Blickpunkt
Das sagen die Winzer der Region zur diesjährigen Weinlese
„Der Regen kam natürlich zu einer Unzeit, genau dann, wenn die Trauben schön süß und reif sind, führt das sehr schnell zur Fäulnis. Deshalb mussten wir uns mit der Ernte ganz schön beeilen“, berichtet Lucas Peter vom Weingut Peter in Wachenheim. Doch bei seinem Betrieb sei alles gut gegangen – und dem Aroma habe der nasse Herbst keinen Abbruch getan: „Wir sind mit dem Geschmack der ersten Jungweine sehr zufrieden, die schmecken schon super dieses Jahr“, lautet das Urteil des Winzers. Vor allem in den Rotweinen sieht er großes Potenzial. „Da ist ein Top-Ten-Jahrgang zu erwarten, weil wir eine tolle Reife hatten. Das könnte einer der besten Jahrgänge der letzten 20 Jahre werden“, berichtet er. Das hänge vor allem damit zusammen, dass es 2022 so sonnig gewesen sei, was die Gerbstoffe reifer und runder gemacht habe – eine ideale Voraussetzung für die Rotweine. Besonders die spätreifen Sorten wie Merlot oder Cabernet haben laut Peter von den zahlreichen Sonnenstunden profitiert. „Die wurden in diesem Jahr mal so richtig reif“, sagt er.
Das Warten hat sich gelohnt
Das Weingut Eymann aus Gönnheim hat sich von dem anhaltenden Regen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der Betrieb hat noch bis Mitte vergangener Woche die letzten Trauben für dieses Jahr abgeerntet. Das bedeutet, dass von der ersten Blüte der Weinreben bis zur Lese sogar knapp 120 Tage vergangen sind, statt der nach der Faustregel üblichen 100 Tage. „Daran sieht man schon, dass das ein qualitativ guter Jahrgang wird“, sagt Vincent Eymann, der das Familienweingut seit 2015 leitet. Er erläutert: „Jeder Tag mehr am Stock ist ein Zugewinn für die Weine.“ Das längere Warten habe zwar die tägliche Kontrolle der Weinberge erfordert, um zu sehen, wie die Fäulnis voranschreitet, habe sich aber seiner Ansicht nach gelohnt, „vor allem für die Rieslinge, die eh immer ein bisschen länger brauchen“.
Mit dem Spätburgunder ist Eymann sehr zufrieden, genauso wie mit dem Säuregehalt und PH-Wert der gesamten Ernte. Die Weine würden seiner Einschätzung nach eher nach einem „kalten Jahrgang“ schmecken, hätten also eine stabile Säure. „Der Hitzesommer wird sich deutlich weniger im Wein widerspiegeln als viele vermutet haben“, sagt Eymann. Er begründet das vor allem mit den kalten Nächten während der Lese. Die hätten außerdem dafür gesorgt, dass die Trauben trotz des vielen Regens nicht so schnell weggefault sind. Eymanns Bilanz fällt positiv aus: „Es war zwar ein ziemlich nerviger Herbst mit vielen Lesedurchgängen und viel Zittern wegen des vielen Regens, aber unterm Strich ist es für den Geschmack der Trauben besser gewesen.“
Trauben in Weisenheim früher reif
In Weisenheim am Sand hatte das Weingut Langenwalter weniger Probleme mit dem Regen als andere Winzer. Denn: In den dortigen Lagen sind die Trauben früher reif als in großen Teilen der restlichen Mittelhaardt, wie Thorsten Langenwalter erklärt. „Wir haben schon im August mit der Lese angefangen und so den Großteil unserer Ernte, vor allem die Topqualitäten, bereits vor der Regenperiode eingefahren“, sagt er. Somit war der Betrieb bereits im September mit der gesamten Lese fertig. „Das Lesegut war traumhaft. Und so wie die Trauben aussahen, präsentieren sich jetzt auch die Weine“, berichtet der Winzer. Auch er hat das Gefühl, dass dieses Jahr „die Rotweine die Gewinner sind“. Die hätten eine sehr gute Reife und eine schöne dunkle Farbe, die auf einen vollmundigen Geschmack schließen lasse. Auch wenn 2022 ein „sehr gutes Rotweinjahr“ sei, ist Langenwalter auch mit der Qualität der Weißweine zufrieden.
Stilistisch ganz anders als 2021
„Stilistisch ganz anders als 2021“ werde der aktuelle Jahrgang, sagt Johann Fitz vom Weingut Fitz-Ritter voraus. 2021 sei der Sommer nass, der Herbst dafür sonnig und trocken gewesen – genau anders herum als in diesem Jahr. Das spiegle sich in den Weinen wider, erklärt der Chef des Dürkheimer Traditionsbetriebs, der sich über die Unterschiede freut: Während die 2021er Weißweine vor allem von grünen Aromen geprägt waren, erwarte er jetzt fruchtigere, harmonischere Weine mit weniger Säure. Aber brauchen denn besonders die Rieslinge nicht die Säure? „Schon, aber für manche Kunden hatten die 2021er Rieslinge schon zu viel Säure. Wenn ich an 2003 denke: Da hatten die Weine extrem wenig Säure. Das waren nicht so typische Rieslinge, aber das sind jetzt noch immer Top-Weine.“ Die auf seinen 25 Hektar geerntete Menge liege leicht unter, die Qualität dagegen klar über dem Durchschnitt, bilanziert Bio-Winzer Fitz.
André Hauer vom Dürkheimer Weingut Hauer verspricht sich in diesem Jahr besonders viel von seinen Burgundern. „Ich weiß ja nicht, wie es bei den Kollegen war: Aber wir haben besonders schöne Spätburgundertrauben gelesen, insgesamt sind die Burgunder sehr interessant geworden“, erzählt der Vorsitzende des Dürkheimer Weinbauvereins. Bei den Rieslingen habe es sich gelohnt, länger zu warten. Gegen Ende der Lese hätten diese eine „gute Säure“ gehabt, sagt auch Hauer. In der extremen Trockenphase im Sommer hätte „der eine oder andere Rebstock aufgegeben“, berichtet er. „Ohne Beregnung hätten es die Junganlagen nicht geschafft“, ergänzt der junge Winzer. Die Auswirkungen der Niederschläge während der Lese hätten sich in Grenzen gehalten. „Aber wir haben auf unseren zwölf Hektar auch viele hartnäckige Rebsorten wie Piwis, Goldmuskateller oder auch die internationlen Sorten.“