, wie er früher einmal war, ja, mit Sonnenschein von Juni bis September und nicht so nass und so sibirisch wie in diesem Jahr.“

Das ist doch verrückt, dachte ich. Es war gerade über 30 Grad heiß. Mit dem Lied hatte Rudi Carell 1975 großen Erfolg, und auch später wurde es immer wieder mal gespielt. Doch das ist lange her. Jeder Landwirt bei uns in der Vorderpfalz – und nicht nur hier – der es heute hört, würde sagen: „Bloß nicht schon wieder so ein Sommer wie die letzten drei.“ Die Leiter vieler Wasserwerke würden einstimmen. Sie warnen davor, dass das Trinkwasser knapp werden könnte, wenn es so weitergeht. Die Förster melden große Trockenschäden im Wald, die dem Borkenkäfer das Leben leicht machen. Vor allem in den tieferen Bodenschichten finden die Bäume zu wenig Wasser. Die Forscher der „Polarstern“ kommen von ihrer Arktisreise zurück und sagen: In 25 Jahren wird es am Nordpol kein ganzjähriges Eis mehr geben. Und in der Südsee gehen schon die ersten Inseln im steigenden Meeresspiegel unter. Also bloß nicht noch mehr solche Sommer!

Der Klimawandel schreitet voran, selbst wenn der jetzige Sommer Anlass geben sollte, das Lied von Rudi Carell wieder rauszukramen. Wissenschaftler sagen: „Wir Menschen haben – vor allem in den letzten 150 Jahren – diese Entwicklung mit vorangetrieben. Hoher Energieverbrauch, fossile Brennstoffe, Raubbau an der Natur… Und nach dem Verursacherprinzip müssen wir jetzt auch gegensteuern, und zwar schnell und tiefgreifend, bevor es unumkehrbar wird.“

Das macht vielen Menschen Angst, das verunsichert. Müssen wir zurückstecken bei unserem gewohnten Lebensstil, bei unserem Wohlstand Abstriche machen? Wahrscheinlich schon. Wirksamen Klimaschutz wird es nicht umsonst geben können. Aber können wir dabei nicht auch gewinnen? Ich meine jetzt nicht den „Hauptgewinn“, nämlich die Bewahrung der Schöpfung. Das ist eine riesige Aufgabe. Dazu müssen alle mithelfen rund um unsere Erde. Dazu sind große Schritte notwendig in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Aber das haben längst noch nicht alle erkannt, geschweige denn die nötigen Konsequenzen gezogen. Doch für den Weg zu einem großen Ziel sind die kleinen Schritte des Alltags genauso wichtig und gewinnbringend. Wer öfter mal für kürzere Strecken aufs Fahrrad steigt statt ins Auto, wird merken, dass das auch seiner Gesundheit gut tut. Wer in seinem Garten ein Stück Rasen zur Blühwiese wachsen lässt, wird sich an einer erstaunlichen Vielfalt von Insekten freuen können. Beim (Bio-)Bauern im Hofladen einkaufen, Gemüse aus dem eigenen Garten oder vom Balkon, selbst kochen statt Fastfood – ein ganz „eigenes“ Geschmackserlebnis. Kleine Schritte, von denen es noch eine ganze Menge mehr gibt. Wir brauchen sie nur zu suchen und auszuprobieren. Machen Sie mit?

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Pfarrer i.R., zuletzt in Sausenheim-Neuleiningen und Grünstadt

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