Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Deutschland gegen England: Fußball- wird zu Familienduell

Carole und Jens Lepthien beim gemeinsamen Fußball-Schauen.
Carole und Jens Lepthien beim gemeinsamen Fußball-Schauen.

RHEINPFALZ-Mitarbeiter schaut mit seiner britischen Gattin Deutschland gegen England

Das Achtelfinale bei der Fußball-Europameisterschaft zwischen England und Deutschland war auch ein kleines „Duell“ der Familie Lepthien aus Wachenheim. Sie Engländerin, ich Deutscher – für welches Team wurden die Daumen gedrückt?

Als ich am Dienstag mit meiner Frau Carole auf dem Weg in das Restaurant Cuvée 1888 war, um gemeinsam mit Freunden den Klassiker zwischen England und Deutschland zu schauen, musste ich an ein Bild aus dem Jahre 1966 denken. Ich sah genau vor mir, wie Uwe Seeler nach der 4:2 Niederlage im WM-Finale gegen die Engländer im Wembley Stadion mit gesenktem Kopf das Feld verließ. Die ganze Fußballwelt hat ihn anschließend getröstet.

Sollten die Engländer etwa nach 55 Jahren erstmals wieder ein K.o.-Spiel gegen Deutschland gewinnen? Nein, das kann nicht sein, Deutschland hat seit dem Finale 1966 alle entscheidenden Spiele gegen den Rivalen von der Insel gewonnen. Auch das Halbfinale der EM 1996 in England, das nach Elfmeterschießen mit 6:5 unter Trainer Berti Vogts gewonnen wurde. Schnell konnte ich den Gedanken an eine Niederlage verdrängen und freute mich auf ein spannendes Fußballspiel. „Ich merke gerade, dass ich für die Engländer bin“, sagt meine Frau Carole kurz nach Spielbeginn. „Ich denke, sie haben es nach so langer Zeit verdient, sie sollten gewinnen“.

Diese Sätze waren kein Schock für mich, haben mich aber nachdenklich gemacht, zumal meine Frau Tage vor dem Spiel gesagt hat, dass in ihrer Brust zwei Herzen schlagen würden. Wieso jetzt der Umschwung, ahnt sie etwas? Dann war da wieder Uwe Seeler. Komm, sagte ich mir, die erste Halbzeit war nicht schlecht, ein Spiel auf Augenhöhe. Dass die Deutsche Mannschaft nach dem Seitenwechsel zunächst das bessere Team war, weckte Hoffnung. Nach dem 1:0 durch Raheem Sterling, den meine Frau zum „Man of the Match“ gekürt hat und dem verpassten Ausgleich durch Thomas Müller, hörte ich Carole sagen „jetzt finde ich es voll gut“.

Ihre Bemerkung nach dem 2:0 durch Harry Kane, dass „wir jetzt durch sind, wer hätte das gedacht“, zerstörte in mir den Gedanken, dass Jogis Jungs in einem furiosen Endspurt das Ruder rumreißen würden, um eine Verlängerung zu erzwingen. Wo sind im Deutschen Team die Uwe Seelers, Gerd Müllers und Franz Beckenbauers, die bei der WM 1970 in Mexiko im Viertelfinale gegen die Three Lions aus einem 0:2 Rückstand noch ein 3:2 für Deutschland erkämpften? Unvergessen bleibt in meiner Erinnerung das Hinterkopf-Tor von „Uns Uwe“ zum 2:2.

Am Dienstag sollte es nicht sein und am Ende konnte ich mich mit meiner Frau freuen. „Es war verdient und ich freue mich mit meiner englischen Familie und meinen Freunden“, sagte sie nach dem Spiel. Dass die Stimmung in Deutschland jetzt nicht mehr so toll sei, könne sie verstehen. Naja, dachte ich mir, irgendwie fehlte eh die letzte Begeisterung für die Deutsche Elf. Ich bin jetzt für die Engländer und kann mir vorstellen, dass sie den Titel holen können. Unter Hansi Flick werden unsere Kicker zur alten Form zurückfinden. Revanche nächstes Jahr in Katar? Uwe Seeler würde es freuen, der hat die Niederlage in England mit dem umstrittenen „Wembley-Tor“ immer noch nicht verdaut.

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