Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Blickpunkt Wirtschaft: Holzküfer mit Sinn fürs Spezielle

Ein Familienbetrieb mit Tradition: Die Küferei Wilhelm Eder ist gut im Geschäft mit Holzfässern und investiert am Standort. Von
Ein Familienbetrieb mit Tradition: Die Küferei Wilhelm Eder ist gut im Geschäft mit Holzfässern und investiert am Standort. Von links: Anja Getto und die beiden Firmenchefs Nicholas Eder und Markus Eder.

Destillerien in den USA und Brauereien sowie Weingüter in Deutschland haben eins gemeinsam: Die Betriebe vertrauen Whisky, Bier und Wein Holzfässern des Dürkheimer Handwerksbetriebs Wilhelm Eder GmbH an. Das Geschäft laufe gut: „Wir haben die Auftragsbücher voll – trotz Corona“, sagt der Firmenchef Markus Eder.

Das familiengeführte Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern bietet Lösungen für das Profi- und das Hobbysegment an. Fässer in den Größen von einem Liter bis zu 10.000 Litern gibt es im Sortiment. „Diese Fässer stammen aus unserer eigenen Produktion, aber auch von unseren Partnern weltweit. Wir arbeiten mit führenden Küfereien aus den USA und Europa zusammen“, erklärt Eder. „Zu unseren Kunden zählen neben großen internationalen Weingütern, Getränkekonzernen und Destillen auch viele Privatkunden.“

Steckenpferd: Die Fertigung nach Maß

Wenn nötig, bauen die Fass-Experten ihre Produkte auch beim Käufer vor Ort auf. „Die Fertigung nach Maß ist unser Steckenpferd“, betont der Diplom-Kaufmann Eder. Der Betrieb verarbeite nachhaltig geerntetes Wertholz unter anderem aus Eiche, Douglasie, Esche und Robinie. Nach der Ernte wird das Holz im eigenen Sägewerk eingesägt und zur Verarbeitung vorbereitet.

Das Unternehmen existiert seit 1786, allerdings zunächst als Kolonialwarengeschäft, betrieben von einem der Ur-Großväter der heutigen Geschäftsführer Markus und Nicholas Eder. Namensgeber Wilhelm Eder handelte in Bad Dürkheim mit Waren für den Landhandel und Weinbau. Seit 1992 besteht der Betrieb in seiner jetzigen Form. „Heute sind die Aufgabenbereiche aufgeteilt, sodass alle Familienmitglieder einen Beitrag zum Erfolg leisten können“, sagt der 52-jährige Markus Eder. Im Unternehmen engagiert sich neben seiner Frau Ute auch sein 26-jähriger Sohn Jonas. Der Junior habe als ausgebildeter Böttcher und studierter Holztechniker seinen Beruf „von der Pike auf gelernt“, betont Vater Markus.

Nur nachhaltiges Holz im Einsatz

Seit über 30 Jahren sei die Wilhelm Eder GmbH ein Spezialist für Holzfässer. Rund zehn Millionen Euro setze die Firma jährlich um. Herzstück des Betriebs sind das eigene Sägewerk und die Küferei mit zehn Fassbindern, zudem gibt es eine Tischlerei. Der Firmenchef erzählt: „Das Küfern von Großfässern und den dazu benötigten hochwertigen Dauben aus Eichenholz hat uns veranlasst, ein eigenes Sägewerk zu eröffnen.“ Das Holz komme zu rund 90 Prozent aus dem Pfälzerwald. „Wir beziehen die Stämme aus nachhaltig bewirtschafteten Teilen des Pfälzerwalds und den Vogesen sowie einige Holzarten, wie die Esche, aus dem Harz“, heißt es. Im Sinne der Nachhaltigkeit unterstütze die Wilhelm Eder GmbH Forstämter finanziell beim Nachpflanzen von Bäumen. Aufgrund der Betriebsgröße greife das Holzsicherungsgesetz.

Drei Mitarbeiter kümmern sich um den Internetauftritt, um international präsent zu sein. Seit rund zehn Jahren sei die GmbH online aktiv, verkaufe unter dem Namen „Fässerstolz“ Produkte in allen Variationen aus Eiche oder Kastanie. Das sei mit ein Grund, dass die Umsatzzahlen trotz Corona stimmten, sagt Eder: „Wir haben online einen Zuwachs von rund 70 Prozent.“ Gleichzeitig aber sei beispielsweise das Geschäft mit den Brauereien fast eingebrochen. Es gibt aber noch ein weiteres Standbein: Fass-Möbel. So bekommt ein altgedientes Holzprodukt ein zweites Leben, und es entstehen Dinge des Alltags, gefertigt aus Fässern. Möbel und Accessoires zum Sitzen, Liegen, Stehen oder als Deko, hergestellt beispielsweise aus Bestandteilen alter „mit Whisky vorbelegter“ Fässer in Handarbeit. Privatkunden bestellten neben Kleinfässern unter anderem auch Regensammler in allen Varianten oder Großgefäße für Garten und Badelandschaft. „Für manche Artikel haben wir auch Design-Awards gewonnen“, sagt Eder.

Vor allem das Nordamerikageschäft soll wachsen

Pläne für größere ProduktionshalleAll diese Ideen brauchen Raum: Derzeit produziert und lagert das Unternehmen auf rund 22.000 Quadratmetern im Gewerbegebiet im Bruch in Bad Dürkheim. Nun möchte der Traditionsbetrieb am Standort in der Bruchstraße wachsen. Schritt für Schritt sei das Firmenareal über die Jahre erweitert worden. Die Pläne sehen vor, die Produktionshalle zu vergrößern. Eder hofft auf die Baugenehmigung noch bis Ende dieses Jahres, um 2022 mit den Arbeiten loslegen zu können. Die Küferei baue vor allem auf ein Wachstum im Nordamerikageschäft. Und Wachstum geht nicht ohne Nachwuchs: So setzt der Betrieb auf die eigene Ausbildung von Kaufleuten und Holzküfern. Der handwerkliche Nachwuchs absolviert sogar eine Ausbildung an einer österreichischen Berufsschule und besucht dort ein Internat. „Aber es ist nicht leicht, geeignete junge Leute für das Holzküferhandwerk zu finden.“ Aktuell sucht Eder zwei Auszubildende für das Küferhandwerk und einen kaufmännischen Lehrling.

In der Werkstatt.
In der Werkstatt.
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