Bad Dürkheim / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Dürkheimer Firma verhilft Mann mit Sehbehinderung zu Traumjob

Philipp Cecco aus Wachenheim liebt die Arbeit im Garten.
Philipp Cecco aus Wachenheim liebt die Arbeit im Garten.

Wie ein gelernter Besen- und Bürstenbinder mit einer Sehbehinderung zu seinem Traumjob mit Heckenschneiden oder Pflastern einer Terrasse kommt, erzählt Philipp Cecco aus Wachenheim. Der junge Mann arbeitet seit April bei Garten- und Landschaftsbauer Fehim Pilavdzic in Bad Dürkheim, wo er überall mit anpacken darf.

Dass Menschen wie Philipp Cecco auch in der Arbeitswelt integriert sein wollen, dafür sensibilisiert der Internationale Tag für Menschen mit Behinderung am heutigen 3. Dezember. Und dass Philipp als Allrounder fest in den Betrieb eingebunden ist, ist keine Selbstverständlichkeit, denn der 23-Jährige ist stark sehbehindert. Der junge Mann hat nur noch eine Sehstärke von rund 20 Prozent und damit einen Behinderungsgrad von 70 Prozent. „Eine Brille kann ich nicht tragen, weil ich starkes Kopfweh davon bekomme und sich die Symptome verschlimmern“, erzählt er.

Der 23-Jährige leidet an einer Zapfen-Stäbchen-Dystrophie, einer genetisch bedingten Erkrankung der Netzhaut. „Wegen dieser Gesichtsfeldeinschränkung musste ich schon in der Grundschule ganz nah an die Tafel“, erinnert er sich.

Mit dem früheren Chef starb der Job

Drei Jahre lang erlernte Cecco an der Landesblindenschule in Neuwied den Beruf des Besen- und Bürstenbinders. Gut ein Jahr hat Philipp dieses Handwerk bei einem kleinen Betrieb in Dudenhofen ausgeübt. Als sein Chef starb, wurde er arbeitslos. Dass er so schnell wieder eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt bei Fehim Pilavdzic ergattern konnte, basiert wohl auf einer persönlichen Begegnung der beiden und der Formel „Zupacken und Vertrauen“: „Philipp traut sich alles zu und ich habe volles Vertrauen in ihn“, bringt es der junge Firmengründer Pilavdzic auf den Punkt.

Kann sein sehbehinderter Mitarbeiter kleine Halme beim Unkrautjäten nicht sehen oder den Streifen beim Rasenschnitt nicht genau erkennen, dann steigt der Chef ein: „Philipp ist für das Grobe zuständig, ich für die Feinarbeit“, sagt Pilavdzic, der mit 34 Jahren Anfang 2022 sein eigenes Unternehmen gegründet hat und seit April auf den Einsatz von Philipp Cecco zählt. Hilfe bekommt der junge Mitarbeiter auch vom Senior Pilavdzic: Weil Cecco nicht Autofahren darf, geht er mit dem Vater des Firmenchefs oft gemeinsam auf Tour zu den Kunden. „Die merken oft gar nicht, dass Philipp eine Behinderung hat, weil er so beherzt zupackt“, sagt Pilavdzic.

Mehrstufige Probezeit möglich

Svenja Müßigbrodt von der Landauer Agentur für Arbeit berichtet, dass schwerbehinderte Arbeitnehmer es im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung weiterhin schwerer haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – und das, obwohl sie leistungsfähig und motiviert seien. „Philipp ist so engagiert und traut sich alles zu“, sagt auch der Firmenchef, der wegen der guten Auftragslage seines kleinen Betriebs im Ortsteil Seebach und der guten Erfahrungen mit Philipp Cecco darüber nachdenkt, noch einem Menschen mit Behinderung eine Chance im Betrieb zu geben.

Unterstützung gibt es von der Agentur für Arbeit. „Wir rufen Arbeitgeber auf, Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben“, sagt Müßigbrodt. Cecco sei ein gutes Beispiel für einen gelungenen Quereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt. Über die Stufen einer zweiwöchigen Probearbeit, einem Probebeschäftigungsvertrag von bis zu drei Monaten und einem befristetem Arbeitsvertrag soll die Beschäftigung dann in einen regulären Arbeitsvertrag münden. Außerdem fördert die Agentur den Betrieb finanziell.

Der neue Boss hat schon weitere Pläne

Im Agenturbezirk Landau, dem auch der Landkreis Bad Dürkheim angehört, sind aktuell knapp 730 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Im Landkreis Bad Dürkheim sind es rund 204 arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung. Unter ihnen sind Gehalts- und Lohnbuchhalter, Leiter von Altenpflegeeinrichtungen, Elektroniker oder Bürokaufleute. Der Anteil der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen an der Gesamtzahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk liegt derzeit bei rund 6,4 Prozent, im Landkreis Bad Dürkheim bei etwa sieben Prozent, sagt die Statistik.

Firmenchef Pilavdzic hat auch schon weitere Pläne: „Vielleicht klappt es ja mit einem E-Bike für seine eigene Mobilität oder sogar mit dem Nutzen eines Aufsitz-Rasenmähers bei der Gartenarbeit.“ Philipp Cecco ist optimistisch: „Ich trau mich das.“

Noch Fragen?

Ansprechpartnerin für interessierte Arbeitgeber ist Svenja Müßigbrodt unter Telefon 06341 958-316 oder per E-Mail: landau.arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

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