Bad Dürkheim Eisern vereint
Heute sind Franziska und Werner Engelbert 65 Jahre verheiratet, sie feiern das seltene Fest der Eisernen Hochzeit. Das betagte Ehepaar, das auf ein gemeinsames Leben „mit Höhen und Tiefen“ zurückblickt, führt noch selbstständig seinen Haushalt. Ihr persönliches Jubiläum begehen sie im kleinen Kreis mit Tochter Elke.
Werner Engelbert wurde vor gut 91 Jahren in einem kleinen Ort am Rand des Westerwaldes geboren, seine 87-jährige Frau Franziska, geborene Schmitz, in Köln: Ihrer Sprachfärbung ist ihre Herkunft noch deutlich anzuhören. Mit 13 Jahren zog Werner mit den Eltern nach Köln-Porz. Nach dessen Arbeits-, Wehrdienst und Gefangenschaft lernten sich die beiden Jubilare 1948 kennen. Franziska erlernte den Beruf der Schneiderin und wurde 1944 an ihrer Lehrstelle nach einem Bombenangriff verschüttet. Man hätte ihr nach der Bergung beinahe das verletzte Bein abgenommen, erzählt sie, ein zufällig vorbeikommender Frauenarzt habe das verhindert. Jetzt, im Alter, macht ihr dieses Bein zu schaffen und schränkt ihre Bewegungsfähigkeit ein. Drei Jahre lang „gingen“ sie miteinander, ehe sie im Mai 1951 heirateten, um eher eine eigene Wohnung zu bekommen. Die bekam das Paar dennoch erst knapp zwei Jahre später, bis dahin wohnte jeder weiter bei den Eltern. Franziska muss schmunzeln als sie erzählt, dass sie, als sie standesamtlich geheiratet hatten, miteinander ein paar Tage verreisen wollten. Nichts da, beschied Franziskas Mutter, erst müssten sie auch kirchlich verheiratet sein. Man holte das im August 1952 nach: „War trotzdem schön“, sagen beide. In ihren ansonsten optimistischen Rückblick auf das gemeinsame Leben mischt sich Trauer, als sie vom Tod ihres ersten Kindes, Edith, erzählen, die nach 13 kinderlosen Jahren 1964 geboren wurde. Sie starb nach einer mit Hepatitis verseuchten Bluttransfusion im Alter von fünf Monaten. Ein Jahr später kam Elke auf die Welt, sie wohnt in der Nähe, in Hausen. Nach Bad Dürkheim verschlug es die Engelberts eher unfreiwillig. Nach 35 Jahren Betriebszugehörigkeit wurde Werners Firma „abgewickelt“. Er war 54 Jahre alt, hatte aber Glück innerhalb des Konzerns eine Stelle in Ludwigshafen zu bekommen. Sie fanden eine Wohnung in den damals gerade entstehenden Mehrfamilienhäusern in der Mannheimer Straße und dort wohnen sie auch heute noch. Als Werner 1989 in den Ruhestand ging, wäre Franziska gerne wieder zurück nach Köln gezogen: Sie vermisste den Rhein, den Dom und die Schiffe, die dort vorbeiziehen. Doch ihr Mann und ihre Tochter zogen da nicht mit – sie wollten ihr liebgewordenes Lebensumfeld nicht mehr wechseln. Das 60. Hochzeitsjubiläum vor fünf Jahren wurde noch groß mit Nachbarn und Bekannten gefeiert: „Da wurde halt einfach das Wohnzimmer ausgeräumt“, blickt das Ehepaar zurück. Das Jubiläum heute wollen sie ruhig angehen. (mkö)