Bad Dürkheim
Carl-Orff-Realschule Plus will mit Vielfalt punkten
„Ich bin ein absoluter Fan von dieser Schulform“, sagte die Staatssekretärin für Bildung in Rheinland-Pfalz, Bettina Brück (SPD), am Mittwoch während ihrer Rede in der Carl-Orff-Realschule plus. Ihr Besuch in Bad Dürkheim bildete den Auftakt der diesjährigen Wochen der Realschule plus. Seit sieben Jahren sind sie Teil der Informationskampagne des Landes, um die vergleichsweise neue Schulform bekannter zu machen. „Es ist mir ein wirkliches Anliegen, deutlich zu machen, was für eine tolle und starke Schulform das ist“, betonte Brück, deren zwei Söhne ebenfalls auf eine Realschule plus gehen. Für sie gebe es keine andere Schulart, die ein solch vielfältiges Bildungsprogramm und individuelle Förderung jedes Einzelnen anbiete. Auch den Praxisbezug hob sie hervor: „Niemand sonst arbeitet so eng mit Betrieben und der Handwerkskammer zusammen wie die Realschulen plus“, sagt Brück.
Praxisbezug wird hervorgehoben
hulleiter Achim Walk und verweist zum einen auf die entsprechenden Vertreter und Partnerbetriebe, wie beispielsweise das Gartenhotel Heusser, die am Mittwoch ebenfalls vor Ort waren. Zum anderen ging er auf das Wahlpflichtfach „Lebenswelt“ ein, in dem die Schüler ganz praktische Dinge für den Alltag lernen, zum Beispiel wie sie eine Überweisung tätigen. Darüber hinaus gebe es über das Jahr verteilt noch viele weitere Projekte, die an diesem Tag nun in komprimierter Form vorgestellt wurden. Übernommen wurde die Leitung durch den Vormittag von Mahmod und Amelie von der Schülervertretung, um zu zeigen „welche tollen Möglichkeiten es hier an der Carl-Orff-Realschule gibt“.
So wurde beispielsweise das Projekt der Schulsanitäter, Streitschlichter, die Potenzialanalyse und das Bewerbungstraining der Schule sowie eine Mitmachaktion der Handwerkskammer zur Berufsfindung vorgestellt. Zudem gab es auch Einblicke in die Arbeitsgemeinschaft, die sich mit dem Bau von zwei 3D-Druckern beschäftigt und die Schüler so schon früh an Themenfelder wie Elektrotechnik und Programmieren heranführt.
„Diese vielfältigen Angebote zeigen, dass die Schulart mit der Reform nicht nur einen anderen Namen bekommen hat, sondern sich wirklich auch inhaltlich viel getan hat“, sagt Brück. Ähnliche Worte fand auch der Erste Kreisbeigeordnete Timo Jordan (SPD) in seiner Rede. Die Kritik, die es zum Anfang der Reform gegeben habe, unter anderem, dass es sich dabei um einen „Etikettenschwindel“ handle, habe sich seiner Meinung nach nicht bestätigt. 13 Jahre später zeige sich, „dass das so gar nicht stimmt“. Jordan ist der Auffassung, dass es gerade die Realschule plus schafft, „vielfältige Möglichkeiten der Ausbildung anzubieten“. Um diese Überzeugung zu unterstreichen, kündigte er an, dass der Kreis im Haushaltsplan für die nächsten zwei Jahre 325.000 Euro für Investitionen in die Carl-Orff-Schule eingeplant hat. Er sieht diese Schulform als „solide Basis für eine komplexe Zukunft“.
Und dennoch braucht es offensichtlich noch solche Informationskampagnen und Projekte wie die Wochen der Realschule plus, denn: Wie entsprechende Zahlen vom Statistischen Bundesamt zeigen, gehen die meisten Kinder nach der Grundschule aufs Gymnasium oder die Integrierte Gesamtschule. Wieso ist das so? Brück ist sich sicher, dass das nicht auf ein schlechtes Image zurückzuführen ist, sondern eher dadurch zustande kommt, „dass viele noch nicht genug über diese Schulform wissen“. Die meisten Eltern schickten ihre Kinder lieber in die Schule, die sie selbst kennen. Entsprechend daure es „immer ungefähr eine Generation“, bis sich etwas Neues etabliert habe.
Realschulwochen sollen informieren
er Realschulwochen, auch die Grundschullehrer und Eltern über die „unbekannten Facetten der Schulart Realschule plus“ zu informieren und sie dafür zu begeistern. Bei den anwesenden Eltern scheint das bereits funktioniert zu haben. „Für mich gibt es keine andere Schule“, sagt so beispielsweise eine Mutter, von der bereits drei Kinder auf die Carl-Orff-Realschule plus gehen. Obwohl sie eine Gymnasiumempfehlung gehabt hätten, habe sie sich gemeinsam mit ihren Kindern bewusst für die Realschule plus entschieden. „Ich möchte, dass meine Kinder motiviert durch die Schule gehen und nicht schon in der Orientierungsstufe so einen großen Druck haben“, erläutert die Mutter die Entscheidung. Sie wolle niemanden degradieren, der sein Kind auf das Gymnasium schickt, für sie sei jedoch die Realschule plus die richtige Wahl.
In Rheinland-Pfalz sind bisher 185 Realschulen plus entstanden. Im Zuge der Infokampagne besuchen Staatssekretärin Bettina Brück und Ministerin Stefanie Hubig in dieser Woche weitere vier Realschulen plus in der Pfalz.