Wachenheim
Elville Blues Band im Badehaisel: Klein, aber oho
Gitarrist Tom Schaffert, Keyboarder Tom Karb und Schlagzeuger Sam Sommer schwärmten bereits im Vorfeld über die außergewöhnliche Qualität ihrer beiden Gäste. Sie hatten mit ihren Vorschusslorbeeren, wie sich sehr schnell herausstellte, nicht übertrieben. Ickler ist ein Bassist, der sich ohne Zögern jeder musikalischen Herausforderung stellt und in unterschiedlichsten Stilarten als E- oder Kontrabassist zu Hause ist. Er ist auch ein Mann, der sich sofort in eine Gruppe integrieren und ihr zusätzlich neue Impulse hinzufügen kann.
Weit über seine Heimatstadt hinaus ist er nicht nur als Musiker, sondern auch als engagierter Yogalehrer bekannt. Die Ruhe und Entspanntheit, die er dafür braucht, und die Energie, die er dabei aufbaut, bringt er spürbar mit auf die Bühne. In Wachenheim erledigte er seinen Job völlig unaufgeregt und agierte so, als wäre er schon seit Jahren mit der Elville Blues Band unterwegs.
Lange hielt er sich im Hintergrund und sorgte mit Drummer Sam Sommer für einen unwiderstehlichen Groove. Erst während einer der letzten Nummern des Konzertabends, „Ain’t No Mountain High Enough“ – zweimal zum Hit geworden durch Marvin Gaye mit Tammi Terrell und später durch Diana Ross – zeigte er sich am vorderen Bühnenrand und stellte mit einem tollen Solo seine besondere Klasse unter Beweis.
War es jedoch für ihn schon schwer genug, Michael Batzler zu vertreten, hatte Jessica Born eine wahre Herkulesaufgabe zu bewältigen. Marion La Marché, mit ihrer Powerstimme das eigentliche Aushängeschild der Band, für diesen einen Abend vergessen zu machen, erschien beinahe unmöglich. Vielmehr hatten sich die Zuhörer darauf eingerichtet, eine Vokalistin zu hören, die ihr Bestes gibt und im günstigen Fall einen bunten Fleck in die von Tristesse geprägte Coronazeit zeichnen kann. Als die Frau dann schließlich nach dem einleitenden Instrumental „Eight Counts For Rita“ auf die Bühne kam, wurde ihr darum zwar wohlwollender, aber nicht gerade enthusiastischer Beifall gespendet.
Kaum aber hatte sie die ersten Töne von B. B. King’s Klassiker „The Thrill Has Gone“ durch die Lautsprecher gejagt, änderte sich das schlagartig. Jetzt richteten sich alle Augen auf sie und schnell war allen klar: Jessica’s born for the Blues. Die kleine zierliche Frau singt mit einer Inbrunst, dass es eine wahre Freude ist, ihr zuzuhören. Ähnlich wie La Marché legt sie all ihre Gefühle in die Performance. Sie schreit, flüstert, flirtet mit dem Mikrofon und lässt das Publikum Anteil an ihrer Darbietung nehmen. Eine echte Entertainerin also, die sich von vorneherein keine Mühe gab, in irgendjemandes Fußstapfen zu treten, sondern in jeder Sekunde ihr eigenes Ding durchzieht. Jessica Born ist Jessica Born – Punkt! Selbstsicher interpretierte sie Etta James’ „I’d Rather Go Blind“, eigentlich eine Nummer, die sonst immer gut und gerne von La Marché vorgetragen wird. Borns Version war zwar anders, dadurch aber keinen Deut schlechter als die der Original-Frontfrau. „Ball & Chain“ machte sie, unter Beifall und anerkennenden Pfiffen der Zuhörer, zu einer Hommage an die große Janis Joplin, Santanas „Brightest Star“ wurde – gewürzt mit tollen Soli der beiden Toms, Schaffert und Karb – zu einem von vielen Höhepunkten des Abends, und „Gimme Shelter“ von den Rolling Stones kam als Warnung vor dem Krieg selten so deutlich rüber wie hier. Wenn man Jessica Born bei ihrem Auftritt überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann, dass sie mit „Down At The Bottom“ nur ein Stück aus ihrer eigenen Feder vortrug und Songs aus ihrer aktuellen Langspielplatte „Reset“ sogar komplett vernachlässigte. Aber vielleicht holt sie das Versäumnis beim nächsten Mal nach, schließlich hat sie versprochen, bald wieder einmal in die Pfalz zu kommen.