Hockey
Deutsche Meister von 1992 und 1993 schwelgen in Bad Dürkheim in Erinnerungen
„Es war eine tolle Zeit, und ihr wart alle tolle Spieler,“ betont Thomas Gunst in seiner kleinen Begrüßungsrede. Der Trainer der DHC-Meistermannschaft von 1992 und 1993 hat das gesamte Team eingeladen. Eine gemeinsame Wanderung mit Einkehr, und später gemütliches Beisammensein mit Essen im Clubhaus geben reichlich Gelegenheiten zum Schwelgen in Erinnerungen. „Die Verbindung bleibt“, betont Christoph Bechmann, der die meisten Mitspieler geschätzt 28 Jahre nicht getroffen hat. Der gebürtige Speyerer, der später 300 Länderspiele für Deutschland absolvieren sollte, hat seinerzeit den DHC schon bald wieder verlassen. „Ich habe nur die beiden Jahre hier gespielt, aber es waren die schönsten zwei Jahre. Ich habe das damals gar nicht realisieren können, was wir erreicht haben“, gibt der heutige Trainer des aktuellen deutschen Hallenmeisters Harvestehuder THC zu. Auch Markus Koch scheint es, als sei es erst gestern gewesen. „Es war eine außergewöhnliche Mannschaft mit exzellenten Hockeyspielern“, erzählt der damalige Juniorennationalspieler. Der Dürkheimer hat dem DHC immer die Treue gehalten, engagiert sich heute im Vorstand.
Diashow vom Endspiel 1992
Fast ergriffen betrachteten alle die kleine Diashow, die Gunst auf den Monitor im Clubhaus abspielt. Fotos von den Finals und vor allem die Bilder, wie das Publikum nach dem dramatischen Endspiel 1992, das der DHC mit 7:5 im Siebenmeterschießen gegen den HTC Uhlenhorst Mülheim gewann, den Platz stürmte, wecken Erinnerungen. „Der Siebenmeter von Uwe Krauß flog hoch ins Netz, und dann ging auf dem Kunstrasen in Bad Dürkheim die Hölle los.“ So stand es am Tag danach in der Zeitung. Peter Spengler, der Sportjournalist von damals, selbst Hockeyer, DHCler und daher ehemaliger Mannschaftskollege, hat natürlich genauso mitgefiebert: „Das war die größte Zeit des Vereins. Es war großartig, das mitmachen zu dürfen“, bestätigt er. In der Tat war der Sieg des DHC über die seinerzeit scheinbar übermächtigen und die Zeit dominierenden Mülheimer eine riesengroße Überraschung. „Wir waren die Außenseiter,“ erzählt Michael Metz, neben Christian Mayerhöfer damals einer von zwei Nationalspielern und Olympiasiegern in Reihen des DHC.
Gunst, der Psychologe
Dass der Sieg nicht unverdient war, zeigte die Titelverteidigung 1993, als der Club den Harvestehuder THC mit 2:1 besiegte. Großen Anteil an den beiden einzigen Feldtiteln für Bad Dürkheim, zwischen 1997 und 2006 folgten noch fünf Titel in der Halle, hatte Trainer Gunst. Ein bisschen zufällig war der ehemalige Nationalspieler zu dem Job gekommen. „Der Horst hat zu mir gesagt, Du musst das jetzt machen,“ erzählt er noch einmal, dass er eigentlich nur eingesprungen war. Und wenn der ehemalige Präsident Horst Reinfrank etwas gesagt hatte, dann wurde das im DHC eben gemacht. Sein Vorteil sei gewesen, dass er die Mannschaft gekannt und gewusst habe, was die Spieler gekonnt hätten, erklärt Gunst, der erst ein Jahr zuvor seine Karriere im DHC beendet hatte. „Und ich wusste, dass sie nicht das Optimale aus sich herausholen“, ergänzt er. Die Dürkheimer seien für seinen Geschmack bisher zu oft Dritter oder Zweiter gewesen. „Du warst ein super Psychologe,“ bestätigt Krauß, dass es dem Trainer gelungen sei, das Nötige aus dem Team herauszuholen. Krauß gehört wie Bechmann, Emanuel Chorianopoulos, Jens Fischer und Steffen Erlewein zu den Spielern, die später noch Nationalspieler wurden.
Ohne Navi unterwegs
Hans-Jürgen Zittel, der zehn Jahre lang Betreuer des Teams war, hat einige Anekdoten auf Lager: Legendär die Fahrten zu den Auswärtsspielen, bei denen Zittel, der den Bus fuhr, in Ermangelung eines Navigationssystems die Sportplätze nicht fand und die Mannschaft häufig zu spät zu ihren Spielen kam. Von der hinteren Bank seien immer gute Ratschläge gekommen, sagt er heute noch lachend. Vor dem Finale 1992 habe er der Mannschaft gedroht, dass es Konsequenzen habe, wenn sie das Spiel nicht gewinnen würden. „Ich habe eh nie zugehört“, erwidert Michael Metz und hat die Lacher auf seiner Seite.
Auch nach 30 Jahren ist der Zusammenhalt spürbar, das gemeinsam Erlebte präsent, obwohl sich die Wege der Sportler getrennt haben. Einige sind in Bad Dürkheim geblieben, sind im Verein als Trainer oder im Vorstand aktiv. Andere sind berufsbedingt weggezogen, sind aber dem Hockey erhalten geblieben. „Es war eine tolle Zeit“, betont Carsten Schneider, der in Kaiserslautern lebt. Trotz der Nähe sei er selten in Bad Dürkheim. „Leider,“ ergänzt er. Vielleicht motiviert das Treffen, die Kontakte wieder zu intensivieren. „Auf jeden Fall treffen wir uns in neun Jahren zum 40. Jahrestag wieder“, kündigt Gunst an.