Bad Dürkheim Deponiesanierung am Bruchhübel begutachtet

Die Infoveranstalltung zur laufenden Sanierung lockte am Samstag Besucher auf das Feld 3 der Deponie. Im Hintergrund zu sehen is
Die Infoveranstalltung zur laufenden Sanierung lockte am Samstag Besucher auf das Feld 3 der Deponie. Im Hintergrund zu sehen ist der Schlitzwandgreifer.

Noch bis April nächsten Jahres besteht die weithin sichtbare Baustelle am Feuerbergkreisel zur Sanierung des Feldes 3 der Deponie Bruchhübel.

Die momentane Sperre der Auffahrt zum Kreisel aus Friedelsheim und Gönnheim bleibt noch bis 25. Oktober bestehen. Im Januar wird noch einmal eine Vollsperrung nötig sein, so die Nachrichten bei der Infoveranstaltung auf der Baustelle am Samstagvormittag direkt vor Ort auf dem Bruchhübel. Geschätzte 50 Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort umzusehen. Klaus Schnell vom Ingenieurbüro ERM, dem Verantwortlichen der Planung des Projektes im Auftrag der BASF, stellte vor, was auf der Baustelle passiert und bis April passieren soll. Sanierungsziel ist die vollständige Einhegung der Schadstofffahne, die nach der Abdichtung durch eine Kunststofffolie nach oben von der Deponie weiterhin nach außen dringt. Schwachstelle ist das von der Seite in die Deponie eindringende Regenwasser, erklärte Schnell den Zuhörern. Um das abzustellen, soll bis April die „Dichtungskapsel mit Deckel“ für die Altdeponie fertig sein (wir berichteten). Schnell nannte die Dichtkapsel ein „sehr komplexes Bauwerk“. Alles was auf der Baustelle gemacht werde, werde von drei Instanzen geprüft, darüber stehe noch die SGD Süd als Behörde, die das Ganze genehmigen müsse, legte er den Besuchern dar: Die Gesamtprojektleitung bei diesem Vorhaben liegt bei der BASF, Planung und Bauüberwachung hat ERM, die Fremdüberwachung übt die Spezialtiefbau Consult aus. Koordinierende Behörde ist die SGD Süd, die zu der Veranstaltung eingeladen hatte. 80 Zentimeter breit und bis zu 30 Meter tief ist die Schlitzwand, die derzeit wie ein Ring um den Deponiekörper gelegt wird. Ein Spezialbagger hebt zu diesem Zweck den durch Leitwände aus Beton markierten Graben aus, Lamelle für Lamelle. Wie tief der Schlitz an einer Stelle sein muss, gibt der unterschiedlich dicke, wasserundurchlässige Leithorizont vor. „Leithorizont plus drei Meter“ sei die Formel. Damit der tiefe Graben nicht einstürzt, wird eine Suspension aus Ton und Wasser eingefüllt, bei der sich die Feststoffe wie eine Membran an die Wände legen. Im nächsten Schritt wird die „Arbeitssuspension“ gegen das endgültige, die Schlitzwand bildende Material – eine laut Schnell ganz neue Spezialabdichtungsmasse – ausgetauscht. Gelagert und wieder aufgearbeitet wird die Arbeitssuspension in den weithin sichtbaren, riesigen Silos neben der B 37. Der Erdaushub wird in einem Zelt zwischengelagert und durch ein fremdes sowie ein ERM-eigenes Labor vor Ort überwacht und analysiert. Man habe den Deponiekörper bislang nur am Rand durchstoßen und dabei lediglich Hinweise auf Hausmüll gefunden, so Schnell: „Wir wissen aber nicht, was sonst noch drin ist.“ Diese Aussage mache ihn skeptisch, meinte ein Zuhörer. Es gebe Aussagen, dass hier Fässer von der BASF und Müll von der US-Army abgelagert worden seien. Das werde man über die spätere Überwachung des Deponiekörpers mitbekommen, wenn dem so sei, sagte Schnell. Wo denn der Unterschied zum Auskoffern der Deponie sei, wenn ein solcher Aufwand getrieben wird, fragte eine Besucherin. Der Ingenieur gab zu bedenken: Alles herausholen und irgendwo verbrennen, verteile den Deponieinhalt letztlich auf dem ganzen Globus und weil notwendigerweise Erdreich mit verbrannt werden muss, erzeuge das eine „verheerende Energiebilanz“. Einschränkungen gab es bei der Nachhaltigkeit: Er könne etwas über die Wirksamkeit der Abdichtung sagen. Nicht prognostizieren könne er, ob sie auch in 100 Jahren noch ihren Zweck erfülle, sagte der ERM-Ingenieur.

Geograf Georg Stiebeling erklärt Besuchern das Szenario.
Geograf Georg Stiebeling erklärt Besuchern das Szenario.
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