Bad Dürkheim Blues und Indierock mit Herz und Verstand

Ob Freude, Wut oder Trauer: Toby Beard findet dafür stilsicher die richtigen Töne und Texte. Das kam auch am Freitagabend im Gew
Ob Freude, Wut oder Trauer: Toby Beard findet dafür stilsicher die richtigen Töne und Texte. Das kam auch am Freitagabend im Gewölbekeller des Alten Landhauses bestens an.

Auf Einladung von „FreinsheimArt“ machte die australische Sängerin und Songwriterin Toby Beard während ihrer aktuellen Europatour am Freitag im Alten Landhaus in Freinsheim Station. Mit ihrer enormen Ausstrahlung und Energie riss die Blues- und Indie-Künstlerin mit holländischen Wurzeln das Publikum mit.

In „Down under“ ist Beard, deren Mutter Holländerin ist und die kürzlich die niederländische Staatsbürgerschaft erhalten hat, längst eine feste Größe im Business. Künftig möchte sie verstärkt in Europa Fuß fassen und zeigt sich deshalb momentan relativ oft auf bundesrepublikanischen Bühnen. Wo Beard auftritt, ist auch stets ihr langjähriger musikalischer Partner, der Schlagzeuger Josse Scharrard, mit von der Partie. Er steht nicht nur für treibenden Rhythmus, sondern ist auch für seinen Humor bekannt. Nach der Show lässt er sich immer gerne auf Gespräche mit den Fans ein. Komplettiert wird die Toby-Band durch die Bassistin Caroline Kamp und den Gitarristen Jorn ten Hoopen, die wie Sharrard ebenfalls aus den Niederlanden kommen. Beard wird von Fachleuten gerne als Blues-, Roots- und Indie-Künstlerin beschrieben, was auch durchaus ihre Berechtigung hat. Allerdings reicht das nicht annähernd aus, um widerzuspiegeln, was die Sängerin, Multiinstrumentalistin und Stückeschreiberin aus Perth/Western Australia tatsächlich ausmacht. Wie Toby im voll besetzten Gewölbekeller des Alten Landhauses bewies, ist sie eine Musikerin, die gewaltige Energie ausstrahlt und in der Lage ist, ein Publikum bis in die letzten Reihen mitzureißen, indem sie positive, aber auch negative Gefühle in Noten und wunderschöne Melodien verpackt. Damit dringt sie in ihre eigene Seele ein, aber auch in die ihrer Zuhörer, um sie mit Halt und Hoffnung zu erfüllen. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Song „Utah“. Bei einem Gig in dem US-amerikanischen Staat hat die Natur um die Hauptstadt Salt Lake City herum Toby schwer beeindruckt. Als sie später den Tod einer Familienangehörigen zu beklagen hatte, brachte sie dieses Ereignis mit einem weiteren Utah-Aufenthalt in Zusammenhang und schrieb den erwähnten Song, der, nach ihren Worten, wie Medizin auf sie wirkte. Die Gegend um Freinsheim gefalle ihr aber genauso wie die um Utah herum. Darum überlege sie für ihr nächstes Album, einen Song zu schreiben, den sie „Freinsheim“ taufen werde, scherzte die Musikerin. „Utah“ wurde neben „Temple“, einem zünftigen Rocksong mit Dire-Straits-Gitarre, und dem verhaltenen „Three Days“ aus dem aktuellen Album „Nobody Told Me“ zu einem Höhepunkt des fast zweistündigen Konzerts, das immer wieder mit Überraschungen aufwartete. Eine davon war die Gesangseinlage von Drummer Scharrard. Er konnte im Duett mit der stimmgewaltigen Toby durchaus bestehen und gab mit ihr das romantische „Tell My Lover“ zum Besten. Die Fans tanzten dazu vor der Bühne und sangen begeistert mit. Im echten Leben sind Toby und Sharrard übrigens kein Liebespaar. Die Sängerin lebt in ihrer Heimat mit einer Frau zusammen. Sie gilt als eine Ikone in der Lesbenszene. Wohl auch deshalb hatten sich viele gleichgeschlechtliche Paare auf den Weg nach Freinsheim gemacht, um ihr zuzujubeln. Unter großem Beifall gratulierte ihnen Toby zu dem neuen Gesetz in Deutschland, das die Ehe auch für schwule und lesbische Paare rechtlich anerkennt. Sie wünsche sich sehnlichst, dass die Politik in Australien sich dazu auch endlich entschließen könne, sagte sie. Im Anschluss stimmte sie „Darling“ an, das sehr rhythmisch und laut losging, bevor Toby den Stecker an ihrer Gitarre zog, die Bühne verließ und sich ohne Verstärkerunterstützung singend und spielend zu einem Spaziergang durch den Gewölbekeller aufmachte. Die zierliche Bassistin Caroline Kamp tat es ihr nach und machte sich mit ihrem riesigen Kontrabass ebenfalls auf den Weg durch die begeistert klatschenden Zuschauer. Drummer Scharrard montierte daraufhin eine Trommel von seinem Schlagzeug ab und nahm ebenfalls ein Bad in der Menge − gefolgt von Jorn ten Hoopen, der sich eine Akustikgitarre schnappte. Die Stimmung kochte jetzt beinahe über, aber noch hatten Toby und ihre Band ihr wohl bekanntestes Stück „Don’t Go“ nicht gespielt. Das hoben sie sich für die Zugabe auf. Dafür und für ihre tolle Vorstellung zuvor wurden sie mit nicht enden wollendem Applaus belohnt.

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