Bad Dürkheim Ein Überlebenskünstler in Amerika

Die Amerikaner sind gut zu Cornel Bähr: Ein Wirt in Pennsylvania hat ihn jetzt schon zum zweiten Mal eingeladen, ein reicher Mann in Tennessee hat Bähr für eine Woche bei sich aufgenommen. Der gebürtige Otterstadter dankt es auf seine Weise: Er malt Bilder für die Freunde aus Amerika.
Die Geschichten, die der Maler Cornel Bähr (55) aus Amerika mitbringt, haben etwas von Abenteuer, sie erzählen von Fügung und Menschlichkeit. Cornel Bähr ist in Otterstadt geboren, wohnt im Kreis Bad Dürkheim und sitzt sommers malend in der Speyerer Maximilianstraße. Im Oktober und November war er fünf Wochen lang in Amerika. Sein Gastgeber in Pittsburgh im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania kündigte ihn auf einem Plakat als „starving artist from Germany“ an, als „Überlebenskünstler“ aus Deutschland. Cornel Bähr war im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Amerika, eingeladen von Guy Schutzeus, einem Wirt und Zimmermann mit pfälzischen Vorfahren. Der Amerikaner stellte dem „Maler von der Speyerer Hauptstraße“ den Flug über den großen Teich, kam für Kost und Logis auf – Bähr verzierte im Gegenzug die Kneipe seines Gastgebers – „Hog’s Head Bar & Grill“ – mit Bildern von Berghausen, Dudenhofen und Speyer. In diesem Jahr malte Bähr ein durch und durch amerikanisches Motiv an die Außenmauer des Biergartens: die Gründung von Pittsburgh, als Vorlage diente ein altes Bild. „Die haben mir extra ein Zelt gebaut“, erzählt Bähr von seinem Maleinsatz an der Mauer, bei dem ihm die Gäste der Wirtschaft über die Schulter geschaut hätten. „Ich habe zehn Tage an dem Teil gearbeitet.“ Als Bähr mit diesem Auftrag fertig war, kam ein Dachdecker auf ihn zu und fragte, ob er ihm das Firmengebäude verschönern könne, jetzt tummeln sich zwei lebensgroße Bähr-Bären auf dem Haus. Als diese Arbeit abgeschlossen war, rief der deutsche Maler einen Freund in Murfreesboro im Bundesstaat Tennessee an: „Ich habe Ed gesagt, dass ich vorbeikommen möchte und er hat gesagt: Ja, ich freue mich.“ Wer ist Ed? Eine Bekanntschaft von der Speyerer Hauptstraße, wenn man so will: „Ich habe diesen Menschen nur eine Stunde gekannt, er war in Speyer auf Durchreise mit seiner Ehefrau. Aber ich habe gleich einen Auftrag gekriegt: Mal’ mir in Speyer die Hauptstraße.“ Das war vor drei Jahren, das Bild schickte Bähr per Post nach Amerika, die Adresse bewahrte er auf. Und so reiste Bähr von Pennsylvania aus mit dem Bus zu Ed und seiner Frau nach Tennessee: „Reiche und liebe Leute“, wie Bähr sagt. Und auch dort hat sich der Künstler während seines einwöchigen Aufenthalts auf seine Art bedankt: Mit Porträts von den Enkeltöchtern, mit einem Bild der Umgebung. „Er hat mir die Freude gemacht, und ist mit mir nach Nashville gefahren“, sagt Bähr, auch die Jack-Daniels-Destillerie stand auf der Ausflugsliste. Wieder zurück in Pittsburgh, „habe ich mich tierisch gelangweilt“, erzählt Bähr. Der Mann brauchte Farben, malte die Skyline von Pittsburgh, die Ansicht einer Kirche und erlebte bei einer Halloween-Party eine Band, die Jimi Hendrix so gut spielte, dass er vom Hören „fix und fertig“ war. Im nächsten Jahr will der Maler Bähr – sollte es wieder klappen – das Deutsche Eck von Koblenz auf eine große Mauer in Pittsburgh malen. Seinen Geburtstag im Oktober hat Cornel Bähr übrigens sehr deutsch gefeiert: im Hofbräuhaus von Pittsburgh. In Lederhosen. (snr)