Bad Dürkheim
Dürkheimer Advent: Eröffnung mit vielen Premieren (mit Bildergalerie)
Gegen 18.20 Uhr klang aus den Boxen an der Ludwigskirche kurz nach der offiziellen Eröffnung des Dürkheimer Advents das moderne spanische Weihnachtslied Feliz Navidad. Nicht einmal eine Stunde später war dann auf dem Römerplatz noch einmal dieselbe Melodie zu hören, nur der Text war anders: Die Band Woifeschdkänisch um Frontmann Monji El Beji besang dort das Pfälzer Horrorszenario schlechthin – „de Riesling werd’ knapp“. Für Woifeschdkänisch war das kleine Konzert beim Dürkheimer Advent eine Premiere: „Wir sind glücklich, dass es mit dem Auftritt hier geklappt hat. Mit unserer anderen Band Fine R.I.P. sind wir schon auf dem Speyerer Weihnachtsmarkt aufgetreten, aber das ist jetzt neu für uns“, sagte Monji El Beji. Bad Dürkheim ist für den Fußgönheimer freilich kein Neuland – beim Literarischen Frühschoppen auf dem Wurstmarkt oder beim Stadtfest ist seine Band Stammgast. Die Titel von Woifeschdkänisch passten gut in die Vorweihnachtszeit, fand El Beji.
„Trommelkidz“ geben den Takt an
Zuvor hatten die „Trommelkidz“ der Musikschule den Takt bei der Eröffnung mit ihren Cajons auf den Treppenstufen von St. Ludwig vorgegeben. Praktisch: Sie konnten auf den Kistentrommeln auch sitzen. „Wir erweitern den Dürkheimer Advent nach und nach und entwickeln ihn weiter“, sagte Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt (CDU) mit Verweis auf den neuen Schubkarchstand auf dem unteren Teil des Stadtplatzes. Großen Wert habe man wieder auf das Kulturprogramm gelegt.
Der Valentin-Ostertag-Brunnen sei in diesem Jahr „faszinierend beleuchtet“, der Weg dorthin lohne sich deshalb besonders, betonte die Bürgermeisterin. Im oberen Kurpark befinde sich kein überdimensionaler Grill, sondern ein Sazlsiedegestänge. Dort stellt der Förderverein Gradierbau am ersten Adventswochenende Salz her – auch eine Premiere. Einen Ausflug in die Geschichte des Advents unternahm Rolf Jochum als Abt des Klosters Limburg. Er erzählte, wie auf Wunsch des Salierkaisers Konrad II. auf der Limburg die Anzahl der Adventswochenenden auf vier begrenzt wurden. Mit Weinprinzessin Cecile verteilte Bauernschmitt nach deren Grußwort Probierstücke der Winteredition der Dürkheimer Stadtschokolade. Eingepackt ist sie mit einem Foto der Schlosskirche von Steffi Eckfelder.
Das Experiment des Salinencafé-Pächters
Im Sommer salzig, im Winter süß. Salinencafé-Pächter Alexander Fritz hat im Dezember den Arbeitsplatz getauscht. An allen vier Adventssonntagen bietet er auf dem Stadtplatz „Golden Crispy Balls“ an. Das sind frittierte Milchreisbällchen, die sich die Weihnachtsmarktbesucher je nach Gusto mit Soßen verfeinern lassen können. Für Fritz Experiment und Premiere zugleich. Er will mit den Bällchen eine Alternative zu gewohnten Weihnachtsmarktleckereien anbieten. Im Salinencafé sei es im Winter natürlich deutlich ruhiger, berichtete Fritz, der das Geschäft mit seiner Partnerin Julia Parker seit Anfang vergangenen Jahres führt. Offen habe das Café aber dennoch bis zum 23. Dezember. Dann beginnt die Weihnachtspause und auch der Dürkheimer Advent ist bis dahin vorbei.
Der Reiterverein will wiederkommen
Eine andere Premiere wurde im neuen Schubkarchstand auf dem Stadtplatz gefeiert. Dieser war eigens zusätzlich zu den beiden auf dem Römerplatz aufgebaut worden, um weiteren Dürkheimer Vereinen die Möglichkeit zu geben, ihre Kasse mit dem Verkauf von Glühwein aufzubessern. Der erste Verein, der dort ausschenken durfte, war der Reiterverein am Freitagabend. „Alles lief sehr unkompliziert, die Stadt hat sich um alles gekümmert“, erzählte Sandra Heinrich. Ausgeschenkt wird dort Glühwein der Vier Jahreszeiten, auch in entalkoholisierter Variante. „Aber kein Kinderpunsch“, betonte Heinrich. Den schenken dafür Vereine auf dem Römerplatz aus – genauso wie Glühwein der Ungsteiner Genossenschaft. Die Schicht bis 22 Uhr mit Helfern zu füllen, sei kein Problem gewesen: „Aber es ist wie bei allen Vereinen: Es sind immer die gleichen, die sich engagieren. Wir sind der harte Kern.“ Im kommenden Jahr, sagte Sandra Heinrich, würde sie gerne mit ihrem Team wiederkommen – dann aber mit zwei Ponys, um zu zeigen, dass hier der Reiterverein ausschenkt.
Wiederholungstäterin ist Katrin Wehlitz – aus Überzeugung. Ihr hatte das Eisstockschießen im vergangenen Jahr so viel Freude bereitet, dass sie dieses Jahr gleich zur Eröffnung nach Bad Dürkheim gekommen war. „Das macht total viel Spaß, man bewegt sich und die Bewegung wärmt“, berichtete Wehlitz. Die ehemalige Dürkheimerin und ihre Freundinnen waren am Eröffnungsabend die Ersten, die sich auf die Eisstockbahn des Frankenthaler Betreibers Michael Jockers trauten. Wobei, rutschig sind die speziellen Kunststoffplatten nicht. „Aber mit Schlittschuhen könnte man darauf fahren“, versicherte Jockers. Auch Getränke gibt es bei Jockers, sitzen kann man in kleinen Holzhütten. Und weil es in den vergangenen beiden Jahren gut lief, hat Jockers noch zwei Holzhütten mehr aufgestellt. In der DJ-Hütte wird Freitag- und Samstagabend Musik aufgelegt. Mit sogenannten LED-Washern wird der Bereich zwischen Ludwigskirche und Achat-Hotel farblich in Szene gesetzt. „Sieht klasse aus“, sagte ein Besucher, der sich im Nieselregen gerade auf den Weg zur Eröffnung des Dürkheimer Advents machte.