Bad Dürkheim „Dem Gymnasium nehmen wir nichts weg“

In einem Offenen Brief macht sich der Schulelternbeirat (SEB) der Carl-Orff-Realschule (COR) in Dürkheim für eine gemeinsame Orientierungsstufe am Werner-Heisenberg-Gymnasium (WHG) und der Realschule plus stark – einen gemeinsamen Unterricht für Fünft- und Sechstklässer beider Schulen vor Ort. Angeführt werden pädagogische, aber auch logistische Gründe, um die Realschule attraktiver zu machen. Der Kreis als Schulträger steht der Idee generell positiv gegenüber. Konkrete Pläne gibt es jedoch nicht.
„Wir wünschen uns, dass zukünftige Schülerinnen und Schüler die Chance haben, an einer gemeinsamen Orientierungsstufe von WHG und COR Aufnahme zu finden und so ein attraktives Angebot in Ergänzung zu den Integrierten Gesamtschulen im Kreis geschaffen wird“, heißt es in dem Elternbrief. Das Schreiben ist eine Reaktion auf den RHEINPFALZ-Bericht vom 26. März, wonach die Anmeldezahlen für das neue Schuljahr den ungebrochenen Trend zum Gymnasium klar dokumentieren (129 Neuanmeldungen). Die Realschule plus dagegen wirkt abgehängt in der Beliebtheitsskala mit 53 Anmeldungen, während die zwei IGS im Kreis Jahr für Jahr viele Schüler ablehnen müssen, da deren Plätze generell auf 120 pro Schuljahr begrenzt sind. Der Ansturm auf die IGS zeuge vom Wunsch der Eltern nach integrativen Schulformen. Eine weitere Option könne deshalb eine gemeinsame Orientierungsstufe sein. Und: „Kinder müssen viel zu früh die Entscheidung treffen“ für eine weiterführende Schule, sagte Andrea Probst, Vorsitzende des SEB der Realschule plus, gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Auftrennung in verschiedene Leistungsstufen sollte aus pädagogischen Gründen erst später erfolgen. Die 52-Jährige aus Wachenheim ist Mutter von drei Kindern – ihr Jüngster geht an die Realschule plus, ihre Tochter hat Abitur in Neustadt gemacht. Sie kennt beide Schulformen und plädiert gerade deswegen für länger gemeinsames Lernen oder alternativ auch für eine verlängerte Grundschule. Das Dürkheimer Schulzentrum in der Kanalstraße mit Realschule plus und WHG nebeneinander sei für die Umsetzung „geradezu prädestiniert“. „Und dem Gymnasium nehmen wir nichts weg“, meinte Probst. Beide Schulen blieben unabhängig – Klassenstufe fünf und sechs würden gemeinsam von Lehrern des Gymnasiums und der Realschule unterrichtet. Laut Probst sei dieser Vorschlag „leider niemals auf breiter Basis thematisiert“ worden. „Das Einzige, was im Wege steht, sind die Barrieren in manchen Köpfen“, heißt es. Die Eltern der Realschule spielen damit auf eine Bemerkung von Armin Rebholz, dem kommissarischen Schulleiter des WHG, an. Der hatte mit dem Argument, die Eltern der Gymnasiasten wünschten dies nicht, dem Vorstoß in Richtung gemeinsamer Orientierungsstufe, den zunächst der Rektor der Realschule plus, Achim Walk, öffentlich formuliert hatte, eine Absage erteilt. Ein solches gefordertes Modell ist rar in Rheinland-Pfalz, aber möglich. Laut Mainzer Bildungsministerium haben ganze 13 Schulen eine „übergreifende Orientierungsstufe“. Die Kooperative Gesamtschule in Herxheim bei Landau ist ein solches Beispiel, auf das die Dürkheimer Realschuleltern verweisen. Auf einem Schulcampus werden Fünft- und Sechstklässer noch „unsortiert“ unterrichtet; erst danach gehen sie – anders als an einer IGS – in einen eigenen Gymnasial- oder Realschulzweig: Laut Schulleiter Jürgen Müller ein erfolgreiches Modell – schon seit 1996, wie er auf RHEINPFALZ-Anfrage sagte. Seit langem seien sie zehnzügig, fürs neue Schuljahr 2018/19 gebe es 273 Anmeldungen. Laut Ministerium würde das Vorhaben in Dürkheim generell durch die Schulaufsicht, die ADD, begleitet. Voraussetzung sei aber, der gemeinsame Wunsch beider Schulgemeinschaften. Letzteres sieht auch Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld so – der Kreis ist Träger beider Schulen vor Ort. Formal habe diesen Prozess bislang aber keiner angestoßen. Ihlenfeld sieht in einer gemeinsamen Orientierungsstufe zwar eine Konkurrenz zur IGS, aber „keine Gefahr“ für diese Schulform.