Mit Krone und Wurzel RHEINPFALZ Plus Artikel Die Blütenpracht der Japanischen Zierkirsche

Üppig blüht die Japanische Zierkirsche am Bürgerspital.
Üppig blüht die Japanische Zierkirsche am Bürgerspital.

Ihre Blüten verkörpern Schönheit, aber auch Vergehen: Die Japanische Zierkirsche entfaltet ihre volle Pracht für kurze Zeit im Jahr – beispielsweise in Wachenheim.

Schmuckvoll und üppig ergänzen sich am Bürgerspital von Wachenheim Pflanzenwuchs und Architektur. Wenn die dicht gedrängten Blüten der Japanischen Zierkirsche erscheinen, harmonieren ihre satten Rosatöne mit dem aufwendig gestalteten Mauerwerk aus hellem und rotem Sandstein. Die Fassade des villenartigen Gebäudes repräsentiert den Stil der Gründerzeit und zeigt eine ausgeprägte Freude an Ornamenten.

In asiatischen Ländern symbolisiert die Kirschblüte den Anfang des Frühlings, zugleich aber auch die Vergänglichkeit des Lebens. Denn ihre vielfach bewunderte Pracht währt nur kurze Zeit, und so schwinden die Blüten in der schönsten Phase allzu bald dahin. Deshalb wurden sie in der Vergangenheit auch mit dem Sterben junger Krieger in Verbindung gebracht, das angeblich heldenhaft und vorbildlich sein sollte.

Die Tradition der Kirschblütenfeste „Hanami“ hat in Japan eine lange Geschichte. Schon vor vielen Jahrhunderten wurden damit verbundene Bräuche beschrieben. Hanami bedeutet übersetzt soviel wie „Blüten-Schauen“. Feierlichkeiten zur Zeit der Kirschblüte finden als Picknick-Gesellschaften unter den farbenfrohen Baumkronen statt.

Weder Pollen noch Nektar

In Europa eingeführt wurde die Japanische Zierkirsche im 19. Jahrhundert. Es gibt zahlreiche Züchtungen dieser Pflanzenart, die auch Japanische Blütenkirsche genannt wird.

Die auffallende Attraktivität etlicher Arten hat allerdings ihren Preis. Wie bei vielen anderen Pflanzenzüchtungen wurde die Zahl der Blütenblätter so gesteigert, dass dies auf Kosten der Staubblätter ging. Die Blüten sind voll mit Schauorganen bis hin zur Mitte und werden deswegen als gefüllte Blüten bezeichnet. Da die zur Befruchtung nötigen Staubgefäße fehlen, produziert die Pflanze keine Pollen mehr.

Auch Nektar suchen Insekten in solchen Blüten vergeblich. Nahrung finden tierische Besucher dagegen in Kirschbäumen mit ungefüllten Blüten, an deren Zweigen sich folglich auch Früchte bilden.

Zierkirschen-Arten weisen eine Rinde in Grautönen mit fein geringeltem Muster auf. Zum Blütenschmuck kommt bei mehreren Varianten der Blattaustrieb in kupferroten Tönen, wie er an dem etwa 30 Jahre alten Exemplar des Wachenheimer Bürgerspitals ebenfalls sehr schön zu sehen ist. Vergeht der Blütenzauber, dann wehen unzählige Blütenblätter wie rosa Flocken zu Boden.

Vor über 1000 Jahren schrieb der japanische Dichter Ki No Tsurayuki zu dieser Erscheinung: „In einem Gasthaus/ am Fuß der Frühlingsberge/ schlief ich die Nacht durch – / selbst im Traume schwebten/ unablässig Blüten nieder.“

Unsere Serie

In der menschlichen Kultur sind Bäume seit frühesten Zeiten verwurzelt. An lokalen Beispielen erzählt unsere Serie „Mit Krone und Wurzel“ von ihnen.
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