Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Blickpunkt: DLRG befürchtet weit weniger Wasserratten

Keine Schwimmkurse, kein Schulschwimmen, vorübergehend oder dauerhaft geschlossene Bäder: Experten befürchten eine „Generation N
Keine Schwimmkurse, kein Schulschwimmen, vorübergehend oder dauerhaft geschlossene Bäder: Experten befürchten eine »Generation Nichtschwimmer.«

Schon vor der Corona-Krise ist die Anzahl der Nichtschwimmer gestiegen. Diesen besorgniserregenden Trend könnte die Pandemie noch verstärken. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) etwa kann seit Monaten kein Schwimmtraining mehr vor Ort anbieten und befürchtet, dass eine ganze Generation an Nichtschwimmern heranwächst.

Training gibt es bei der DLRG-Ortsgruppe Bad Dürkheim-Wachenheim momentan nicht – anders als bei anderen Ortsgruppen in der Pfalz auch nicht online. „Wir bieten zurzeit keinen Ersatz an. Das Gros unserer Mitglieder benötigt einfach ständige praktische Übung im Wasser, um Fortschritte erzielen und Rettungsmaßnahmen für den Notfall trainieren zu können“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Regina Mayer. Die Rettungsschwimmer seien aber auch im Lockdown bestrebt, fit zu bleiben. „Ab und an gibt es einen kurzen Austausch mit einzelnen Rettungsschwimmern“, erzählt sie.

Neben der DLRG macht die Pandemie mit ihren Einschränkungen Mayer zufolge auch den Schwimmvereinen zu schaffen. Während manch andere Sportler wie Tennisspieler wieder relativ normal trainieren können, fehle Schwimmern komplett der Zugang zu ihren Sportstätten, da die Bäder geschlossen bleiben müssen. „Konditions- und Krafttraining sind natürlich ebenfalls nötig und selbst in der Pandemie möglich, aber sie ersetzten die Meter im Wasser nicht“, erklärt die Expertin.

Retter nur mit genug Trainingszeit richtig fit

Für die DLRG sei die aktuelle Lage noch zusätzlich schwierig, da es bei ihr nicht nur um das Erlernen von Schwimm-, sondern auch Rettungstechniken gehe. „Die Schwimmer werden bei uns dafür ausgebildet, Menschenleben zu retten“, betont Mayer.

Kleiner Lichtblick: Zumindest bei den Trainern und Betreuern seien keine pandemiebedingten Engpässe erkennbar. „Bei der Aufsicht an Stränden, Seen oder Freibädern könnte es aber problematisch werden“, befürchtet sie. Zumal die Rettungsschwimmer nicht genügend Trainingszeit bekämen, um wieder richtig fit zu werden.

Ein weiteres Problem wiegt für Mayer noch schwerer: die drohende Generation von Nichtschwimmern. „Ihr Entstehen ist aber nicht der Pandemie geschuldet, sondern hängt mit den Trainingsmöglichkeiten zu normalen Zeiten zusammen“, erklärt sie. Auch andere DLRG-Ortsgruppen berichten von gravierenden Problemen bei den Kindern. „Sie haben zum Teil katastrophale Bewegungsabläufe. Das könnte daran liegen, dass sie zu viel vor dem Fernseher sitzen oder mit ihren Eltern zu wenig schwimmen gehen“, sagt Annette Zacher von der DLRG Kaiserslautern.

Initiative „Bäderleben“ zählt Schließungen auf

Das Bädersterben trage ebenfalls zum Entstehen einer Nichtschwimmer-Generation bei, ist Mayer überzeugt. Mittlerweile gebe es sogar eine Initiative namens „Bäderleben“, die sich für den Erhalt von Schwimmmöglichkeiten in Form von Frei- und Hallenbädern einsetzt und dazu umfangreiche Statistiken führt.

Demnach haben zwischen dem Jahr 2000 und 2019 bundesweit 245 Bäder für immer ihre Pforten geschlossen, durch die Pandemie könnten noch einige dazukommen. „Bäderschließungen verhindern, den Schwimmvereinen ausreichend Trainingszeiten anbieten und eventuell auch wieder in allen Grundschulen den Schwimmunterricht in den Lehrplan aufnehmen“, lautet ihr Vorschlag, um der drohenden Nichtschwimmer-Generation entgegenzuwirken.

Wieder bei null anfangen

Fehlende Unterrichtsstunden lassen sich laut Mayer nicht so einfach nachholen. „Solche Versäumnisse in der Schwimmausbildung können nicht aufgeholt werden. Bei den meisten Kindern werden wir wohl ganz von vorne beginnen müssen“, befürchtet sie. Also mit wichtigen Aspekten wie der Wassergewöhnung.

Ob sich die DLRG deshalb umorientieren und auch Schwimmkurse für ältere Jungen und Mädchen anbieten muss? „Ältere Kinder können wie bisher jederzeit einen Anfängerkurs belegen. Voraussetzung ist das Angebot der einzelnen Ortsgruppe, das wiederum von der Anzahl der ehrenamtlichen Trainer und den Trainingsbedingungen abhängt“, erläutert sie.

„Wir wünschen uns schnelle Entscheidungen“, kommentiert Mayer die Corona-Verordnungen. Eine baldige Öffnung der Bäder – spätestens zur Freibadsaison – könne für die DLRG-Ortsgruppe der ersehnte Rettungsanker sein. „Wir hoffen, auch im Hallenbad trainieren zu können“, ergänzt sie und verweist auf das Hygienekonzept aus dem Vorjahr. „Damit möchten wir so bald wie möglich wieder in den Übungsbetrieb einsteigen“, sagt sie.

Keine sicheren Termine für Öffnung des Salinariums

Und wie ist die Lage im Dürkheimer Salinarium? „Leider wird das noch ein bisschen stagnieren“, befürchtet Ira Schlömer hinsichtlich der Schwimmkurse. Die kommissarische Leiterin registriert zwar derzeit hin und wieder Anfragen nach Kursen, aufgrund der Lage sei aber ungewiss, wann und wie sie stattfinden können. „Wir müssen abwarten“, sagt sie. Es gebe noch keinen sicheren Öffnungstermin für das Bad, Kurse seien da schwierig zu terminieren.

Hinzu kommt: Zunächst werde nur das Freibad geöffnet. Und das sei bei kühlem Wetter nicht für Kurse geeignet, die fünf und sechs Jahre alten Kinder frören schnell. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Schwimmfertigkeiten der Kinder seien noch nicht abzusehen. Sie gibt zu Bedenken, dass im vergangenen Jahr kaum Schulschwimmen stattfinden konnte.

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