Bad Dürkheim
Brandschutz und Generationswechsel: Was das Jukib derzeit beschäftigt
„Es hat uns volle Breitseite erwischt“, sagt Jukib-Leiter Wolfgang Schmehrer. Seit rund drei Jahren dürfen sich in den beiden Obergeschossen des ehemaligen Lyzeums, das seit 1990 Domizil des Jukib ist, nur noch 15 Leute aufhalten. Bei einer Brandschutzbegehung habe der zuständigen Mitarbeiter der Kreisverwaltung festgestellt, dass es aus den beiden Obergeschossen des Gebäudes nur einen Ausgang gibt. Damit fehlt ein zweiter Fluchtweg. Deshalb wurde für die beiden Obergeschosse eine Begrenzung auf 15 Personen angeordnet. Das hat zur Folge, dass seit rund drei Jahren im Jukib keine Konzerte mehr möglich sind.
Denn der große Raum, in dem diese Veranstaltungen 30 Jahre lang stattfanden, befindet sich im ersten Obergeschoss. „Wir hatten jeden Monat ein Konzert, die waren bei Musikfans bekannt, unbekannte Bands hatten hier eine Möglichkeit aufzutreten“, sagt Schmehrer. Darüber hinaus gab es regelmäßig Partys und Discos für verschiedene Altersgruppen. Das Personenlimit wirkt sich ihm zufolge nicht nur auf eigene Veranstaltungen aus, denn der Raum sei auch an Kinder und Jugendliche vermietet worden, etwa für Geburtstagsfeiern. In den Obergeschossen sind auch die Schlarb-Bibliothek der Museumsgesellschaft, der Schachclub Bad Dürkheim-Wachenheim und Büros der Tourist-Information. Die gleichzeitige Nutzung der vorhandenen Räume sei fast unmöglich geworden, was dazu führe, dass ständig Absprachen und Kompromisse erforderlich sind, sagt Schmehrer.
„Viele haben sich in der Zeit verändert“
Da während der Pandemie ohnehin keine Konzerte und Partys möglich waren und das Programm reduziert werden musste, sei die Personenbegrenzung lange Zeit kein Problem gewesen, erläutert der Chef. Inzwischen sei das anders. So kämen Gruppen, die sich vor dem Ausbruch der Pandemie in dem Haus getroffen haben nun nicht mehr. Und ohne Konzerte und Partys sei es schwieriger, neue Besucher zu gewinnen. Genau das wäre aber nötig, da die Anzahl der Besucher noch immer geringer sei als vor Corona. Diejenigen, die früher zu den Älteren gehörten, seien inzwischen für das Jukib zu alt. „In Jugendtreffs ist ein ständiger altersbedingter Wechsel der Besucher normal. Uns fehlen wegen Corona aber zwei bis drei Jahrgänge“, sagt Schmehrer. Zwar habe das Team während der gesamten Pandemie möglichst viele Angebote gemacht, doch offene Treffs und ähnliches, durch die Kinder und Jugendliche oft erstmals mit dem Jukib in Kontakt kommen, seien kaum möglich gewesen.
„Viele haben sich in der Zeit verändert“, berichtet Schmehrer von Erfahrungen seines Teams mit den jungen Besuchern. Sie seien distanzierter und reservierter geworden, nicht mehr so offen und unbefangen, wie es Gleichaltrige vor der Pandemie waren. Der Jahresbericht weist die Bewegungsdefizite zahlreicher Jungen und Mädchen hin. Auch bestehe verstärkt eine „Konsumerwartungshaltung“, da lange alles vorgegeben wurde. Zudem sei das Sozialverhalten „stellenweise auffällig“.
Wie Schmehrer berichtet, werde – mit Ausnahme von Konzerten, Partys und anderen größeren Veranstaltungen – wieder alles angeboten, was früher zum Programm gehörte. Trotz Ganztagsschule und betreuender Grundschule seien an den meisten Tagen sechs bis acht Kinder bei der Hausaufgabenhilfe. Zudem gibt es Kindercafé, Jugendclub, Jugendcafé, geschlechtsspezifische Angebote und Babysitter-Ausbildung. Eingeschlafen sei hingegen das Fußballtraining. Sehr gut sei die Resonanz beim Rocksommer und beim Fallen Fortress Open Air gewesen, die beide 2022 erstmals wieder stattfinden konnten. Auch die Ferienprogramme seien weitgehend ausgebucht gewesen.
Generationswechsel beim Team
Ein Generationswechsel vollzieht sich bei den sechs Hauptamtlichen: Die langjährigen Mitarbeiterinnen Sabine Buschbeck und Jutta Klingler sind im vergangenen Jahr in Rente gegangen. Ebenfalls viele Jahre im JuKiB tätig ist Elli Menge, sie wird den beiden Ende des Monats in den Ruhestand folgen. Buschbeck war für Hausaufgabenhilfe und Ferienprogramm zuständig, ihre Nachfolgerin ist Marie-Luise Dick. Kai Hensel ist der Nachfolger von Jutta Klingler, die unter anderem für den Jugendclub zuständig war.