Bad Dürkheim Die schwarzen Schafe 2.0

Zum Abschluss der Literaturtage sind am Sonntagnachmittag die Ergebnisse der inklusiven Projektwoche in der Galerie Alte Turnhalle der Lebenshilfe präsentiert worden. Unter der Leitung des freischaffenden Künstlers Wolfgang Sautermeister entwickelten Schüler der Integrierten Gesamtschule Deidesheim/Wachenheim und der Berufsbildenden Schule Theaterstücke und eine audiovisuelle Präsentation. Dabei setzten sie sich kritisch mit dem Thema „Schwarze Schafe“ in der heutigen Gesellschaft auseinander.
Ruth Ratter, Kulturpolitikerin, Germanistin und Initiatorin der Literaturtage, ging es bei diesem inklusiven Projekt darum, Jugendliche mit einzubeziehen und „einen Bogen zu spannen“ zum Text „Die schwarzen Schafe“, den Heinrich Böll 1951 beim Treffen der Gruppe 47 in Bad Dürkheim vorlas. Dies ist schon mit den Bildern der Siegmund-Crämer-Schule gelungen, die von Sautermeister in der Galerie Alte Turnhalle aufgehängt wurden. Sie zeigten schwarze Schafe – jedes für sich sprechend. Die Ergebnisse der anderen Schulen konnte man in einer Vorstellung am Sonntagnachmittag begutachten. Den Anfang machten die Lebenshilfe-Mitarbeiter Michael Runkel und Christian Instinsky mit einer originellen Lesung der Kurzgeschichte „Die schwarzen Schafe“. Runkel las den Text abschnittweise, wobei Instinsky dazwischen immer mit derselben Passage antwortete. Musikalische Zwischenspiele untermalten den Vortrag. Schüler der IGS Deidesheim/Wachenheim spielten ein Theaterstück. Die Idee dazu kam von ihrer Lehrerin. Zu Beginn gab es jedoch Schwierigkeiten bei der Umsetzung, erzählte die 14-jährige Lisa-Marie Reckert. Die Vorschläge ihrer Lehrerin gefielen den zwölf Achtklässlern, die freiwillig an dem Projekt teilgenommen haben, nicht so recht. Daraufhin „haben wir alles komplett umgeworfen“, sagte Lisa-Marie. Schlussendlich ging es um eine Jugendliche, die den Anforderungen ihrer Eltern nicht gerecht wird und sich über Regel hinwegsetzt. Dies führt dazu, dass sie zum schwarzen Schaf der Familie erklärt wird und ihre Eltern sich von ihr abkehren. Antonia Pister (14), die die Hauptrolle spielte, fand, dass das in der Realität oft ähnlich ist. „Erwachsene geben oft gar keine Chance zum Erklären“, meinte sie und so werde man in die Rolle des schwarzen Schafs gedrängt. Ratters Wunsch der Integration wurde diese Projektarbeit auf besondere Weise gerecht: Flüchtlinge der IGS übernahmen die Statistenrollen im Stück. Als dritten Programmpunkt zeigte die IGS eine audiovisuelle Präsentation. Zunächst wurde über die Gruppe 47, Heinrich Böll und sein Werk informiert, danach folgten Interviews mit der Verantwortlichen Ratter, dem Gründer der Lebenshilfe, Siegmund Crämer, und Dr. Jochen Schubert von der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie wurden unter anderem befragt, was ein schwarzes Schaf ausmacht. Ebenso sollten Passanten in Dürkheim und Deidesheim diese Frage beantworten. Das Ergebnis: Schwarze Schafe sind Außenseiter, schwimmen gegen den Strom, werden ausgegrenzt und passen nicht in die Gesellschaft, bringen auf der anderen Seite jedoch Vielfalt, Individualität und Kreativität mit. Kreativ war auch der Beitrag der Berufsbildenden Schule: Sie zeigten ein Stück, abwechselnd als Live-Theater dargeboten und als Videopassagen eingespielt. Hierfür hatten die Schüler Bölls Text umgeschrieben zu einer modernen Geschichte, die von einem Jungen handelt, der auf seiner neuen Schule keinen Anschluss findet. Er trifft auf den Außenseiter seiner Klasse, der ihn, ähnlich wie in Bölls Satire, zum neuen schwarzen Schaf erklärt und verschwindet. Zum Abschluss der Vorführung sowie auch der Projektwoche an sich präsentierte die Mediengruppe der Dürkheimer Werkstätten einen Film, der alles noch einmal Revue passieren ließ.