Bad Dürkheim Eldorado für Müßiggänger

Feiertag ist erst am Montag, gefeiert wird in Wachenheim aber schon am Sonntag, liebe Leserinnen und Leser. Und zwar kräftig. Herbstmarkt in der Mühlgasse, Holzviertelfest, Probiertage beim Apfelhof Zimmermann in der Bahnhofstraße und das Ballonglühen des Gewerbevereins auf der Wiese neben dem Schwimmbad – da können die Müßiggänger von einer Attraktion zur anderen wandern. Oder spazieren. Oder schlendern. Zu Fuß, jedenfalls. Denn die Wege sind kurz und die Parkplätze voll. Dazu kommt, dass fürs Holzviertelfest die Weinstraße bis 18 Uhr teilweise und dann bis Mitternacht im Festbereich komplett gesperrt ist. Genau deshalb befürchten einige Wachenheimer am Sonntag ein Verkehrschaos in der Stadt. Staus wie in Bangkok und eine Luft wie in Stuttgart – und das mitten an der Weinstraße? Sind die Befürchtungen berechtigt? Nun, am vergangenen Sonntag reihte sich in Wachenheim Stoßstange an Stoßstange, an den Arkaden konnte man dem Feinstaubbelag an den Wänden beim Wachsen zusehen, jedenfalls, wenn man sich den Abgasen so lange aussetzen wollte. Was war geschehen? Nichts Besonderes. Es war nur bestes Ausflugswetter. Und wenn es die Ludwigshafener, Mannheimer, Mainzer, Heidelberger und Wormser am Sonntag mal schön haben wollen, dann kommen sie in die Pfalz. Wer kann es ihnen verdenken. Dass all diese naherholten Menschen sich am frühen Abend wieder auf den Heimweg machen müssen, ist für sie ebenso bedauerlich wie für etliche Gemeinden entlang der Weinstraße. Das Problem ist dann die Masse der Umgehungsstraßen-Umgeher. Denn scheinbar macht erst das Stop-and-go durch die malerischen Ortskerne der mittelalterlichen Weinorte den Ausflug zu einer runden Sache für den urbanen Automobilisten. Vielleicht auch als Einstimmung auf die Fahrt zur Arbeit am nächsten Morgen. Diese Welle an Heimkehrern kulminiert etwa um 18 Uhr, just, wenn morgen die Weinstraße in Wachenheim gesperrt wird. Die Standardumleitung über die Raiffeisenstraße steht wegen Bauarbeiten ausgerechnet in diesem Jahr nicht zur Verfügung. Umgeleitet wird die Blechlawine stattdessen über die enge Ring- und die üppig beparkte Bahnhofstraße. Im Zusammenspiel mit den Besuchern der Apfelprobiertage auf den Gehwegen könnte hier ein Nadelöhr entstehen, besonders am frühen Abend. Das ist den Verantwortlichen in Wachenheim durchaus bewusst. Noch am Dienstag verfeinerten sie ihr Konzept: Dem Durchgangsverkehr soll schon in Deidesheim die Sperrung angezeigt werden, die Weinstraße wird erst ab 18 Uhr statt wie geplant ab 10 Uhr gesperrt, und partielle Parkverbote in Bahnhof- und Ringstraße sollen Engpässe vermeiden. Viel mehr kann man nicht tun. Wer dann immer noch den Weg durch Wachenheim sucht, sollte vorsichtshalber ausreichend tanken. Doch dann wäre da ja noch die wirksamste aller verkehrsberuhigenden Maßnahmen: das Wetter. Eine trübe Pfalz zieht nicht die Massen. Doch sollte man sich deshalb für Sonntag Regen wünschen, mit leeren Tischen wie beim Schlinzelgassenfest im Mai? Sicher nicht! Dann doch lieber ein bisschen Chaos und ein paar entnervte Autofahrer. Die vielleicht beim nächsten Mal die Umgehungsstraße benutzen. Ein verkehrsarmes Wochenende wünscht Ihnen