Bad Dürkheim Doggy Bag auch ohne Hund im Trend

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Wer in seinem Lieblingsrestaurant mit der Portionsgröße zu kämpfen hat, muss kein schlechtes Gewissen haben, dass das gute Essen im Mülleimer landet. „Doggy Bags“ sind mittlerweile nicht nur gesellschaftsfähig, sondern scheinen auf dem Weg zum Trend, unter anderem offiziell gefördert vom Bundesernährungsministerium mit der Kampagne „Restlos genießen“ (wir berichteten neulich in der „Wirtschaft“). Mittlerweile bieten viele Speiselokale an, übrig gebliebenes Essen einzupacken und es dem Gast mit nach Hause zu geben. Wir befragten dazu Gastronomen bei uns.

In der „Alten Schmelz“ im Isenachtal kommt es demnach öfter vor, dass Reste von Mahlzeiten dem Gast auf Wunsch eingepackt und mitgegeben werden. Küchenchef Thorsten Brand sieht darin eine Selbstverständlichkeit: „Der Kunde hat das Essen bezahlt, also gehört es ihm.“ Er versteht dies als zusätzlichen Service. Es sei wichtig, dass der letzte Eindruck ein positiver sei, betont Brand, die Kunden sollen so zufrieden wie möglich nach Hause gehen. Einen Rechtsanspruch auf den „Heimservice“ gibt es nach Auskunft des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) allerdings nicht: Das Angebot erfolge freiwillig, sei aber seit Jahren zunehmend gängige Praxis. Thorsten Brand empfinde es aber nicht als zusätzliche Belastung oder Zeitaufwand, sondern als Lob an die Küche. „Gastronomie ist in erster Linie Dienstleistung“, sagt der 34-Jährige. Dazu gehört dann wiederum ein Hinweis des Profis zur Haltbarkeit der eingepackten Reste. Ob ein Salat mit Garnelen oder ein klassischer Pfälzer Teller mit Püree und Kraut – „das kann man nicht bei 30 Grad im Auto liegenlassen, derweil man noch ein Eis essen geht“, macht der Hardenburger deutlich. Das Risiko liegt hier eindeutig beim Kunden. Sarah Bühler sieht es genauso: Gerade jetzt im Sommer würde sie Gästen von bestimmten Gerichten als Doggy Bag abraten. „Der Salat würde zu Hause anders ankommen, als wir ihn hier verpackt hätten“, meint die Tochter des Hauses Bühler in Kallstadt lachend. Der Familienbetrieb hält zwar aluminiumbeschichtete Schalen bereit, doch die würden eher selten in Anspruch genommen. Die 26-Jährige selbst bedient die Gäste im „Landhaus“ und sieht, dass „die Portionen gut zu schaffen“ und die Gäste dennoch zufrieden und satt seien. Ihre persönliche Meinung zu dem Thema ist zwiespältig. Einerseits sei sie bei der Landjugend aktiv und wisse, dass viele Lebensmittel, die eigentlich noch genießbar sind, im Mülleimer landen müssten. Gerade in der Gastronomie seien dies große Mengen. Andererseits: „Es ist besser, das Essen landet in der Tonne, als dass sich jemand den Magen verdirbt.“ Eine zusätzliche Belastung sei das Einpacken jedoch nicht für sie. „Das Problem vieler Kollegen ist, dass sie unvorbereitet sind“, meint Thomas Weick von den gleichnamigen Weinstuben in Kallstadt, in puncto mögliche Umständlichkeit. Sie seien auf alles vorbereitet, bei ihnen könnten Gäste bei Bedarf sogar ihre Suppen vakuumverpackt mitnehmen. Was auch sehr häufig vorkomme, meint Weick mit Blick auf die Quote älterer Gäste in seinem Gasthaus. Gerade in der stressigen Weihnachtszeit sei gute Organisation alles. Das Servicepersonal sei darauf geschult, Gäste nicht nur zu fragen, ob es ihnen geschmeckt habe, sondern auch anzubieten, übrig gebliebene Speisen einzupacken. „Diese Vorgehensweise haben wir schon vor 30 Jahren in der Ausbildung gelernt“, erläutert der Küchenchef. Doch auch die Weinstuben Weick geben Kunden nicht alles an Resten ohne weiteres mit nach Hause. „Generell bei allen Fischgerichten wie auch bei der Rindfleischsuppe weisen wir den Gast mit Nachdruck auf die extrem schnelle Verderblichkeit hin.“ Stefan Schmidt hat eine regelrechte Veränderung im Bewusstsein der Menschen beobachtet: „Die Gäste wollen nichts mehr verkommen lassen.“ Entsprechend häufig kommt es auch in seinem „Luginsland“ vor, dass sich Leute Reste für zu Hause einpacken lassen, ohne wie früher schamvoll den daheimgebliebenen Hund als Ausrede herzunehmen. Für sein Verpackungsmaterial einen Zusatzposten auf die Rechnung zu setzen, wie die Verbraucherberatung Gastronomen sogar zugestehen würde, käme für den Wachenheimer Wirt nicht in Frage. Für ihn gehört das Einpacken wie bei den oben zitierten Kollegen zum kostenlosen Kundenservice. Außerdem sieht er darin einen eigenen Vorteil: „Je mehr wir den Gästen mitgeben, umso weniger müssen wir wegwerfen – und umso weniger Kosten fallen dafür an.“ Damit spricht er die Gebühren an, die Gastronomen für die vorschriftsmäßige Entsorgung von Küchenresten entrichten müssen. „Wenn die Leute ihr Essen mitnehmen, ist das also auch für uns gut“, sagt Schmidt. |rcl / psp

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