Bad Dürkheim Damit die Integration gut klappt
Wenn es überhaupt noch einen Aspekt innerhalb der Flüchtlingsfrage gibt, über den sich alle einig sind, dann den, dass ohne die unzähligen ehrenamtlichen Helfer schon längst „Land unter“ wäre. Die Zusammenarbeit mit den Verwaltungen wird von den Flüchtlingshelfern gelobt. Auch sind die weiteren Helfer weiterhin sehr engagiert, von Überforderung wird nicht gesprochen.
„Perfekt“ findet die Vorsitzende der Freinsheimer Flüchtlingshilfe, Marie-Louise Wiesenbach, die Zusammenarbeit mit der VG-Verwaltung oder mit dem Kreis. Nicht ganz rund laufe es, wenn mit anerkannten Asylanten der Gang zur Arbeitsagentur anstehe. „Da fehlt noch ein echter Ansprechpartner“, findet sie. Immer wieder positiv hervorgehoben wird von vielen Ehrenamtlichen die hilfreiche Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle Asyl von Caritas und Kreis in Bad Dürkheim. Dass die Mitarbeiter der Verwaltung in Wachenheim „Oberkante Unterlippe“ in der Arbeit versinken, ohne dabei die Nerven zu verlieren, das bewundert Helfer Eberhardt Linke aus Gönnheim. Vieles dauere zwar länger als gewünscht und manches geschehe erst dann, wenn die Helfer nachhakten – diese Erfahrung hat auch die Ellerstadterin Margret Kierney gemacht. Jedoch habe auch für die Verwaltungsmitarbeiter der Tag nur 24 Stunden. Miriam Eckes aus Wachenheim fühlt sich als Ehrenamtliche von der Verwaltung wertgeschätzt und unterstützt. Mechthilde Gairing von der katholischen Gemeinde und Jutta Schlottauer, Leiterin des Dürkheimer Mehrgenerationenhauses, stellen der Stadt ein gutes Zeugnis aus. Damit die Flüchtlinge nicht allein den bürokratischen Hürden ausgesetzt sind, dafür sorgen die Flüchtlingshelfer mit großem Einsatz. Sprachkurse stehen außerdem im Mittelpunkt. Ohne, dass sie ihren oft unermüdlichen Einsatz kleinreden wollen, als Beinahe-Opfer der Umstände, kurz vor dem Kollaps womöglich, wollen sich die Flüchtlingshelfer nicht beschrieben sehen. Dafür, so begründet beispielsweise Margret Kierney, bekomme man von den Schützlingen einfach zu viel zurück, sagt die Ellerstadterin, die den Einsatz von 60 Helfern koordiniert. Auch in Friedelsheim und Gönnheim sind Helfer aktiv, erzählt Mitorganisator Eberhardt Linke. Er hat gerade eine Familie beim Umzug von einem in das andere Dorf unterstützt. „Nach Gönnheim sind sie noch mit Rucksäcken gekommen, für den Umzug nach Friedelsheim haben sie nun schon einen kleinen Transporter gebraucht“, erzählt er. Sachspenden, so Linke, würden von den Helfern noch per Computer verwaltet und verteilt, für Kleidung dagegen betrieben die Helfer inzwischen eine Kleiderkammer. Dort sind, wie Linke betont, nicht nur Flüchtlinge, sondern alle hilfsbedürftigen Menschen gern gesehen. Auf keinen Fall die Hilfsbedürftigen zu vernachlässigen, die auch vor den Flüchtlingen schon da waren, das ist auch der Anspruch von Jutta Schlotthauer. Sie kann auf einen Stamm von 70 Helfern zurückgreifen. Nicht alle, räumt sie ein, engagieren sich in gleicher Weise. Im Dürkheimer Patenprojekt sind rund 45 Alltagshelfer für die Flüchtlinge aktiv. Bei den Freizeitangeboten, wie dem Culcha-Treff für junge Leute oder auch Begegnungsabenden, die im vergangenen Jahr nur dreimal stattfanden, künftig aber häufiger geplant sind, oder auch das monatliche internationale Frühstück steht das Integrationsziel im Vordergrund. Gleiches gilt für die Vermittlung gemeinnütziger Tätigkeiten. Neben der evangelischen ist auch die katholische Gemeinde Dürkheims in der Flüchtlingshilfe aktiv. Ab März startet ein Stammtisch für Flüchtlinge, Paten und interessierte Bürger, wie Mitorganisatorin Mechthilde Gairing ankündigt. In der VG Freinsheim sind die Helfer aller Ortsgemeinden – rund 90 an der Zahl – zentral im Verein „Miteinander“ organisiert, wie Vorsitzende Marie-Louise Wiesenbach erläutert. Viele Berufstätige, weit überwiegend Frauen und durchaus nicht nur Bürger aus Dörfern, in denen auch Flüchtlinge untergebracht sind, engagierten sich als Paten oder für Spezialaufgaben. Das Miteinander ist hier ein wichtiges Ziel: Sei es in den Nähstuben oder beim wöchentlichen Miteinandertreff. Ein Fahrradservice sorgt außerdem dafür, dass inzwischen jeder Flüchtling mobil ist. Einen Sonderweg in der Verbandsgemeinde geht Weisenheim am Berg. Hier hat die ehemalige Lehrerin Brigitte Hauser schon vor einem Vierteljahrhundert Deutschkurse für die damaligen Asylanten angeboten und mit rund 18 Helfern bietet sie auch jetzt wieder Sprachunterricht an. Zu den täglichen Kursen reisen sogar Schüler aus Kirchheim und Grünstadt an. In Wachenheim hat Miriam Eckes die rund 25 Helfer um sich geschart. Für jede Aufgabe gibt es ein Team. Weil in Wachenheim anders als in Freinsheim, wo männliche Flüchtlinge die Mehrheit bilden, vor allem Familien untergekommen sind, und sich viele Rentner engagierten, hätten sich bereits enge Bindungen ergeben. „Wiedergewordene Omas und Opas“, beobachtet Eckes und berichtet von viel Freude im Umgang mit den Neuankömmlingen. Sie wünscht sich vor allem, dass es keine schlechte Stimmung im Ort gibt, sei es doch im Interesse aller, dass die Integration gut klappt. Der Wille dazu auf Seiten der Einwanderer sei da, das hat zumindest Helfer Eberhardt Linke so erlebt. Bis hin zum Besuch des Gottesdienstes in der Dorfkirche – inklusive Kopftuch, sagt Linke lachend: „Und ganz Gönnheim hatte was zu erzählen“.