Bad Dürkheim
Einblick in die Polizeiarbeit: Wie laufen Verkehrskontrollen ab?
Normalerweise sind Verkehrskontrollen für Autofahrer eher ein „spontanes Vergnügen“. Ich fahre an diesem warmen Donnerstagmorgen ganz gezielt zu einer. Heute soll nicht nur ich etwas über die Kontrollen lernen, sondern auch die aktuellen Polizeianwärter. Sie dürfen mit Unterstützung ihrer Anleiter in der Praxis üben, wie eine Verkehskontrolle richtig abzulaufen hat.
Schon auf dem Weg zum Treffpunkt auf einem Parkplatz zwischen Bad Dürkheim und Wachenheim gehen mir panische Fragen durch den Kopf: Wo ist eigentlich mein Verbandskasten verstaut? Habe ich überhaupt Warnwesten im Auto und liegen meine Fahrzeugpapiere immer noch im Handschuhfach?
Mit diesen Fragen bin ich nicht alleine, erzählt Daniel Mischon, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Dürkheim, bei meiner Ankunft. Tatsächlich sei die Suche nach diesen Dingen eine der Gründe, wieso sich eine Kontrolle meist unnötig in die Länge ziehe. „Die meisten Leute machen sich erst Gedanken darüber, wo Warndreieck, Warnweste und Verbandskasten verstaut sind, wenn sie in eine Kontrolle geraten. Die Suche danach kann dann auch mal länger dauern.“
Sensibilisieren statt strafen
Minuten, die im Notfall über Leben und Tod entscheiden könnten. „In einer Unfallsituation bleibt oft keine Zeit, wenn eine Person blutend auf der Straße liegt. Hier muss jeder Handgriff sitzen“, sagt Mischon. Deshalb seien Verkehrskontrollen so wichtig. „Die Leute halten es für Raubrittertum, doch wir wollen sie damit keinesfalls schikanieren. Es geht darum, über gängige Fehler aufzuklären und Verständnis zu erwecken, um den Verkehr sicherer zu machen.“ Die Verkehrsteilnehmer sollen sensibilisiert werden. Dazu muss es nicht immer direkt ein Bußgeld sein.
Oft reiche es aus, an die Vernunft der Leute zu appellieren. „Die meisten haben alles dabei und es wird gar kein Bußgeld fällig. Wir versuchen jedem zu erklären, wie wichtig es ist, dass alles seine Ordnung hat.“ Dazu gehört eben auch ein intakter Verbandskasten. „Man muss sich nur mal vorstellen, selbst Hilfe nötig zu haben. Wer will seine Wunde versorgt bekommen mit Verbandszeug, das schon mehrere Jahre abgelaufen und nicht mehr steril ist?“, fragt Mischon.
Sein Tipp an alle Autofahrer: Papiere und Warnwesten (am besten für jeden Passagier) vorne oder im Handschuhfach aufbewahren. Warndreieck und Verbandskasten in den Kofferraum. Und am besten nicht lange mit der Neuordnung warten. „Gleich machen und weiter sagen. Das kostet nix, hat aber einen schönen Effekt.“
Kontrollen laufen immer gleich
m vergangenen Jahr wurden laut Mischon mehr als 6000 Verkehrsteilnehmer überprüft. Davon bekamen 5174 eine Verwarnung. Bei 918 wurde eine Ordnungswidrigkeit festgestellt. „Das sind dann Vergehen wie Handy am Ohr, nicht angeschnallt oder viel zu schnelles Fahren. Meist wird ein Bußgeld fällig. Es kann aber auch mal sein, dass das Auto stehen bleiben muss“, erklärt der Polizist.
Worauf es in einer Verkehrskontrolle ankommt, weiß Mischon genau. Er ist schon seit über 25 Jahren bei der Polizei. Von dieser Erfahrung profitieren nun auch die Anwärter, auf die er bei der heutigen Kontrolle ein besonderes Auge hat. Schließlich ist er für die Prüfungsabnahme der Azubis zuständig.
Der Ablauf einer Kontrolle ist übrigens immer gleich. Ein Polizeibeamter winkt das Fahrzeug aus dem Verkehr. Immer zwei Kollegen übernehmen zusammen eine Kontrolle. „Das dient der Sicherheit der Beamten“, erklärt Mischon. Personalien werden abgefragt, Papiere überprüft und dann das Auto unter die Lupe genommen. Ist die Bereifung in Ordnung? Funktionieren die Lichter? Und die Wo ist der Verbandskasten?
Polizeianwärter Maxim Wieczorek arbeitet sich ruhig und gewissenhaft durch die Kontrolle. Er lächelt viel und spricht bewusst freundlich mit den Autofahrern. Das kommt an – die Kontrollierten wirken alle gelassen. Der 25-Jährige ist seit über einem Jahr in der Ausbildung und hat bereits ein paar Verkehrskontrollen hinter sich.
Übung macht den Meister
Seine Anleiterin Linda Wollenberg ist zufrieden: „Er macht das schon sehr gut, besonders im Umgang mit den Leuten. Aber man merkt eben, dass die Jungen noch nicht so sattelfest sind.“ Sie ist für ihren Schützling hier, obwohl die Kontrolle außerhalb ihrer Arbeitszeit liegt. Wollenberger findet solche Trainingstage wichtig, „schließlich macht Übung den Meister und wir können uns alle austauschen“, sagt sie.
Das sieht auch ihr Ausbilder-Kollege Ricardo Happersberger so. Der 30-Jährige ist seit 2014 in Bad Dürkheim und nimmt zusammen mit seinem Schützling David Schönfeldt Verkehrskontrollen ab. Neben der gängigen Verbandskasten-Problematik müssen die Kollegen auch oft mit sprachlichen und technischen Barrieren kämpfen – manch einer verwechselt die Lichtanlage mit dem Wischwasserhebel. „Es ist oft nicht leicht, aber man findet sich zurecht. Bisher waren alle nett und der Job macht mir viel Spaß“, sagt der 21-jährige Schönfeldt.
Nach gut drei Stunden geht es für die Beamten weiter zu anderen Einsätzen. Und auch ich mache mich wieder auf den Weg. Nicht, ohne vorher die Warnwesten ins Handschuhfach gelegt, den Verbandskasten überprüft und meine Papiere sicher verstaut zu haben. Schließlich will ich bei einem möglichen Unfall vorbereitet sein – und bei der nächsten Verkehrskontrolle.