Bad Dürkheim
Eltern beklagen Personalengpässe in der Kita St. Ludwig
Bereits vor drei Jahren hatten Eltern der katholischen Kita St. Ludwig in der Bad Dürkheimer Beethovenstraße wegen personeller Engpässe demonstriert. Einschränkungen gab es seitdem in der Kita, die 2023 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, immer wieder. Da sich die Situation für Kinder und Eltern seit Anfang Januar, auch bedingt durch die Krankheitswelle, aber extrem zugespitzt hatte, wandte sich Susanne Brenzinger Mitte Februar an die RHEINPFALZ.
Die Mutter einer fünfjährigen Tochter berichtet, dass die Leitung seit Monaten fehle, hinzu kamen länger- und kurzfristige Krankheitsfälle. Ende Januar erfolgte dann die Meldung über den Personalnotstand, verbunden mit der Bitte an die Eltern, die Kinder – wenn möglich – zu Hause zu betreuen. Ab 31. Januar lief die Kita im eingeschränkten Betrieb, Anfang Februar wurde auf Notbetrieb für 20 Kinder umgestellt. Brenzinger spricht aufgrund fehlender Regularien von chaotischen Zuständen: „Viele Eltern brachten ihre Kinder so früh wie möglich, um einen der freien Plätze zu ergattern.“
Keine Springerstellen in Pfarrei vorhanden
Schuld daran ist Brenzingers Ansicht nach auch die Struktur hinter der Kita. Träger der Einrichtung ist die katholische Kirche in Bad Dürkheim, die wiederum zum Bistum Speyer mit über 200 Kindergärten gehört. Springerstellen seien nicht vorgesehen, daher könnten personelle Engpässe, anders als in kommunalen Kitas der Stadt, nicht ausgeglichen werden. Auch personelle Hilfestellung vonseiten der Pfarrei habe es nicht gegeben, ebenso wenig kreative Lösungen wie das Einbeziehen von ehrenamtlichen Helfern. Manche Eltern hätten über einen Wechsel in städtische Kitas nachgedacht und bei der Stadt nachgehakt, seien jedoch abgewiesen worden. Bei all der Kritik lobt Brenzinger den Einsatz der verbliebenen Erzieherinnen, die oftmals „halb genesen wieder zur Arbeit kommen und ihr Möglichstes tun“.
Der Einschätzung der Bad Dürkheimerin schließen sich Elli Baum, stellvertretende Vorsitzende des Elternausschusses, und Miriam Egli, Vorsitzende des Fördervereins, weitestgehend an und bestätigen die Unzufriedenheit vieler Eltern. Baum spricht von Kindern, die „keine Lobby in der Kirche haben“ und frustrierten Eltern angesichts der unsicheren Betreuungssituation. Von Pfarrer Moritz Fuchs, der die Pfarrei seit eineinhalb Jahren leitet, habe sie sich mehr erhofft, etwa ein Gesprächsangebot an die Eltern: „Dabei hat die Kita mit dem tollen Garten so viel Potenzial.“ Egli wird deutlich: „Die Situation für Eltern ist dramatisch, wir können uns nicht auf die Betreuung verlassen.“
Wie soll gerechtes Auswahlverfahren aussehen?
Pfarrer Fuchs kennt die Anschuldigungen. Führt auf Nachfrage für die Gründe der Engpässe aber den „überall extrem hohen Krankenstand“ an. Springerstellen könne es in der Trägerstruktur mit nur einer katholischen Kita der Pfarrei nicht geben. Zudem sei die Etablierung eines gerechten Auswahlverfahrens für die Notplätze extrem schwierig. Das sagt auch Peter Heilmann, Trägerbeauftragter für die Kita, der nach dem Ausfall der Kita-Leitung administrative Aufgaben übernommen hat. Zudem habe die Kita in der Zeit der extremen Notlage sogar über den gültigen Handlungsplan hinaus die Kita offengehalten. „Ich habe Verständnis für die Nöte der Eltern, aber die Aufsichtspflicht muss gewährleistet bleiben.“ Heilmann bestätigt, dass aktuell 11,64 Stellen für die 100 Kinder auf dem Papier besetzt seien, die Vakanzen seien allein auf Krankheitsfälle zurückzuführen.
Auch dem Bistum sind die Probleme bekannt. Es sei „in Abstimmung mit der zuständigen Regionalverwaltung von Beginn an versucht (worden), die Personalengpässe so gut es geht aufzufangen.“ Grund für die Situation sei „die derzeit überall auftretende Grippewelle“. Ob die neu gegründete Kita gGmbH im Bistum Speyer Abhilfe schaffen kann, bleibt unklar. Bis zum Jahr 2027 sollen alle Kitas des Bistums in die gGmbH überführt werden, dann könnten pädagogische Fachkräfte anderer Einrichtungen auch in St. Ludwig eingesetzt werden. Allerdings sei das ein „komplexes Verfahren in der Umsetzung, zum anderen würden dann aber in einer anderen Kita eine Vakanz entstehen“, schreibt Bistumssprecherin Katharina Kiesel.
Seit vergangener Woche befindet sich die Kita wieder im Normalbetrieb. Dennoch soll es am 6. März ein Gespräch in der Kita geben, zu dem der Elternausschuss den Trägerbeauftragten Heilmann, Pfarrer Fuchs, den Förderverein, die Kita-Leiterin sowie den Kreiselternausschuss eingeladen hat: Gesucht wird nach Lösungsmöglichkeiten für zukünftige Engpässe.