Friedelsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Durchgehend Tempo 30: Wie hat diese Pfälzer Gemeinde das geschafft?

Runter vom Gas: In Friedelsheim herrscht seit Kurzem Tempo 30.
Runter vom Gas: In Friedelsheim herrscht seit Kurzem Tempo 30.

Ein neues Gesetz macht’s möglich: In einer Pfälzer Gemeinde herrscht sogar auf der Durchgangsstraße Tempo 30. Auch andere Gemeinden dürfen hoffen.

Wer mit dem Fuß auf dem Gas durch Friedelsheims Durchgangsstraßen rauscht, könnte bald kein blaues, aber doch ein teures Wunder erleben. Neuerdings gilt in dem Ort auf der L525 sowie der L527 Tempo 30. Im November seien die entsprechenden Schilder aufgestellt worden, sagt Bürgermeisterin Anja Bletzer (FWG) im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die verringerte Geschwindigkeit sei allerdings noch nicht an jedem Gaspedal angekommen. Die Aufstellung der Schilder markiert das Ende eines sich über mehrere Jahre ziehenden Prozesses. „Wir mussten lange vertrösten“, bestätigt auch die Bürgermeisterin. Letztlich war es die erst 2025 verabschiedete Novellierung des Straßenverkehrsgesetzes, von der Friedelsheim profitierte.

„Längere Bearbeitungszeit unvermeidlich“

Bereits im Juli 2022 hatte die Verbandsgemeinde Wachenheim beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer den Antrag auf Durchführung einer schalltechnischen Untersuchung gestellt. Diese Lärmberechnung war die Grundlage für die Beurteilung einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Die Berechnung, die – so es sich wie in Friedelsheim um Landesstraßen handelt – zentral vom LBM in Koblenz durchgeführt wird, dauerte. „Aufgrund der Vielzahl der Anträge ist eine längere Bearbeitungszeit unvermeidlich“, erklärt Martin Schafft, Dienststellenleiter des LBM in Speyer.

Für die Berechnung sei die Erfassung der Verkehrsbelastung innerhalb der Ortsdurchfahrt erforderlich. Repräsentative Verkehrszahlen könnten wiederum nur in begrenzten Zeiträumen, sprich außerhalb der Ferien und ohne Baustellen im Umkreis, erhoben werden. „Daher kann es durchaus mehrere Monate dauern, bis die Verkehrszahlen erhoben und ausgewertet sind“, sagt Schafft. Die Ergebnisse der Lärmberechnung für die L525 wurde der Unteren Verkehrsbehörde der Verbandsgemeinde im Mai 2023 übermittelt; die Lärmberechnung für die L527 im November 2023. Im Oktober 2024 stimmte die Obere Verkehrsbehörde den vorgelegten Plänen zu. Die Verbandsgemeinde erließ vier Monate später, im Februar 2025, die verkehrsrechtliche Anordnung, im April war die Straßenmeisterei informiert, die die Schilder bestellte und letztlich im November aufstellte.

Hintergrund sind Lärmschutz und Sicherheit

„Wir hätten gerne schon früher punktuelle Temporeduzierungen eingeführt“, sagt Bletzer. Doch es hätten die rechtlichen Grundlagen gefehlt. Am Ende spielte Friedelsheim die lange Zeit des Wartens in die Karten. Während der Dauer des Prozesses wurde die Novellierung der Straßenverkehrsordnung verabschiedet. „Ohne wäre es nicht möglich gewesen“, so die Bürgermeisterin. Die rechtliche Modernisierung vereinfacht Kommunen die Einführung von Geschwindigkeitsreduzierungen. In ihr sind weiterhin Lärmschutzgründe verankert, die wiederum dem landesweiten Lärmaktionsplan folgen.

In der 2024 laufenden Bürgerbeteiligung zu diesem Lärmaktionsplan wurde ausdrücklich auf den Lärmschutz für Menschen an Hauptverkehrsstraßen hingewiesen. Und das war einer der Gründe, auf den sich Friedelsheim stützte und auf dessen Basis die Berechnungen durchgeführt und Verkehrszahlen erhoben wurden. Bletzer ging es aber genauso um die Sicherheit. „Wir haben einen hohen Durchgangsverkehr und schmale Bürgersteige“, sagt sie mit Verweis auf die vulnerable Gruppe der Fußgänger. Allerdings liegt an diesen engen und vielbefahrenen Landesstraßen kein Kindergarten, für den möglicherweise eine Tempo-30-Einführung hätte greifen können.

Nach der Novellierung können auch stark frequentierte Schulwege, Fußgängerüberwege bei bestimmten Voraussetzungen und Lücken bis 500 Meter zwischen zwei Tempo-30-Bereichen eine durchgängige Beschränkung nach sich ziehen. Aber das sei in jedem Einzelfall neu zu entscheiden, sagt Martin Schafft. Er sagt auch, dass dort, wo die neuen Kriterien zuträfen, es mittlerweile mehr Anträge gebe. „Aber es gibt immer noch etliche Anträge aus Lärmschutzgründen.“

Hoffnung bleibt bisher unerfüllt

Offenkundig sind nicht nur innerorts Veränderungen möglich, wie die Ausführungen Bletzers zeigen. So verweist sie auf die Straße zwischen Friedelsheim und Gönnheim, für die jetzt Tempo 50 gilt. „Das ist auch ein Gewinn“, freut sich die Bürgermeisterin.

Die Akzeptanz für die Reduzierung und deren Sinnhaftigkeit ist laut Bletzer in der Gemeinde mit der Zeit gewachsen. „Die Akzeptanz für die Umsetzung aber noch nicht“, sagt sie mit Blick auf die Autofahrer. Die Polizei habe allerdings schon sehr zügig Kontrollen durchgeführt. „Das wird auch nötig sein.“ Eine Hoffnung, die Anja Bletzer an die Temporeduzierung geknüpft hat, blieb bisher unerfüllt: eine Verkehrsberuhigung durch das Umfahren des Orts über die B271. „Das hat sich noch nicht eingestellt“, sagt die Bürgermeisterin.

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