Bad Dürkheim Dicke Luft auf dem Campingplatz
Rudolf und Anette Krebs sind Dauercamper. Die Dürkheimer Eheleute haben ihr Wohnmobil seit 2016 auf dem Wachenheimer Campingplatz abgestellt und kommen regelmäßig zum „Natur tanken“. Sie sind hier bestens vernetzt, nennen den Platz ihr zweites Zuhause. Auch mit dem Platzwart, Hans Zieger, sind die beiden bestens bekannt. „Herr Zieger ist das A und O hier auf dem Campingplatz“, sagt Anette Krebs und fügt hinzu „Wir fühlen uns hier richtig wohl!“. Doch seit etwa einem Jahr, so Krebs, laufe hier einiges nicht so unbeschwert wie immer. Im Herbst vergangenen Jahres bekamen alle Dauercamper eine Kündigung zugestellt. Wer einen neuen Vertrag wollte, musste tiefer in die Tasche greifen. Und: Statt ganzjährig ist der Campingplatz nun nur noch von März bis November geöffnet. „Das Geld ist für uns nicht so wichtig“, sagt Rudolf Krebs. Doch: Statt zwei Waschhäusern gebe es mittlerweile nur noch eins. Und der Aufenthaltsraum, der immer als beliebter Treffpunkt gegolten habe, wurde auch dicht gemacht. Das bestätigt auch Karl Nester. Der 76-Jährige, der in Winnweiler wohnt, hat seit etwa zehn Jahren einen Stellplatz in Wachenheim. Auch er ist sehr aufgebracht: „Vieles läuft hier schief“, sagt er. Das zweite Waschhaus, ein Container, der auf dem unteren Teil des Campingplatzes aufgestellt war, wurde in der Tat geschlossen, bestätigt der Erste Beigeordnete Helmut Panzel (FDP) auf Anfrage. „Wir hatten ein Überangebot an Sanitäranlagen“, sagt er und fügt hinzu: „Der Container war als Sanitäranlage sehr fragwürdig.“ Nun steht er ungenutzt auf dem Platz. Doch Panzel hat schon eine Idee. Er setzt auf E-Biker, die er auf den Campingplatz locken will. Den Container will er als Garage umbauen. Ähnlich wie bei den Fahrradboxen am Bahnhof, erklärt der Beigeordnete. Dass den Campern der Aufenthaltsraum genommen wurde, will Panzel so auch nicht stehen lassen. „Wenn die Gäste kommen, ist die Rezeption geöffnet“, sagt er. Jederzeit könne man sich auch dort unterstellen, wenn es regne. Im alten Aufenthaltsraum seien zudem viele Prospekte, in denen man sich informieren könne, was es in der Umgebung an touristischen Angeboten gebe. Der Campingplatz in Wachenheim hat im Jahr 2016 einen Verlust von rund 11.900 Euro erwirtschaftet, berichtet Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) auf Anfrage. Im Wirtschaftsplan stehen 10.000 Euro. Somit hat die Stadt eine Zahlung an den Platz zu leisten gehabt. Durch die Umstrukturierungen will die Stadt Geld sparen. Für 2017 erwartet die Stadt ähnliche Zahlen, was Bechtel als Erfolg wertet, da „der Campingplatz durch sehr umfangreiche Baumaßnahmen der Regenrückhaltung beeinträchtigt war“, so der Bürgermeister. Die Einnahmen durch Tagesgäste (Durchgangscamper) betrugen laut Bechtel bis zum 24. August rund 65.100 Euro, 2017 waren es im Vergleichszeitraum knapp 54.600 Euro. 2017 waren knapp 50 Plätze mit Dauercampern belegt. Nach der Umstrukturierung wurden 23 Verträge mit Saisoncampern geschlossen, zwei weitere Verträge stehen kurz vor dem Abschluss, so Bechtel. Es sei zu erwarten, dass für die Saison 2019 bis zu 40 der 113 Plätze durch Saisoncamper belegt sein werden. Dann will Bechtel die „schwarze Null“ erreichen. Camperin Eva Trapp berichtet von einem Treffen, das es zwischen einer Gruppe Dauercampern und Bürgermeister Bechtel gab. Laut Trapp wurden Verbesserungen versprochen, die nie kamen. „Man hat uns behandelt wie Gesindel“, sagt sie. Stan Mortko, der in den Niederlanden lebt, hat seinen Platz in Wachenheim, den er seit 1970 gemietet hatte, längst aufgegeben. „Der Platz hat uns immer gefallen“, sagt er. Doch nachdem Mortko, wie er berichtet, sieben Monate gewartet hat, in denen er nach der Kündigung keinen neuen Vertrag bekommen habe, war es ihm zu unsicher. Außerdem ärgerte er sich über eine Kaution, die er zahlen sollte – für einen Platz, den er selbst gepflegt habe. Dass man die Dauercamper vom Platz haben will, kann Panzel so nicht stehen lassen. „Wir haben immer Dauercamper gehabt und das soll auch so bleiben“, sagt er. Doch den Schwerpunkt beschreibt er anders: „Wir sind ein ruhiges Plätzchen für junge Familien.“ Camper Mortko wird nicht mehr kommen. Nachdenklich sagt er: „Wir haben immer Ruhe und Spaß gehabt. Jetzt ist der Spaß weg.“