Bad Dürkheim
Die nächsten Schülerjahrgänge stehen vor Tür
In den vergangenen Wochen kamen bereits die ersten Schüler zurück in die Klassenräume. Zunächst die, denen bald ein Abschluss oder Schulwechsel bevorsteht: Viertklässler, die neunten und zehnten Klassen, sowie die Oberstufenschüler. Alles unter Auflagen, im Wechsel und mit Abstands- und Hygieneregelungen. Die Umsetzung funktioniere gut, sind sich die Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim, der Carl-Orff-Realschule und des Werner-Heisenberg-Gymnasiums sowie der Grundschulen Grethen und Weisenheim am Sand einig.
„Die vierten Klassen sind in zwei Gruppen aufgeteilt und kommen im wöchentlichen Wechsel“, erklärt Beate Philipp, Leiterin der Grundschule Grethen. Derzeit gebe es noch zwei Notbetreuungs-Gruppen, sobald die anderen Klassen am 8. Juni wieder kommen können, werde es nur noch eine geben. „Wir gehen davon aus, dass dann weniger Plätze gebraucht werden.“ Die Kinder hielten die Abstandsregelungen und die Maskenpflicht gut ein, sagt die Schulleiterin. „Es war erst gewöhnungsbedürftig, aber nun funktioniert es.“ Den ein oder anderen müsse man darauf hinweisen, wenn die Maske von der Nase gerutscht ist. Aber sie merke, dass die meisten das auch zuhause bereits geübt haben.
Lehrer haben die doppelte Arbeit
Das Arbeiten mit den Schülern sei für die Lehrer anders geworden: „Es ist eigentlich die doppelte Arbeit. Sie haben die Kinder, die zuhause arbeiten und Arbeitspläne bekommen. Gleichzeitig arbeiten sie mit den Kindern vor Ort.“ Aber die Lehrer würden sich nicht beklagen, sagt Philipp. Ab Montag komme die dritte Klasse wieder in die Schule, aufgeteilt in zwei Gruppen, die im Drei-Tages-Wechsel kommen – wegen der kurzen Wochen durch die Feiertage. Die ersten und zweiten Klassen, die am 8. Juni wiederkommen, haben bis zu den Sommerferien nur noch knappe vier Wochen Schule, so Philipp. Daher kommen sie im täglichen Wechsel.
An der Grundschule in Weisenheim am Sand wird die Wiederkehr in den Schulalltag anders: Die vierten Klassen – und bald auch die anderen – sollen jeden Tag kommen, dafür nur für zwei Stunden, im Wechsel. Das funktioniere gut und gebe den Eltern Planungssicherheit, erklärt Rektorin Andrea Kühl. Für Probleme mit der Kinderbetreuung seien die Notgruppen da: „Ich habe bisher noch niemanden abgelehnt.“
Mehr Distanz zwischen Lehrern und Schülern
Achim Walk, Schulleiter der Carl-Orff-Realschule plus, erklärt, dass sich der Unterricht verändert habe: Wegen der Abstandsregeln gebe es mehr Distanz zwischen Lehrern und Schülern. „Ich denke, die Kinder haben toll zuhause gearbeitet und viel gelernt“, so Walk. Dass sich der Abstand zwischen stärkeren und schwächeren Schülern wegen der Pause vergrößert haben könnte, glaube er nicht: „Ich habe einen Schüler, der im Unterricht normalerweise nicht besonders viel lernt. Während des Online-Unterrichts aber hat er DNA-Modelle gebaut, das war ein Traum“, so Walk.
An der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim seien die Schüler anfangs sehr diszipliniert gewesen, „das lässt in letzter Zeit etwas nach“, sagt Schulleiter Georg Dumont. „Wenn ich die Schüler auf dem Weg vom Bahnhof sehe, dann gibt es da kaum Masken und auch keine Abstandsregeln.“ Wenn die fünften und sechsten Klassen ab Montag wieder kommen, gebe es zunächst keine Probleme: „Die sind ja am Standort Wachenheim.“ Ab dem 8. Juni folgen dann die Klassen sieben und acht. In Deidesheim werde derzeit gebaut, einige Klassen sind in Containern untergebracht – allerdings ohne Waschbecken. Das Problem solle aber bis zum 8. Juni mit mobilen Becken gelöst werden.
Die fehlenden Inhalte aufzuholen, sei kein Problem. „Vor allem in der Oberstufe haben die Schüler gut gearbeitet. Wichtiger sei, dass die Schule wegen der Situation in den Familien und wegen der Schüler selbst wieder losgehe. „Sie sind froh, dass die Einsamkeit zuhause ein Ende hat. Die Sportvereine waren zu, Freunde treffen ging nicht. Das müssen die Kinder erst einmal verkraften.“
Schüler sollen in ihren Klassenzimmern bleiben
Armin Rebholz, Schulleiter des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, sieht die nächsten Wochen eher kritisch: „Wir werden sehen, wie es läuft, wenn weitere Jahrgänge dazukommen. Wenn alle sitzen, ist es kein Problem. Aber ich habe große Bedenken, wie es bis dahin funktionieren soll.“ Weil unterschiedliche Pausenzeiten nicht möglich seien, habe man den Schulhof aufgeteilt, so dass die Jahrgänge sich zumindest dort nicht begegnen. Außerdem sollen die Klassen in ihren Klassenzimmern bleiben und Fachunterricht, wie Musik oder Erdkunde, werde nicht in Fachräumen durchgeführt – um die Schülerströme zu reduzieren.
Der Lernerfolg während der Pause sei laut Rückmeldung der Lehrer eher gering: „Bisher sind nur die höheren Klassen da, die kommen besser zurecht. Für die Kleinen ist es schwieriger“, so Rebholz. Den Stoff aufzuholen, werde dann die Aufgabe für die Zeit, wenn es richtig losgehe: „Von normalem Unterricht kann man momentan ja nicht sprechen.“