Markant von oben
Dürkheimer Vigilienturm: Vergnügungstempel im Weinberg
Es ist quasi das Wohnzimmer des Drachenfelsclubs: der Vigilienturm auf dem Dürkheimer Halsberg. Hier finden kleine, aber feine Veranstaltungen statt. Und auch zum Wurstmarkt gibt es eine Verbindung.
Für Drachenfelsclub-Chef Rolf Bart ist es „das schönste Fleckchen in Bad Dürkheim“: der Vigilienturm auf dem Halsberg. Gesegnet mit einer schönen Aussicht und einer reizvollen Lage im Wingert.
Der Vigilienturm ist eines der Bauwerke, die der Drachenfelsclub noch gar nicht so lange besitzt. Erst seit 1978. Hans Philipp Zumstein hatte seinen Weinberg mit dem Weinbergtempel dem Verein geschenkt. Damals war das heute hübsche Fleckchen fast eine Ruine. Der Club brachte das Gebäude zusammen mit dem Lions-Club wieder auf Vordermann. „Das war völlig verwildert“, erinnert sich Bart an den Zustand des Geländes in seiner Kindheit.
Die Arbeiten am Haus sollten sich noch einmal wiederholen, als 20 Jahre später die Helfer noch mal ran mussten. Restaurierungsarbeiten im Innen- und Außenbereich waren nötig.
Viel Arbeit für etwas, was einst rein zum Vergnügen errichtet worden war. Weingutsbesitzer Johannes Fitz ließ das Türmchen im klassizistischen Stil 1842 errichten. Fitz ist vor allem deshalb bekannt, weil er mit anderen Dürkheimern am Hambacher Fest 1832 teilnahm.
Auf dem Gelände hatte einst eine römische Wache (vigilia) gestanden, später war dort wohl ein mittelalterlicher Wehrturm, von dem nach 1471 nur noch eine Ruine blieb. Diese ließ Fitz abreißen und errichtete auf den noch verbliebenen Grundmauern das Sommerhaus. Das Gebäude verkam in den folgenden 100 Jahren. Es diente allerdings wohl nach dem Zweiten Weltkrieg den Menschen als Notunterkunft.
Weinberg um den Turm wird von Lebenshilfe bewirtschaftet
Heute ist der Vigilienturm seiner wahren Bestimmung wohl wieder näher, es geht hier vor allem um die schönen Dinge des Lebens. So gibt es etwa literarische Weinproben, Jazz-Matineen, manchmal auch private Familienfeste. Und natürlich macht auch der Drachenfelsclub seine Sitzungen gerne im eigenen Türmchen, quasi dem Wohnzimmer des Vereins.
Mehr als 670 Mitglieder hat der Verein, viele sind schon über 60, sagt Bart, einige schon weit über 80 Jahre alt. „Wir sind nicht der einzige Verein, der damit zu kämpfen hat“, sagt Bart über den Altersschnitt und den mangelnden Nachwuchs.
Um 16 Bauwerke, manchmal sind es auch Plätze, kümmert sich der Verein. Er finanziert sich vorwiegend über Mitgliedsbeiträge, 15 Euro sind es im Jahr. Etwa 20 Leute helfen aktiv mit, wenn es darum geht, etwa im Frühjahr den Vigilienturm zurechtzumachen. Denn dort ist die Natur schnell dabei, sich Gelände zurückzuerobern.
Den 2500 bis 3000 Quadratmeter großen Weinberg um den Turm herum bewirtschaftet die Lebenshilfe – pachtfrei. „Wir sind froh, dass das gepflegt wird“, sagt Bart. Der Wingert, Lage Dürkheimer Steinberg, soll nächstes Jahr vielleicht neu bepflanzt werden.
Tradition hat die Wurstmarktpressekonferenz auf dem Vigilienturm. Dann kommen auch die Pressevertreter in den Genuss der traumhaften Aussicht – während sie den neusten Informationen übers größte und schönste Weinfest der Welt lauschen. Und natürlich ein Glas Wein dabei trinken. Wenn die Journalisten wieder weg sind, hat der Drachenfelsclub den Vigilienturm wieder für sich.
Über neue Mitglieder würde sich der Verein übrigens freuen, sagt Bart. Der Turm könnte mit seiner Aussicht ja ein Argument für ein Engagement im Verein sein.
Der Verein
Der Drachenfelsclub ist Eigentümer von 16 Bauwerken in und um Bad Dürkheim, um die er sich auch kümmert: www.drachenfelsclub.de.
Die Serie
Die großen und kleinen Wahrzeichen in der Umgebung mal von einer anderen Seite zeigen – nämlich aus Drohnensicht – soll unsere Serie „Markant von oben“. Wir erzählen in loser Folge Geschichten rund um bekannte und weniger bekannte Bauwerke.