Bad Dürkheim Der die Gitarre singen lässt

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Am Samstag sorgte der australische Fingerstyle-Gitarrist Peter Pik an der Weilach für eine volle Pfälzerwald-Vereinshütte. Seit rund 25 Jahren reist Pik mit seiner Gitarre umher, seit rund zehn Jahren verbringt er den Sommer in Europa, vorwiegend als Straßenmusiker.

Straßenmusik lässt an junge Menschen denken, die internationale Gassenhauer singen, um ihr Budget aufzubessern. Peter Pik ist ein anderes Kaliber, das erkennt man schon nach ein paar Tönen. Sein selbst geschriebenes „Spanish Christmas“ offenbart als Auftakt gleich ein Füllhorn an Spieltechniken: Flamencoanschlag, klassische Elemente, country- und folkartiges Fingerpicking – und gesungen wird gar nicht. „Ich lasse meine Gitarre singen“, sagt Pik. Der etwas andere Straßenmusiker Pik arbeitete jahrelang mit dem australischen Gitarrenvirtuosen Tommy Emmanuel zusammen und schrieb die Transkriptionen für dessen Songbuch „Note for Note“. Ein Musikbett im Hintergrund oder Loops gibt es bei Pik nicht. Seine besondere Technik erläutert und demonstriert er zwischendurch fürs Publikum. Mit dem Daumen der rechten Hand spielt er die Bassnoten, mit dem Zeigefinger meistens die Akkorde, die restlichen Finger spielen die eigentliche Gesangsmelodie. So entsteht ein dichter Gesamtsound, der auch die Wanderer fasziniert, die an der Weilach nur eine Pause bei Wurstsalat und Schorle einlegen wollten. Zur Namensgebung seiner Eigenkomposition „Stage Fright“ (Lampenfieber) erzählt Pik: „Ich spielte in einem Club in Nashville, und zwei meiner großen Idole, Chet Atkins und Tommy Emmanuel, waren im Publikum. Jemand sagte: Spiel was Eigenes, dann fällt niemandem auf, wenn was schief geht. Und so spielte ich dieses Stück, das bis dahin noch keinen Titel hatte. Und weil ich ganz schön nervös war, hat es den Namen Stage Fright bekommen.“ Die meisten der fast 20 Stücke, die Pik an diesem Nachmittag unter den Bäumen vor der Hütte spielt, stammen von seiner aktuellen CD „Requests“. Darauf findet sich eine Auswahl der meistgewünschten Stücke aus den Fußgängerzonen Europas. Gleich einen ganzen Auftritt in Bad Dürkheim wünschte sich vor drei Jahren die Bad Dürkheimerin Mechthilde Gairing. Als sie und ihr Mann damals Prag besuchten, war sie begeistert von Piks Musik und sprach ihn an. Über Facebook blieben sie in Kontakt, und bevor er in diesem Jahr wieder nach Australien zurückkehrte, besuchte er die Gairings. Dabei hat ihm die Kurstadt offenbar so gut gefallen, dass er schon zum dritten Mal hier gastiert. Als Mechthilde Gairing Pik von ihrem Engagement in der Flüchtlingshilfe erzählte, hat er sich spontan entschlossen, seinen Aufenthalt um einen Tag zu verlängern. Wer also in den Genuss von außergewöhnlicher Gitarrenmusik auf höchstem Niveau kommen will, hat dazu heute Abend noch einmal die Gelegenheit. Peter Pik spielt um 19 Uhr im Mehrgenerationenhaus. Der Eintritt ist wie immer frei. „Wem es gefällt, der gibt auch etwas“, sagt Pik.

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