Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Coronavirus reißt Lücken bei Personal

Wer eine Corona-Infektion hat, muss sich isolieren.
Wer eine Corona-Infektion hat, muss sich isolieren.

Wegen Omikron sind die Corona-Infektionszahlen auf einen neuen geschnellt. Wie sehr kämpfen Handwerksbetriebe, Verwaltungen oder Schulen mit den hohen Krankenständen und wie gehen sie damit um?

„Die Situation ist hochproblematisch. Es gibt aktuell in allen Unternehmen hohe Ausfallzahlen durch die Omikronwelle“, sagt Jürgen Vogel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz. Knapp 80.000 Mitgliedsunternehmen aus der Region vertritt die Kammer – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zur BASF. „Es gibt Firmen, da fehlen zehn Prozent der Belegschaft. Alle Unternehmen klagen, dass es schwierig ist, die Lücken zu stopfen, die beim Personal durch Corona oder Quarantäne entstanden sind“, berichtet der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer.

Zwar sei in der Omikronwelle ein relativ milder Krankheitsverlauf zu beobachten, doch wenn das Virus einen Mitarbeiter erwischt hat, fällt er durchschnittlich zehn bis 14 Tage aus, hat Vogel beobachtet. Für Unternehmer sei es derzeit sehr schwierig, den Personaleinsatz zu planen. Einige Geschäfte hätten wegen Personalmangels eingeschränkte Öffnungszeiten. Auch an Fließbändern gebe es Probleme.

Nach Wegfall der Einschränkungen mehr Eigenverantwortung

Dass nun bald alle Corona-Einschränkungen wegfallen, sieht der 51-Jährige mit gemischten Gefühlen: „Die Unternehmer sollen nun vor Ort selbst eine Risikoeinschätzung vornehmen und entscheiden, welche Maßnahmen sie ergreifen sollen.“ Dies bedeute mehr Eigenverantwortung für die Unternehmen. Die IHK rate den Betrieben, weiter für Booster-Impfungen zu werben, AHA-Regeln einzuhalten und auf Masken zu setzen.

Vor vier, sechs Wochen hatte Ralf Pojtinger einen Krankenstand von 50 Prozent in seiner Holzwerkstatt für Innenausbau mit den Standorten in Ellerstadt und Ludwigshafen, 15 von 30 Angestellten waren krank. Pojtinger musste sich ans Telefon klemmen und seine Kunden informieren, dass vereinbarte Termine nicht zu halten seien. Die Kunden hatten durchaus Verständnis. Aber: keine Leistungen, keine Rechnungen, während die Kosten unvermindert weiterliefen, so Pojtinger.

Situation im Evangelischen Krankenhaus ist angespannt

Im Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim können zurzeit noch alle geplanten Operationen durchgeführt werden. Allerdings, so Pressesprecherin Susanne Liebold, sei die personelle Situation derzeit angespannt. Mit viel Flexibilität der Mitarbeitenden, einem Mitarbeiterpool und mit Leasingkräften gelinge es jedoch, die Versorgung der Patienten aufrecht zu erhalten. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, seien Kapazitäts- und Serviceeinschränkungen aber nicht auszuschließen, so Liebold.

Sechs Lehrer des Werner-Heisenberg-Gymnasiums sind im Moment wegen Corona zuhause, beim Höchststand waren es neun Lehrkräfte auf einmal, ihn selbst eingeschlossen, berichtete Schulleiter Armin Rebholz. Hinzu kommen Fehltage durch andere Erkrankungen oder dadurch, dass Kinder von Lehrkräften erkrankt oder in Quarantäne sind. Und das ausgerechnet in der Zeit der Abiturprüfungen. Das hatte zur Folge, dass 20 Prüfungen verlegt werden mussten. Manche Abiturienten legten ihre allerletzten Prüfungen am Tag vor der Zeugnisausgabe ab. Bis jetzt habe man Schülern wegen des Infektionsgeschehens noch keine ganzen Tage freigeben müssen, sondern nur stundenweise.

Hohe Krankheitsfehlzeiten bei Dürkheimer Stadtverwaltung

„Wir hatten im ersten Quartal dieses Jahr mehr Krankheitsfehlzeiten als in den beiden letzten Jahren zusammen“, sagt der geschäftsführende Beamte der Dürkheimer Stadtverwaltung, Lars Pletscher. Im Rathaus selbst gab es keine einzige Ansteckung, die Leute infizierten sich alle außerhalb der Stadtverwaltung. In einzelnen Bereichen sei es durch hohe Krankenstände „etwas knapp“ geworden, aber sie drohten zu keiner Zeit, die Verwaltung lahm zu legen, der eine oder andere Vorgang sei vielleicht als Konsequenz etwas länger liegen geblieben.

Durch die Corona-Epidemie „doppelt erwischt“ wurde die Christliche Sozialstation Bad Dürkheim-Freinsheim. Auf der einen Seite wurde die Pflege von Klienten durch die Corona-Epidemie viel aufwendiger und andererseits infizierten sich die Pflegekräfte durch Omikron auch selbst häufiger. In den beiden vergangenen Wochen war in dieser Hinsicht der Höhepunkt, berichtet Geschäftsführer Sören Vitic. Man sei jedoch durch einen Pandemieplan gut vorbereitet gewesen und habe die Situation mit „ganz viel Engagement“ der Beteiligten und kluge Verteilung der Arbeit gut überstanden.

Abbau von Resturlaub nicht möglich

„Wir waren von einem genauso hohen Krankenstand betroffen, wie andere Betriebe auch“, bestätigt der Sprecher der Kreisverwaltung, Arno Fickus. Aber eine arbeitsunfähige Verwaltung wegen des Schließens könne es nicht geben, aber eben auch keine freien Tage für die Arbeitsfähigen. Der Rest des Jahresurlaubes hätte eigentlich bis Ende März genommen sein müssen. Dies sei aber wie im Jahr zuvor nicht möglich gewesen.

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