Bad Dürkheim Dicht dank Licht
„Die Lichterkette ist wahrscheinlich ein bisschen zu heiß für den Weihnachtsbaum“, sagt Vorarbeiter Thomas Kuhn und lacht. An diesem Mittwochmorgen wird sie in einen Abwasserkanal im Gönnheimer Römerweg geschoben. Die acht zusammenhängenden UV-Lampen sind ein wichtiger Baustein der Kanalreparatur mit dem Inliner-Verfahren.
Doch der Reihe nach. Das Drei-Mann-Team der Heidelberger Firma Erles Umweltservice steht seit ein paar Wochen immer wieder auf Straßen in der Verbandsgemeinde Wachenheim. An diesem Mittwochmorgen sind die Kanalsanierer schon seit über einer Stunde zugange. Die Zugänge zum Abwasserkanal sind freigelegt, ihre Straßenseite haben sie abgesperrt und gesichert. Die Männer von Vorarbeiter Kuhn können jetzt die Kunstharz-Schläuche an einem Stahlseil durch das knapp 64 Meter lange Teilstück einziehen. Für die Arbeit haben sie rund vier Stunden eingeplant, sagt der gelernte Kanalbauer, „man weiß ja nie, ob es reibungslos klappt“. Beim Inliner-Verfahren wird in das Kanalrohr ein Kunstharz-Schlauch eingezogen. Dafür muss das Rohr erstmal frei sein. Diese Vorarbeiten habe ein Roboter übernommen, der sich durch die Rohre fräse. Stellenweise gebe es Ablagerungen, die wegmüssten, meist sei Wurzelwerk reingewachsen, zählt der 40-jährige Kuhn auf. Sobald der Schlauch drinnen ist, wird er mit Luftdruck aufgeblasen, damit er sich so eng wie möglich an die Innenseite anlegt. Der Kompressor steht auf einem der beiden Transporter, mit denen das Team angerückt ist. Dann kommen die UV-Lampen zum Einsatz. „Das ist wie beim Zahnarzt, nur viel heller“, sagt Kuhn, der bereits seit 17 Jahren mit dem Inliner-Verfahren arbeitet. In der Härtezeit sind die Hausanschlüsse am Kanal durch das Kunstharz verschlossen, das Abwasser kann sich stauen. Problematisch sei das nach Kuhns Erfahrungen tagsüber bei normalem Wasserverbrauch überhaupt nicht. „Nur wenn es Starkregen gibt, könnte es Probleme geben, da dann viel mehr Wasser abfließen muss.“ Die einfache Lösung: Bei heftigem Regen wird nicht gearbeitet. Neben dem Gully-Deckel liegt ein Schnittrest des Materials seit fast zehn Minuten auf dem Boden. Es ist spürbar heiß und hart. „Das Harz erreicht bis zu 140 Grad bei der Aushärtung“, erläutert Kuhn. Die UV-Lampen werden sogar bis zu 600 Grad heiß. Das Härten dauert eine Weile, die Kette bewegt sich deshalb nur 1,20 Meter pro Minute. Nachdem sie durch ist, kümmert sich der Roboter darum, die Hausanschlüsse im acht Millimeter enger gewordenen Rohr wieder frei zu fräsen. Damit das Wasser und alles, was es so mit sich trägt, ablaufen kann. Kuhns Team macht sich derweil auf zum nächsten Einsatz. Los ging die Kanalsanierung in der Verbandsgemeinde Wachenheim wie berichtet bereits vor einigen Wochen. Ende Oktober sollen die Abwasserleitungen wieder in frischem Glanz erstrahlen. Alles zusammen koste gut über eine Million Euro, sagt Dirk Bergner von den VG-Abwasserwerken. Die Kanalsanierer sind nur noch ein paar Tage in der VG unterwegs: Die meisten ihrer Rohre sind wieder dicht.