Bad Dürkheim Diddel, Krieger und andere Liebestöter
Mit dem Roman „Beziehungsstatus: kompliziert!“ hat die Haßlocherin Yvonne Weimer im September unter dem Pseudonym Lina Labert ihren ersten Roman veröffentlicht. Dafür musste die heute 46-Jährige nicht viel erfinden, denn die beschriebenen „Beziehungskisten“ der 90er-Jahre und fast alle erzählten Ereignisse hat es so oder so ähnlich tatsächlich gegeben.
Weimer, die mit ihrem Mann, zwei Töchtern und drei sehr freundlichen Hunden in Haßloch wohnt, hat für ihr Buch nicht in Erinnerungen schwelgen müssen, denn tatsächlich schrieb sie den Roman schon Ende der 90er-Jahre, als sie und ihre in weiteren Hauptrollen vorkommenden Freundinnen noch mittendrin steckten in den „Wieso-bin-ich-eigentlich-noch-mit-dem-zusammen?“-Beziehungen. Die Protagonisten dieser Beziehungswelt sind die Freundinnen Julie, Weimers Alter ego, Tanja und Pia und deren „Traumprinzen“, Vokuhila-Diddel, der für Geld alles macht, bloß nicht arbeiten, René Krieger, ein hübscher Charmeur, aber ansonsten ein „Arsch“, und „Gas-Wasser-Scheiße“-Stefan, der Julie nicht leiden kann. Ihr Roman sei eine Alternative gewesen zu den Frauenromanen jener Zeit, sagt Weimer, in denen es um Upper-Class-Frauen ohne Existenzsorgen ging. „Das war einfach nicht meine Welt“, sagt die gebürtige Dürkheimerin, „ich wollte einen Frauenroman schreiben über ganz normale junge Frauen“. Und das ist ihr gelungen. Tanja ist die erste, die sich ein Herz fasst, mit Julies Hilfe aus der gemeinsamen Wohnung mit Krieger auszieht und fortan von demselben gestalkt wird. Und darunter hat auch Julie zu leiden, denn Diddel und Krieger gibt es nur im Doppelpack. Die echte Yvonne Weimer, die übrigens nicht wie ihre Heldin Julie Pharmazeutisch-technische Assistentin, sondern Biologisch-technische Assistentin ist, hatte eines Tages die Nase gründlich voll von ihrem porno-konsumierenden, faulen Autoschrauber Diddel. Hat sich aus der Beziehung befreit und eine Zeitungsannonce aufgegeben: „Suche schwulen Kumpel“. Da sitzt sie nun, gut 20 Jahre später, an ihrem Küchentisch, diese zart wirkende, aber so energiegeladene Mittvierzigerin und lacht. „Och nee“, sagt sie, „da hat sich nicht einer drauf gemeldet. Und ich hätte doch so gerne einen Kerl zum Ausgehen gehabt, der mich nicht anbaggert.“ Einen Kerl, nicht nur zum Ausgehen, hat sie aber mittlerweile schon lange, ist mit ihm seit 13 Jahren glücklich verheiratet und nennt ihn ihren „Sechser im Lotto“. Auch er stamme aus dem Dunstkreis von Diddel und Krieger, habe aber mit diesen keine Gemeinsamkeiten. Er ist an diesem Tag unterwegs und kauft für das Mittagessen ein (hätten Diddel, „Handtasche“ und „Scheiße“-Stefan niemals gemacht) – es soll „Gequellde“ geben. Dass ihr das Schreiben auf Anhieb so gut gelungen sei, verdanke sie wohl eher nicht dem dreijährigen Belletristik-Fernstudium („hat nicht so viel gebracht“), sondern ihren Aktivitäten in verschiedenen Literaturkreisen, meint Weimer. „Ich hab` da einfach alles mitgenommen, was mit Schreiben zu tun hatte.“ Außerdem wollte sie unbedingt den 1999 mit 150.000 DM dotierten Bertelsmann-Roman-Preis gewinnen, was letztlich aber doch nicht glückte. Dafür zeigte ein anderer großer Taschenbuch-Verlag Interesse an ihrem Werk, allerdings unter der Bedingung, das Buch müsse gekürzt und etwas umgeschrieben werden. Dazu fehlte Weimer aber die Motivation. Also verschwand das Buch für 17 Jahre in der Versenkung. Einer hartnäckigen Freundin ist es schließlich zu verdanken, dass Weimer den Roman im September zuerst bei Amazon für den Kindle, kurze Zeit später aber auch als Taschenbuch doch noch veröffentlicht hat. LESEZEICHEN Lina Labert: „Beziehungsstatus: kompliziert!“, Taschenbuch, Amazon-Druck-on-Demand, 290 Seiten plus sechs Seiten Anhang mit Worterläuterungen zu Begriffen der 90er Jahre, 9,90 Euro, oder als kostenlose Kindle-Edition.