Bad Dürkheim Die neue Rolle der Frau

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Für die Teilnehmer des Literaturgesprächskreises der Stadtbücherei ist diese Autorin keine Unbekannte. In Volker Weidermanns Roman „Ostende. 1936“, der im Vormonat im Fokus stand, begegneten sie ihr als eine Emigrantin: Irmgard Keun. Am kommenden Dienstag lernen die Teilnehmer sie als Autorin des 1932 erschienenen Romans „Das kunstseidene Mädchen“ kennen, über den die Runde unter Leitung von Dorothee Heitkamp-Gieseler diskutiert.

Die 18-jährige Doris lebt in der rheinischen Provinz und arbeitet in einem Büro. Als sie ihre Stelle verliert und der Freund sie verlässt, beschließt sie, in Berlin einen Neustart zu wagen. Ein junges Mädchen während der „Roaring Twenties“ allein in der Großstadt? Wird das gut gehen? Doch Doris, optimistisch und naiv zugleich, träumt von einem Leben wie im Film und hat vor, „ein Glanz“ zu werden. Ihre Erlebnisse hält sie spontan in ihrem Tagebuch fest. Dieser Roman ist unterhaltsam und zeitkritisch zugleich und thematisiert die neue Rolle der Frau in der Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg, soziale Probleme in der Endphase der Weimarer Republik sowie Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Keun, 1905 in Berlin geboren, wuchs ab 1913 in Köln auf, wo ihr Vater Teilhaber einer großen Firma war. Sie besuchte die Schauspielschule und begann 1929, von Alfred Döblin ermutigt, zu schreiben. Mit ihrem Debütroman „Gilgi, eine von uns“ wurde sie 1931 berühmt. Kurt Tucholsky notierte dazu: „Eine schreibende Frau mit Humor, sieh mal an!“ Nach der Machtergreifung Hitlers standen dieser Roman und „Das kunstseidene Mädchen“ als „Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz“ auf der Schwarzen Liste. Daher ging Keun 1936 ins Exil nach Ostende und später in die Niederlande. Es entstanden die Romane „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“, „Nach Mitternacht“ und „Kind aller Länder“. Von 1936 bis 1938 hatte sie eine Liebesbeziehung mit Joseph Roth. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Niederlande kehrte sie 1940 nach Deutschland zurück und lebte in der Illegalität. Nach dem Krieg arbeitete sie als Journalistin und veröffentlichte den Roman „Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen“. 1951 kam ihre Tochter Martina zur Welt, deren Vater sie geheim hielt. Als ihr literarischer Erfolg ausblieb, verarmte sie. Von der feministischen Literaturkritik wurde sie in den 1970er-Jahren wiederentdeckt. 1981 erhielt sie den Marieluise-Fleißer-Preis von Ingolstadt. Irmgard Keun starb 1982 in Köln. Info Der Literaturgesprächskreis der Stadtbücherei Bad Dürkheim diskutiert am Dienstag, 14. März, 20 Uhr, über Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“. |wss

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