Bad Dürkheim Der talentierte Mr. Müller

Angriff ist die beste Verteidigung: Christopher Müller.
Angriff ist die beste Verteidigung: Christopher Müller.

Tischtennisspieler – das erzählt man sich sogar in der Szene selbst – sind ganz eigene Charaktere. Vielfach vergleicht man sie mit Torhütern oder Linksaußen beim Fußball. Oft – so heißt es – seien sie im Alltag eigenbrötlerisch. An der Platte jedoch kehren sie mitunter ihr Innerstes nach außen, weswegen mancher, der sie privat als ruhige Wesen kennt, überrascht ist von der vulkanesken Vehemenz ihres Auftritts. Vor Wut fliegende Schläger gehören an Freitagabenden auch in Schulturnhallen der Pfalz zum Geschäft. Christopher Müller, 19 Jahre, Bankkaufmann, passt so gar nicht in dieses Bild. Eine „Gewissenhaftigkeit und Verlässlichkeit“ sagt ihm ein älterer Mannschaftskollege nach. „Ich bin eher der ruhige Typ“, erzählt Müller über sich selbst. Trotz seiner Jugend ist er schon einige Jahre fester Bestandteil eines Teams, das im Frühjahr 2013 Bezirkspokalsieger wurde und den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte. Vor zehn Jahren begann Christopher Müller mit dem Tischtennissport. Sein Talent wurde schnell erkannt und sein Aufstieg ging rasch. Bis auf Platz sieben der Pfalzrangliste drang der Leistadter, der heute bei der VR Bank Rhein-Mittelhaardt in Wachenheim beschäftigt ist, in seinen Jahren in der Jugend vor. „Die Team-Chemie stimmt. Ich habe da Freunde“, sagt Müller über den Zusammenhalt in der heterogenen Truppe, zu der mit Walter Schenk und Jan Eymael zwei ältere Spieler gehören und neben Müller selbst einige, die noch unter 30 Jahre alt sind. Ein bis zweimal die Woche sieht man sich zum Training. „Es ist und bleibt ein Hobby“, findet Müller, dem man auch das Talent zu mehr zugetraut hatte. Ob er nicht lieber eine Liga höher in der Bezirksliga oder noch weiter oben spielen würde? Eine glasklare Antwort darauf bleibt der 19-jährige Angriffsspieler, der gerne die eigene Rückhand umläuft, schuldig. Die Momentaufnahme vom heutigen Tage lässt nun befürchten, dass dem TTC Bad Dürkheim die Kreisliga droht. Nach 17 Spieltagen in dieser Saison hat das Team, dessen Anführer Müller aufgrund seiner besonderen Stellung als derzeitiger Punkt 1 im Tableau ist, erst sieben Punkte auf der Habenseite und darüber hinaus ein virulentes Verletzungsproblem. Manuel Weis fehlt mindestens bis zum Ende der Saison, seit Wochen beginnt der selbst verfasste Pressebericht des Clubs mit den Worten: „Erneut ersatzgeschwächt ...“. So kommt es, dass der 42-jährige Jan Eymael inzwischen meist vom mittleren ins vordere Paarkreuz rückt, wo er ordentlich Federn lässt. Zudem müssen aus der zweiten oder dritten Mannschaft Spieler aufrücken, die das Niveau für die Bezirksklasse einfach (noch) nicht mitbringen. Die Ausnahme ist jedenfalls Christopher Müller, der in der Rückrunde eine Bilanz von 6:2 für seine Matches zustande bringt. Schmerzlich vermisst wird im Team Frederick Schell, dessen fester Abgang nach Mainz nach der vergangenen Saison nicht kompensiert werden konnte. Spätestens nach der Beinverletzung von Manuel Weis sei der Mannschaft klar gewesen, dass es gegen den Abstieg geht, sagt Müller angesichts der angespannten Tabellensituation, die sich durch mehrere Niederlagen in Folge nach der Winterpause zugespitzt hat. So rangiert man inzwischen einen Punkt hinter TTV Mutterstadt III, drei Punkte Vorsprung weist bereits DJK Eintracht Ludwigshafen auf und irgendwie sieht das tabellarisch nahezu identisch wie beim 1. FCK aus. Trotzdem spricht noch einiges dafür, dass Müller und Co. die Klasse halten, denn alle drei Mannschaften, die direkt vor den Dürkheimern platziert sind, werden in den kommenden Wochen noch Gegner sein. Los geht es mit der Auswärtspartie morgen Abend in Maudach. Zum heimischen Saisonfinale kommt am 13. April Mutterstadt nach Bad Dürkheim und zum Auswärts-Abschluss muss der TTC bei DJK Eintracht Ludwigshafen am 21. April antreten. Ob der TTC Bad Dürkheim dann gerettet ist, muss vielleicht auch dann noch offen bleiben. das liegt am Pfälzischen Tischtennis-Verband, der sich noch nicht in die Karten schauen lässt, wenn es darum geht, die Anzahl der Absteiger zu benennen. Das nämlich ist von Relegationsspielen abhängig. Wären es drei Absteiger, bestünde für den TTC kaum noch Hoffnung, bei zweien würde es schon äußerst knapp. So oder so handelt es sich um eine Zitterpartie ...

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