Wachenheim
Ein Heiliger trotzt Corona
Da es im Moment aufgrund der Corona-Einschränkungen kaum Lichtblicke und spannende Veranstaltungen auch für die ganz Kleinen gibt und sogar die Sankt-Martinsumzüge vielerorts abgesagt wurden, hatten die Wachenheimerinnen Michaela Räch und Julia Hill eine Idee. „Wir haben es nicht übers Herz gebracht, dieses wunderschöne Fest einfach so ausfallen zu lassen“, berichtet Räch.
Über eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe kam der Kontakt zu Hill zustande, die schon seit Kindesbeinen im Pferdesattel sitzt und in Niederkirchen einige Pferde untergestellt hat. „So kamen wir auf die Idee, dass Sankt Martin auf seinem Pferd in Begleitung eines Bettlers bei den Kindern vorbeireitet, um deren Laternen zu bestaunen“, berichtet Hill, die in stilvollem Umhang mit Helm und Schwert ausgestattet die Rolle des römischen Kriegers Martin übernehmen sollte und dies auf dem Rücken des 17-jährigen Lewitzer Wallach namens „Shadow“ mit Bravour gemeistert hat. Begleitet wurde sie dabei vom „Bettler“ Selina Jung, die das zehn Jahre alte Shetlandpony „Sunny“ an der Leine mitführte.
110 Anmeldungen: Route an jedem Haus vorbei
Nachdem die Wachenheimer Verwaltung das Vorhaben genehmigt hatte, wurden interessierte Eltern und Kinder über die sozialen Medien aufgefordert, sich anzumelden, um dann am Sonntag vor der eigenen Haustür Sankt Martin zu begrüßen und Lieder mit ihm zu singen. „Wir hatten am Ende 110 Anmeldungen, und es war gar nicht so einfach, die Route so zu organisieren, dass wir an jedem Haus vorbeigekommen sind“, berichtet Räch.
Meike Gleber, die mit Töchterchen Juna (2) vor dem Haus stand, war voll des Lobes: „In solchen Zeiten ist das eine super Idee, eine tolle Sache für die Kinder. Kristin Baßler und Sohn Leon (10) dankten den Veranstalterinnen für „die tolle Aktion“.
Dass deren Idee nicht nur bei den Kleinen gut angekommen ist, zeigt die Teilnahme der Familie Herm. „Wir haben von der Sache gehört, uns sofort angemeldet und unser regelmäßig stattfindendes Familientreffen extra nach Wachenheim verlegt“, erklärte Alexander Herm. Er sprach von einer „Vier-Generationen-Veranstaltung“, denn neben seiner eigenen Familie waren auch noch die Urgroßeltern und Großeltern der Sprösslinge Luise (1) und Anton (3) mit am Start. Mutter Beate meinte, es sei klasse, dass es Leute gebe, die so eine schöne Veranstaltung auf die Beine stellen.
Alle halten sich an Abstands- und Hygieneregeln
Nach der etwa zweistündigen Runde durch die Wachenheimer Straßen und Gassen, zog Michaela Räch ein durchweg positives Fazit. „Ich bin sehr zufrieden, alles hat super geklappt. Die Kinder hatten alle eine Laterne dabei, waren stolz und glücklich, haben gesungen und waren fröhlich. Auch die Eltern haben mit gesungen, teilweise mit Gitarre oder Musik von der CD, da brauchten wir dann nicht die ganze Zeit durchsingen“, berichtet sie augenzwinkernd. „Wir hatten im Vorfeld E-Mails verschickt und darum gebeten, sich nicht in Gruppen aufzuhalten, sondern sich auf der Straße zu verteilen“, fügte sie hinzu. Alle seien diszipliniert gewesen und hätten die Abstands- und Hygieneregeln ernst genommen.