Bad Dürkheim „Der Schaden ist nicht so wichtig“

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Blickpunkt: Zehn Tage nach dem verheerenden Brand eines Einfamilienhauses in Wachenheim sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Wann das Ehepaar Herch wieder in sein Haus zurückkehren kann, das es vor 33 Jahren gebaut hat, weiß noch niemand.

Vom Glück im Unglück sprechen das Ehepaar Herch und Tochter Wiebke in diesen Tagen sehr oft. „Der ganze Schaden ist doch völlig egal, Hauptsache, dem Kleinen geht es wieder gut“, sagt Karl-Heinz Herch, als er vor den Resten seines Hauses am Hauenstein steht. Seit Sonntag ist sein vier Jahre alter Enkel Elias, der in letzter Minute von einem Polizeibeamten aus dem brennenden Haus gerettet wurde und in eine Mannheimer Klinik kam, wieder „zu Hause“. Was bedeutet, dass er bei seinen anderen Großeltern in Freinsheim Unterschlupf gefunden hat. Dort wohnen jetzt auch seine Eltern sowie die eineinhalbjährige Schwester Lea. Zwei Jahre hat Karl-Heinz Herch, der gelernter Gas- und Wasserinstallateur ist, sein Haus in Wachenheim mit seiner Frau Ruth fast alleine aufgebaut. Nach 33 Jahren ist es nach dem Brand vom 18. Mai unbewohnbar. Das Ehepaar ist bei Herchs 85-jähriger Mutter in der Burgstraße untergekommen. Die idyllische Lage am Fuß der Wachtenburg kann nicht das rußgeschwärzte Grauen überdecken, das auf dem Grundstück am Rande der Weinberge vorherrscht. Eine Spezialfirma aus Landau räumt das Haus derzeit aus. Aus dem Fenster im oberen Stockwerk kracht ab und an ein verkohlter Fernseher, die Reste einer Lampe oder eines Stuhls auf den Boden. Das Ehepaar Herch überwacht mit seiner Tochter diese Prozedur, beratschlagt mit den Arbeitern, was noch zu gebrauchen ist und was entsorgt werden muss. Nüchtern und sachlich gehen alle dabei vor. „Ich kann jetzt auch nicht sagen, dass mir irgendetwas, was da an Gegenständen verbrannt ist, besonders wichtig war“, erzählt die 57-jährige Ruth Herch auf den Resten ihrer Terrasse. Hat die Familie doch bei der Brandkatastrophe erfahren, was wirklich wichtig ist. Alle drei schwärmen von der großen Hilfsbereitschaft, die ihnen entgegengebracht wurde. „Wir hätten ohne Probleme überall in der Nach- barschaft eine Bleibe gefunden. Wir sind überwältigt“, erzählt der 59-jährige Karl-Heinz Herch und hebt auch die schnelle Hilfe der Wachenheimer Verwaltung und des Bürgermeisters Torsten Bechtel hervor. Dankbar ist er den vielen Rettungskräften und natürlich ganz besonders dem Polizisten, der Elias aus dem Haus rettete. „Bei ihm waren wir natürlich schon alle.“ Der Kindergarten von Elias organisierte eine ganze Garage voll mit Spielzeug. Über eines hat er sich besonders gefreut: ein Feuerwehrbuch. „Das ist ihm ganz wichtig, um die Erlebnisse zu verarbeiten“, erzählt seine Mutter. Die 28-Jährige trägt noch die Sachen, die sie am 18. Mai anhatte, als sie von der Baustelle in Tiefenthal, wo sie mit ihrem Mann ein neues Haus errichtet, wegen des Brandalarms früher als geplant nach Wachenheim zurückfuhr. „Der Wurstmarkt-Kreisel war im Nebel“, erzählt sie. Am Morgen des 18. Mai hatte sie den elf Jahre alten Familienhund einschläfern lassen müssen. Dass ein paar Stunden später das Leben ihres Kindes auf dem Spiel stehen würde, konnte sie nicht ahnen. Wobei sich Elias’ Mama aber sicher ist, dass ihr Sohn mehrere Schutzengel hatte. „Im Wohnzimmer, wo er auf der Couch schlief, ist alles verbrannt, nur ein Foto von ihm ist völlig heil geblieben.“ Niemand trage alleine die Schuld an dem Brand. „Letztlich war es eine Verkettung vieler Umstände. Niemand macht irgendwem Vorwürfe“, betont Wiebke Kochenburger. Geregelt werden muss jetzt der Schaden mit der Versicherung. Gutachter klären, ob Teile des Hauses abgerissen werden müssen. „Das wird alles eine Weile dauern, aber das spielt keine Rolle“, betont Karl-Heinz Herch. Er kann sogar an die Burg- und Weinmeile morgen denken, bei der er als Mitglied im Förderverein der Wachtenburg aktiv ist. „Spießbraten müssen gebrutzelt werden. Das Leben geht weiter“, sagt er. Spendenkonto Die Verbandsgemeinde Wachenheim hat ein Spendenkonto bei der Sparkasse Rhein-Haardt für die Familie eingerichtet. Kontoinhaber: Verbandsgemeinde Wachenheim; Verwendungszweck: Hilfe Wohnhausbrand; IBAN: DE72 5465 1240 0005 5231 70.

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