Blickpunkt
EEG-Wegfall: Sparen Stromkunden wirklich?
Der kaufmännische Werkleiter der Wachenheimer Stadtwerke, Dieter Panzer, verspricht den Stromkunden in einer Modell-Rechnung Einsparpotenzial durch die wegfallende EEG-Umlage. „Selbstverständlich geben die Stadtwerke diese Reduzierung in vollem Umfang an die Kunden weiter.“ Die Abschaffung der EEG-Umlage bedeute eine Preisreduzierung von brutto 4,43 Cent pro Kilowattstunde (kwh) einschließlich 19 Prozent Umsatzsteuer.
Die Kostenersparnis werde aber gedämpft, weil die Werke ihre Stromtarife ab 1. Juni erhöhen: „Aber trotz dieser Preisanhebung des Stromtarifs sparen unsere Kunden.“ So habe ein Drei-bis Vier-Personen-Haushalt im Sondertarif „SWW Privat“ eine Kostenersparnis in Höhe von etwa 50 Euro beziehungsweise in der Grund- und Ersatzversorgung von etwa 30 Euro umgerechnet auf das Jahr 2022, rechnet Panzer vor.
Stadtwerke können keine Preisgarantie geben
„Leider mussten wir aufgrund der gestiegenen Beschaffungskosten unter anderem auch wegen des Ukraine-Kriegs an der Energiebörse im SWW- Privattarif und in der Grundversorgung anpassen“, informiert Panzer. Etwa 75 Prozent der Haushaltskunden beziehe den Sondertarif, den der Energieversorger um brutto 1,5 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Eine Unbekannte bei der Preiskalkulation sei der Einkauf am Spotmarkt, das seien rund fünf Prozent der Einkaufsmenge, erklärt Panzer. Eine Preisgarantie könnten die Stadtwerke vor diesem Hintergrund nicht geben: „Aber wir beabsichtigen, die Preise bis zum 31. Dezember 2022 nicht zu erhöhen.“
Sehr günstig bei Strom aus regenerativer Energie
Mit einem Arbeitspreis von brutto 23,86 Cent/kWh im Sondertarif und 26,37 Cent/kWh in der Grund- und Ersatzversorgung zählten die Stadtwerke Wachenheim, dank einer langfristigen Beschaffungsstruktur, deutschlandweit zu einem der günstigsten Anbieter für Strom aus 100 Prozent regenerativer Energie (Wasserkraft).
In Bad Dürkheim wird Strom erst einmal billiger
Für die Kunden der Stadtwerke Bad Dürkheim wird Strom erst einmal billiger. Beim Sondervertrag SWD Privat, den die große Mehrheit der Kunden abgeschlossen habe, sinke der Arbeitspreis von derzeit brutto 28,81 Cent pro Kilowattstunde auf 24,38 Cent/kWh, informiert Geschäftsführer Peter Kistenmacher, kündigt aber schon höhere Kosten für die Haushalte an: „Es ist aber absehbar, dass wir zum 1. September leider die Preise erhöhen müssen, da sich die Energiepreise am Strom- und Gasmarkt extrem erhöht haben und in den letzten Monaten immer weiter gestiegen sind“, so Kistenmacher. Die konkreten Zahlen hängen von der weiteren Marktentwicklung ab. Trotzdem sparen die Kunden immer noch die EEG-Umlage. Bei einem typischen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr liege diese Ersparnis bei 155 Euro beziehungsweise im halben Jahr bei 77,50 Euro bis zum 31. Dezember 2022. Die Strompreise haben die Werke letztmals zum 1. September 2021 erhöht. „Seither ist der Marktpreis leider erheblich gestiegen“, konstatiert Kistenmacher.
Pfalzwerke: Nur für Neukunden wird es teurer
Kunden der Ludwigshafener Pfalzwerke, Grundversorger der Verbandsgemeinde Freinsheim und teilweise noch Lieferant für Hardenburg und Leistadt, profitieren ebenfalls von der avisierten Preissenkung, ohne erst einmal mit einer Tariferhöhung rechnen zu müssen, sagt der Pressesprecher. Und das trotz der „notwendigen hochpreisigen Nachbeschaffungen“. Seit 1. April 2020 habe das Unternehmen die Strompreise nicht mehr erhöht.
Für Neukunden der Pfalzwerke wird es aber teuer: Die Homepage weist für sie im Privatbereich Pfalzwerke öko basis einen monatlichen Preis von 161,49 Euro brutto bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr. Der Verbrauchspreis wird mit 51,86 Cent pro Kilowattstunde angegeben.
Laut Vergleichsportal Verivox liegt der durchschnittliche Strompreis aktuell bei rund 40 Cent pro Kilowattstunde und damit auf historischem Rekordniveau.