Weisenheim am Sand RHEINPFALZ Plus Artikel Die Pfälzer Kaffeerösterei liebt man auch im Saarland

Lars Guhmann mit seinem großen Vorbild: Opa Karl Guhmann.
Lars Guhmann mit seinem großen Vorbild: Opa Karl Guhmann.

Die Pfälzer Kaffeerösterei mischt derzeit den Markt kräftig auf. 30 Verkaufsstellen gibt es, und auch die Gastronomie ist auf den Geschmack gekommen. Wer steckt dahinter?

Kaffee hat in der Familie Guhmann eine lange Tradition. Die gründet sich zunächst nicht auf Kaffeebohnen, sondern auf die Geräte, mit denen Kaffee hergestellt wird – insbesondere auf die Schweizer Marke Jura. „Mein Opa hat als Industrievertreter gearbeitet und hat schon Jura vertrieben, als die Firma noch Bügeleisen und keine Kaffeeautomaten hergestellt hat“, verrät Lars Guhmann. Vor 30 Jahren sei sein Opa dabei gewesen, als Jura den ersten Vollautomaten vorgestellt hatte, berichtet der gebürtige Maxdorfer stolz.

Café Crema auf Knopfdruck: Das war neu und sollte die Kaffeezubereitung revolutionieren. Die nächste Generation der Familie Guhmann übernahm später den Vertrieb, der bis 2019 in Weisenheim am Sand existierte. Zwangsläufig hatte dadurch auch Lars Guhmann von klein auf mit der Kaffeeherstellung zu tun. „Ich war als kleiner Junge mit auf Hausmessen und habe mich wie meine gesamte Familie für Kaffee und die Maschinen interessiert“, erzählt Guhmann. Er begann eine Lehre als Einzelhandelskaufmann bei Elektro Müller in Grünstadt und wechselte dann zu Hirsch+Ille nach Ludwigshafen-Oggersheim, wo Guhmann natürlich auch Kaffeemaschinen verkauft.

Hobby zum Nebenruf gemacht

„In der Corona-Phase hatte ich mir dann gedacht: Jetzt habe ich mich jahrzehntelang um Vollautomaten gekümmert. Jetzt will ich das Produkt Kaffee selbst herstellen, also mein teures Hobby zum Nebenberuf machen“, erzählt Lars Guhmann. Kontakte zu vielen Kaffeeröstereien hatte er da bereits. „Bei der Frankfurter Kaffeerösterei habe ich meinen ersten Röster gekauft: einen 25 Jahre alten italienischen 15-Kilo-Röster“, erzählt Guhmann stolz. Mit dem röstet er auch heute auch. Es folgten die ersten Tüfteleien mit der traditionellen Trommelröstung. „Bevor ich auf den Markt gehen wollte, mussten die Bohnen oder die Blends perfekt sein.“ Die nicht mehr genutzte Halle und das Büro in Weisenheim am Sand habe er zum Produktionsstandort umfunktioniert. Seinen Wohnort verlegte er mit seiner Frau auch dorthin. „Dann kann ich einfacher vor oder nach der Arbeit mal schnell zehn Kilo Kaffee rösten.“

Der Kaffee wird in Weisenheim am Sand geröstet.
Der Kaffee wird in Weisenheim am Sand geröstet.

Mit drei Sorten aus der „Pfälzer Kaffeerösterei“ eröffnete Guhmann sein Gewerbe in Weisenheim am Sand. Die Namen geben Auskunft über das Mischungsverhältnis von Arabica- und Robustabohnen: Zu „Fifty/Fifty“ und „Achzisch/Zwanzisch“ gesellte sich der „Blue Skull Mexiko“ aus 100 Prozent Arabica. Die schwarze Verpackung mit den dezent aufgedruckten Dubbeglaspunkten ziert die goldene Krone des Pfälzer Wappens.

Fünf Sorten werden in Weisenheim geröstet

Mittlerweile stellt Guhmann fünf verschiedene Sorten her. So habe er für den in Birkenheide wohnenden Opa den „Weinstraßen Schümli“ auf den Markt gebracht. Auch die Verkaufsstellen wachsen. Anfangs habe er sich auf Elektrogeschäfte konzentriert, darunter auch im Saarland. „Im Saarland ist man ganz verrückt nach Kaffee aus der Pfalz“, sagt Guhmann schmunzelnd. Im Sommer 2024 kam ein Online-Shop hinzu. „Bestellt wird sogar aus Hannover, Gelsenkirchen oder München“, erzählt Guhmann stolz. Mittlerweile beliefere er 30 Verkaufsstellen. „Stück für Stück“ sei sein Nebenerwerb gewachsen. „Es hat sich herumgesprochen“, meint der 28-Jährige.

So gehören zu seinen Abnehmern der Hit-Markt in Bad Dürkheim, Edeka in Freinsheim, der Dürkheimer Teeladen sowie diverse Hofläden wie der Erpolzheimer Apfelhof Hilberth oder „Hofwerk“ in Böhl-Iggelheim. Auch die Gastronomie ist auf den Geschmack gekommen. So zum Beispiel der „Lieblingsgrieche“ in Ellerstadt oder das Dürkheimer Käsbüro. „Ich gehe da alles andere als aggressiv vor. Eher kommen die Leute auf uns zu“, meint Guhmann.

Eigener Laden im nächsten Jahr

Die Bohnen bezieht er über Händler aus Hamburg, Belgien oder Holland. Sorgen bereiten ihm die Kaffeepreise. „Deshalb bin ich froh, dass die Rösterei kein Hauptberuf ist.“ Denn er wolle keine übertriebenen Preise für seine Mischungen aufrufen. Pläne hat er trotzdem noch für seinen Nebenerwerb: Mit Unterstützung seiner Familie will Guhmann im nächsten Jahr bei der Weisenheimer Produktionsstätte seinen ersten eigenen Laden eröffnen: „Hier sollen die Kunden reinschnuppern und probieren.“

Karl Guhmann begründete die Kaffeetradition der Familie.
Karl Guhmann begründete die Kaffeetradition der Familie.
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