Über den Kirchturm hinaus Denken ist wie googeln – nur krasser

Googeln ersetzt nicht das Lesen von Büchern und schon gar nicht das Nachdenken, findet Pfarrerin Susanne Kirchner.
Googeln ersetzt nicht das Lesen von Büchern und schon gar nicht das Nachdenken, findet Pfarrerin Susanne Kirchner.

Die riesige Datenbank der Suchmaschine Google hat uns einiges voraus, bei einigen wichtigen Fähigkeiten kommt sie aber trotzdem nicht an menschliche Fähigkeiten heran. Über den Wert des Nachdenkens.

Es ist nun schon einige Zeit her, dass wir unser Haus in Hambach besichtigt haben. Eigentlich war alles genauso, wie wir es uns vorgestellt hatten: Größe und Anordnung der Zimmer, der Garten hinterm Haus, sogar ein direkter Zugang zum Wingert: perfekt. Während wir uns die Räume anschauten, fiel mir etwas auf: Wo hat denn die Familie ihre Bücher aufgestellt? „Welche Bücher?“, kam prompt die Gegenfrage. „Wir haben doch keine Bücher! Bücher sind so was von old school! Find’ ich doch alles im Internet!“ Denken ist wie googeln? Nur krasser? Ich bin durchaus auch Google-Nutzerin. Es ist ja wirklich beeindruckend, was da alles zu finden ist. Welche Information ich auch suche, welche Frage mich auch bewegt: mit den angemessenen Stichworten gesucht bringt mich „Tante Google“ auf jeden Fall weiter. Die Suchmaschine arbeitet, und da sind sie schon: Adressen, Definitionen, Daten aller Art, Literaturangaben, Texte, Lieder, Karten. Aber KEINE Bücher? Wir haben das Haus gekauft und wohnen inzwischen schon wieder acht Jahre darin. Bücher gibt es in beinahe jedem Zimmer. Wir alle lesen gern, alles mögliche: Romane, Biografien, Dokumentationen… Fachliteratur gibt es natürlich auch. „Old school“? Irgendwie schon, aber wenn es ums Bücherlesen geht: „old school“ aus Überzeugung!

Sinnvolles von Sinnlosem unterscheiden im Datendschungel

Es ist sicher bedeutsam, woher wir unsere Informationen bekommen. Ausschlaggebend aber ist, was wir mit all dem Wissenswerten machen, das wir in uns aufnehmen. Ums Mit-Denken und Nach-Denken kommen wir in keinem Fall herum. Erschreckend, was uns immer wieder an willkürlich Konstruiertem zugemutet wird. Es war und ist gar nicht so einfach, Sinnvolles von Sinnlosem zu unterscheiden. Dabei zeigt sich, wes Geistes Kind jemand ist. Weder Googeln noch Bücherlesen könnte Nachdenken ersetzen. Das macht uns als Menschen aus.

Als Jesus nach seiner Auferstehung sich von seinen Jüngerinnen und Jüngern verabschiedet hat, hat er ihnen den Geist Gottes zugesagt als Hilfe zum Leben und zum Glauben, als feste Zuversicht auf das, was man hofft, ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sehen, aber erleben kann… – hab’ ich in der Bibel gelesen, würde ich aber auch bei Google finden (Heb 11,1).

  • Pfarrerin Susanne Kirchner aus Neustadt ist Seelsorgerin im Bürgerspital Wachenheim

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