Bad Dürkheim Buchtipp: „Das geheime Leben des Monsieur Pick“

Sigrid de Raaf
Sigrid de Raaf

Von David Foenkinos Roman „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ (Aus dem Französischen von Christian Kolb, 336 Seiten, 19,99 Euro, Deutsche Verlagsanstalt, München, E-Book 15,99 Euro) ist Sigrid de Raaf, Leiterin der Stadtbücherei Bad Dürkheim, ganz begeistert. Als Buch des Monats empfiehlt sie ihn heute. Der Roman kann in der Stadtbücherei ausgeliehen werden. „David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Sein Buch „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ stand in Frankreich monatelang auf der Bestsellerliste, wurde verfilmt und kommt 2019 in die Kinos. Angesiedelt ist die Geschichte in Finistère in der Bretagne, wo der Wind tobt und die Wellen das Land umspülen. Dort gibt es eine ganz besondere Bibliothek: Sie sammelt Bücher, denen das Erscheinen verwehrt wurde. Jean-Pierre Gourvec leitet diese Bibliothek, und ihm zur Seite steht Magali, die zwar kein besonderes Interesse an Literatur hat, aber dafür zwei Kinder und einen Ehemann mit nur einer halben Stelle bei den Renault-Werken. Jean-Pierre hat den angestaubten Humor eines einsamen Gelehrten. Wenige Wochen nach der Hochzeit von seiner Frau verlassen, hat er nie wieder geheiratet, und die Gründe für das Scheitern der Ehe umgeben ihn wie ein bitteres Geheimnis. Nach seinem Tod führt Magali die Bibliothek alleine weiter. In Finistère lebt auch Madeleine Pick, gerade 80 Jahre alt geworden, verwitwet und noch immer von scharfem Verstand. Vierzig Jahre hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Henri eine Pizzeria betrieben, er backte, sie bediente. Ihre Tochter Josephine, längst erwachsen und geschieden, führt ein eher unglückliches Leben. Eine jähe Veränderung gibt es in dem kleinen bretonischen Ort, als die junge, ehrgeizige Lektorin Delphine aus Paris auf das unveröffentlichte Manuskript eben jenes Pizza-Bäckers mit dem Titel „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ stößt. Sie erkennt das Verkaufspotenzial dieses Textes und beschließt, ihn zu veröffentlichen. Die Geschichte des schreibenden Pizza-Bäckers fasziniert die Menschen, und ein regelrechter Medienrummel beginnt. Seine Witwe mag nicht glauben, dass ihr Mann ein großer Schriftsteller war, hat er doch nie etwas Anderes geschrieben als Einkaufslisten, und auch seine Orthografie ließ zu wünschen übrig. Führte er etwa ein geheimes Zweitleben? Diese Zweifel hegt auch ein heruntergekommener Journalist aus der Buchbranche, der zu recherchieren beginnt. Der Medienrummel, die vielen Besucher in Finistère und der Bibliothek und nicht zuletzt auch das Geld, das die Veröffentlichung eines Bestsellers mit sich bringt, bleiben nicht ohne Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Beziehungen werden gelöst und neues Glück gefunden. So manche Gewissheit erweist sich als falsch und wird auf den Kopf gestellt, bis sich am Ende das Rätsel um den Schriftsteller und sein Werk auflöst … Etwas schräg, leicht und charmant erzählt der französische Bestsellerautor von der Macht der Bücher und der Liebe. Einen Seitenhieb verpasst er dem Literaturbetrieb und beschreibt mit einem Augenzwinkern die ganze Maschinerie, die mit der Veröffentlichung eines Buchs in Gang gesetzt wird. Die flott zu lesende Geschichte mit ihren kleinen ironischen Spitzen hat mir gut gefallen. Fast könnte man sich übrigens auch das vorstellen – eine Bibliothek der abgelehnten Bücher.“

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