Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Burgruine Wachtenburg erstrahlt in neuem Glanz

Die frisch gestrahlte und verfugte östliche Ringmauer nach der Sanierung.
Die frisch gestrahlte und verfugte östliche Ringmauer nach der Sanierung.

Die Burgruine präsentiert sich wieder von ihrer schönsten Seite, denn die Sanierung der Ringmauer ist beendet. Ganz besonders stolz ist der Förderkreis auf den begehbaren Wehrgang, von wo aus sich ein atemberaubender Blick in die Rheinebene eröffnet. Doch ab wann dürfen ihn die Besucher genießen?

Für Dieter Weilacher, Vorsitzender des Förderkreises zur Erhaltung der Ruine Wachtenburg, ist der begehbare Wehrgang der Höhepunkt der Arbeiten. Er ist mit einer Schießscharte ausgestattet und lässt einen atemberaubenden Blick in die Rheinebene zu. Für die Besucher ist er aber noch nicht zugänglich. „Der etwa 40 Meter lange Wehrgang befindet sich zwischen dem östlichen und südlichen Flankierungsturm. Die Treppenzugänge werden im Frühjahr gemauert, für den Publikumsverkehr wir er dann im Sommer geöffnet sein“, erläutert Weilacher. Derzeit werden im Bereich des Zuganges zur Burgschänke zwei Mauern ertüchtigt, die dem Besucher veranschaulichen sollen, wie die Fundamente der Burg ursprünglich aussahen.

An den Gesamtkosten der Sanierung in Höhe von 606.000 Euro beteiligt sich das Land Rheinland-Pfalz mit 180.000 und die Stadt Wachenheim mit 202.000 Euro. Der Förderkreis, dessen Mitglieder ungefähr 2.500 Arbeitsstunden in das Projekt investierten, übernimmt die restlichen 224.000 Euro. Für die Treppen werden laut Weilacher zusätzliche Kosten in Höhe von etwa 35.000 Euro entstehen.

Mauer erstrahlt viel heller als zuvor

Wer die Burg kennt, wird seit einiger Zeit bemerkt haben, dass sie von weitem betrachtet viel mehr ins Auge fällt und „viel heller daherkommt“. „Die östliche Ringmauer wurde zunächst mit einem Sandstrahler behandelt, um die Fugen anzurauen um sie dann mit einer Spritze zu verfugen“, informiert Weilacher und ergänzt, dass dabei ein speziell für die Wachtenburg entwickelter Mörtel verwendet wurde. Durch diese Mauerbehandlung sei die Burg jetzt viel heller geworden, würde innerhalb von zwei bis drei Jahre wieder nachdunkeln.

Krüge, Trinkgefäße und Kacheln ausgegraben

Ständiger Begleiter der gesamten Sanierungsarbeiten war der Archäologe Holger Grönwald aus Dresden, der bereits zum sechsten Mal, unterstützt von studentischen Hilfskräften der Universitäten Freiburg und Regensburg, für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Burggeschichte und den dort gemachten altertümlichen Funden, verantwortlich zeichnete.

Wie bei den vorherigen Grabungen auch, wurden wieder Zeugnisse aus längst vergangenen Zeiten wie Krüge und Trinkbecher sowie gut erhaltene Ofen- und Fußbodenkacheln aus dem 15. Jahrhundert und verschiedene Münzen aus dem 14. und 15. Jahrhundert gefunden. „Wir haben in dieser Kampagne nicht im Außenbereich der Burg, sondern intern im Bereich der Unterburg im Hofbereich, wo wir bisher noch nie tätig waren, gegraben“, beschreibt Grönwald den Reiz der zurückliegenden archäologischen Arbeiten. So konnten neue Erkenntnisse des ursprünglichen Palasbaues der Unterburg gewonnen werden. Man wisse nun, wie breit das Gebäude, dessen Entstehung in das beginnende 14. Jahrhundert datiert wird, gewesen sei und wo das Fundament gestanden habe. Außerdem habe man eine Mauer aus dem 13. Jahrhundert gefunden, die dem Bereich der Kernburg, also der Gründungsphase der Burganlage, zugeordnet werden könne.

Münze war früher „Massenware“

Erwähnenswert ist nach Ansicht des Archäologen die Entdeckung einer Münze, die er dem ausgehenden 13. Jahrhundert zuordnet. Dabei handele es sich um eine Prägung aus Schwäbisch Hall mit einer abgebildeten Hand, deren Finger man gut erkennen kann, und einem Kreuzmotiv, das von einem sogenannten „Vierschlag“ eingefasst ist. „Das war die erste wirklich im Heiligen Römischen Reich in Massen umlaufende Münze, in die später immer mehr Kupferbestandteile eingemischt wurden, was am Oxid gut zu erkennen ist“, erläutert der Wissenschaftler und ergänzt, dass man auch damals schon Material gespart habe. Wäre die Münze aus reinem Silber gewesen, hätte man sie dem ausgehenden 12. Jahrhundert zuordnen können.

Ob es für Grönwald weitere Grabungsaufträge auf der Wachtenburg geben wird, steht noch nicht genau fest, Pläne gebe es aber bereits, denn Weilacher hat noch eine Vielzahl weiterer Sanierungsideen, so dass das Kapitel Wachtenburg auch in Zukunft spannend bleiben wird.

Hier der noch nicht zugängliche Wehrgang.
Hier der noch nicht zugängliche Wehrgang.
Die archäologischen Grabungen lieferten neue Erkenntnisse zur Burggeschichte. Hier eine Münze aus dem späten 13. Jahrhundert.
Die archäologischen Grabungen lieferten neue Erkenntnisse zur Burggeschichte. Hier eine Münze aus dem späten 13. Jahrhundert.
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