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Das „Schweinchen“ bleibt in der Schatulle
Der rheinland-pfälzische Boule-Landesverband sagte die Ligen- und Pokalspiele in diesem Jahr komplett ab. Ob die Qualifikationsturniere für die nationalen Meisterschaften und die Landesmeisterschaften nachgespielt werden, ist noch offen. Geplant ist es dem Landesverband zufolge, zumindest den Ligenbetrieb 2021 zu sichern. Klar ist allerdings auch, dass das nur „im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten“ passieren wird.
Für Bernd Faseler aus Bad Dürkheim ist die Lage bei den Boule-Sportlern derzeit prekär. „Es gab in diesem Jahr nur eine Freizeitliga. Da brauchte man keinen Pass und musste auch kein Vereinsmitglied sein“, fügt der 70-Jährige an, der in Wachenheim in der Regionalliga spielt und auch in Bad Dürkheim im Jahr 2017 einen Verein gründete. In diesem Jahr wurde zwar eine Ü60-Liga ausgetragen, die jedoch nur eine reduzierte Variante der Mannschaftskämpfe zuließ.
„Es geht oft um Millimeter“
Faseler selbst ist neben seinen spielerischen Tätigkeiten auch noch als Schiedsrichter aktiv und sieht dies als wichtige Funktion beim Boulesport. „Da geht es oft um Millimeter. Als Schiedsrichter hat man sehr viel Macht beim Sport“, fügt er an. Sehr viel davon – spielen und Schiedsrichter sein – fehlten in diesem Jahr.
Dennoch ist sich der Dürkheimer sicher, dass sein Sport im Aufwind ist, auch wenn die Boule-Sportler über Monate nun nicht ihrem geschätzten Hobby nachgehen können. Wie der Deutsche Petanque Verband beschreibt, spielen rund 200 Millionen Menschen weltweit in 262 Verbänden und 165 Ländern verschiedenste Formen der Boule-Sportarten.
„Boule ist ein Trendsport. Er dient der Regeneration, aber auch der Konzentration. Es gibt auch keine Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein“, sagt Faseler. So seien in nächster Umgebung zum Teil gleich mehrere Vereine zu finden. „In Ludwigshafen und Mannheim gibt es fünf Vereine, auch in Neustadt, Grünstadt und Edigheim gibt es Klubs“, erzählt Faseler.
Bedenken für die Zukunft des Sports
Durch die Gründung des Boule-Vereins in Bad Dürkheim wollte sich Faseler auch um den Nachwuchs sorgen und dem Sport ein neues Altersbild geben. Das Vorstands- und Gründungsmitglied der Dürkheimer plante in Schulen zu gehen, um für das Werfen der Kugeln in Richtung des „Schweinchens“ (siehe Zur Sache) zu werben. „Das hatte ich mir für dieses Jahr vorgenommen. Ich wollte auch noch ein Ferienprogramm machen. Aber dann kam Corona“, berichtet der eifrige Boulespieler, weshalb er seine Pläne zurückstellen musste – vorläufig zumindest. Ob es dann 2021 mit dem Boulesport klappt? Da hat Faseler noch seine Bedenken. „Beim Boule gibt es normalerweise Großspieltage mit zwei oder drei Gegnern. Das wird mit den Coronaregeln nicht vereinbar sein. Da sind teilweise 100 bis 150 Leute vor Ort“, sagt der Dürkheimer. Er könne sich jedoch vorstellen, dass dann Einzelbegegnungen in Betracht kommen. „Das wird aber auch kompliziert, je höher gespielt wird. Denn dann kommen die Spieler öfter von außerhalb, auch aus dem Ausland.“
Nicht zuletzt wegen der Altersstruktur der Mitglieder hat Faseler seine Bedenken was die Zukunft der Sportart angeht. In Bad Dürkheim seien ein Dutzend Mitglieder aktiv, in Wachenheim zwischen 25 und 30. Das seien aber zumeist ältere Spieler. „Da wird sich nach Corona vermute ich einiges ändern. Ältere denken sich vielleicht, sie können auch ohne Boule leben und bekommen ihr Wochenende auch gut rum“, sagt Faseler nachdenklich.
Zur Sache: Die Boule-Spielregeln
Das „Sportgerät” ist immer eine Kugel aus Metall, mit einem Durchmesser von 70 bis 80 Millimetern und einem Gewicht von 650 bis 800 Gramm. Das liegt schon gut in der Hand, ist aber auch nicht so schwer, dass man dafür viel Kraft braucht. Wichtiger ist das Geschick beim Werfen oder Rollen in Richtung des „Schweinchens”. Das liegt zwischen sechs und zehn Metern entfernt. Die wichtigsten Regeln sind damit schon geklärt. Theoretisch reichen schon zwei Leute, das Tête-à- tête, da spielt jeder mit drei Kugeln. Es gibt auch die Doublettes, zwei gegen zwei, mit je drei Kugeln und die Triplettes, mit zwei Kugeln pro Spieler.