Bad Dürkheim Bonbons für die Orgel

„Überwiegend heiter“ könnte man das Programm benennen, das Martin Setchell bei den Internationalen Orgeltagen in der Schlosskirche spielte. Ein großes Herz für vergnüglich e Preziosen hat der Organist aus Neuseeland und ebenso eine romantische Seele. „Die Orgel ist für Jedermann, nicht nur für Kirchenmusiker und das will ich in meinen Programmen zeigen“, sagte der aus England stammende Neuseeländer.
In Europa erhielt Setchell seine Ausbildung, unter anderen bei Größen wie Marie-Claire Alain und Pierre Cocherau, jetzt ist er Musikprofessor in Christchurch. Eine CD mit neuseeländischer Orgelmusik hat er ebenso veröffentlicht wie „Bonbons for Organ“. Eben solche Bonbons spielte er auch am Dienstagabend. Etwa von dem Briten Francis Edward Bache, dessen rhythmisch markant marschierendes „Introduction and Allegro“ ein bisschen Kirmesatmosphäre verbreitete. Spielerisch heiter kam William Walonds „Cornet Voluntary“ G-Dur daher. Einen „Jig“, einen irischen Tanz von John Gardner, spielte der Organist zunächst einstimmig und ganz original im Register der Tin-whistle (Zinnpfeife), um dann durch vergnügliche Felder kontrapunktischer und farblicher Art zu führen. Auf ein spanisches Fest begab sich der Organist danach mit „El Dia de Fiesta“ von Noel Goermanne. Er brachte reichlich spanisches Kolorit und Schwung hinein. Die deutsche Orgelmusik wurde dazwischen gleichfalls gewürdigt, mit Bachs Präludium und Fuge G-Dur. Die lyrische Gesanglichkeit der Nr. 4 aus Robert Schumanns „Canonischen Studien“ stellte der Organist ausdrucksvoll heraus – ließ sie ruhevoll in warmen Registern schweben. Zwei köstliche Preziosen gab es auch vom Jubilar Max Reger. Erst das Scherzo op. 65 Nr. 10, das heiter und vergnüglich in typisch Reger’schen Harmonien tanzte, die dicht und labyrinthisch daherkamen. Dann die Variationen und Fuge über „Heil, unserem König, heil“. Dessen genüsslich musiziertes Thema forderte dem Publikum dann schon reichliches Schmunzeln ab, denn die Melodie war bekannt auch als alte deutsche Hymne „Heil dir im Siegerkranz“ oder aber als britische Hymne „God Save the Queen“. In raffinierte harmonische und farbliche Variationen brachte der Organist das Werk, das in einer kräftig verdichteten Schlusssteigerung gloriose Pracht entfaltete. Mit „The heart of peace“ des norwegischen Jazzmusikers Mons Leidvin Takle kamen noch einmal romantische Gefühle auf und einen kräftig erhebenden Rausschmeißer gab Stechell mit der Toccata in A von Bonaventura Somma. Der italienische Komponist orientierte sich bei der Konzeption des Werks an der Toccata aus Léon Boellmanns „Suite gothique“, wo ähnlich über majestätischem Bass farbenreiche Ornamente kreisen und tanzen. In der Zugabe tanzte es auch: der „Rosarote Panther“ schaute in einer Fugetta vorbei.